Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 5. (2.2.1888)
- Date
- 1888-02-02
- Page
- Seite 20 (sequence 5)
- Language
- German
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20 — Seotion I.,, die erste pareuetisohe Bede, fa^t zum Inhalte: Yerherrliehung Gottes und Israels, Ermahnung gegen den Götzendienst, Züchtigung und Erbarmen, und Destehtaus: l.Einleitungo.L 1—5; 2. die Grossartigkeit des Israel gegebenen Gesetzes o. IV., 1—8; 3. das Volk soll, was es am Berge Horeb gesehen und gehört, nicht vergessen und Ermahnung gegen den; Götzendienst o. IV., 9—24; 4. Androhung der Zerj Streuung unter den Völkern, wenn sie jenseits des Jordan thun werden, was böse ist in den Augen Gottes und Verheissung, dass Gott sich ihrer wieder erbarmen werde c. IV., 25—31; 5r Gott ist einzig und ausser ihm kein Gott, 0. IV., 32 — 40. (Fortsetzung folgt) _ * j Purim-Almanaeh. Herausgegeben von A. Goldj Schmidt. HL Sammlung. (Inhalt: 1. Ein Purim bei Achaschwerosch. Purim-Komödie. 2. Wilhelm Teil. Ein komisches Trauerspiel nach Schiller. 3. Nachmann Knuppenbeisser8 Biographie. 4. Der waghalsige. Bocher. Ballade.) — Hamburg 188b. Verl. v. A. Gold- Schmidt, Bachhandl. Preis: 1 Mark. Purim-Poesie! Diese Gattung dichterischer Produktion will vor allen Dingen nicht ״ernst“ genommen sein, nnd am wenigsten darf man sie vom ästhetischkritischen Standpunkte benrtheilen. Diese Dichtungen wollen überhaupt weniger gelesen und bekrittelt, als dargestellt und gehört werden — hauptsächlich am Purim, zu d e r Zeit, in welcher man zwar noch nicht ganz die Fähigkeit, zwischen Haman und Mordechai zu unterscheiden, verlernt hat, aber bereits aui dem besten ־Wege zur Erfüllung dieser wichtigen Mizwah; ist. Es sind Gelegenheitsgedichte, nicht im 1 Goethe’schen Sinne: aus einem Erlebten, oder sub- , jectiv Gefühlten, aus einer Gelegenheit heraus, 1 sondern für eine ganz bestimmte Gelegenheit gediohtet. Und in diesem Bezug verdienen die vorliegenden Schwänke volle Beachtung. Ein Hauch derber, aber durchaus gesunder Komik durchweht das Büchlein, die poetischen Stücke sind dramatisch wirksam, in guten Beimlein geschrieben und stehen noch auf so guten (Vers-) Füssen, wie man sie für ein weinseliges Purimstück gar nicht erwarten sollte. Die erste Komödie der Sammlung, mit ihrem feinerem Humor und den verschiedenen satyrischen Auspie- : lungen, hat uns am besten gefallen. Aue:1 die Nr. 4, eine Travestie des ״Taucher“, ist lesenswerth, sie steht . noch im Zusammenhänge mit demParimfeste’), was man I freilich von den NNo. 2 und 3 nicht sagen kann, es : sind Solo-Vorträge, die ebenso bei jeder andern hei-! teren, resp. angeheiterten Gelegenheit vorgetragen 1 werden können. No. 3 ist im jüd.-deutschen Jargon, den wir selbst bei solchen Veranlassungen aus jüd. Gesellschaftskreisen verbannt sehen möchten, gehalten. Da der Interessentenkreis ein verhältnissmässig geringer, so ist der Preis für diese Original- und auch originellen Dichtungen nicht za hoch gestellt. Sp.-H.; Oie lebende Megilla,' Purim-Lustspiel mit Gesang in 3 Akten. Zur Aufführung für Kinder in israelitisehen Schulen und Familien von L. J u 8 s u f. —; Verlag von J. SängePs Baehh. in Hamburg. Preis ׳ 75 Pf i — Es ist eine ganz treffliche Idee, die versificirte Megilla für die Jugend zu dramatisiren; die Anführung ist leicht, denn die Megilla rollt sich ja schon im Original ganz dramatisoh ab. Der Verf. hat den kindlichen Ton riohtig getroffen, hier und da auoh einige Liedchen, nach bekannten Volksmelodien zu singen, eingestreut. Der pseudonyme Verf. verräth sich als Oesterreioher, dass er das patriotische Lied auf S. 8 nach der Melodie der österr. Kaiserhymne singen lässt(,• und als Prediger dadurch, das8 er manche baggadisohe Deutung geschickt hineinverwebt. (Auf S. 8 ist in der vorletzten Zeile statt ״Mehuman“, wohl ״Memuohan“ zu lesen*). Das ganze Purim-Lustspiel ist recht ernst gehalten — vielleicht ein wenig zu ernst — bis auf die Schluss-Scene, wo Haman statt aufgeknüpft zu werden, durch einen durchlöcherten Stuhl fällt. Das Sohlasslied — nach der Melodie ״O Tannenbaum“ — fasst die Lehren, Freuden und Gaben des Purimfestes schön zusammen, wir können das Ganze als eine schöne ״Parimgabe“ für die Häuser, in denen noch echtes jüdisches Familien* leben pulsirt, empfehlen. Litterarische Notizen. 1. Chronologisches. Aut' meine Frage in No. 3 des Litt.- Blattes hatte Herr Rabbiner D. Simonsen-Copenhagen die (!Ute mir mitzutheilen, dass Dr. Moses Bü dinger in Kassel nach den Mittheilangen seiner Wittwe in Steinheim’s Biographie den 30. Jannar (also übereinstimmend mit Zunz,) Abends f, . " ’ 1 Steinheim wiederfinden. Cohen-Rees a. Rhein. 1*. Im Hameliz Nr. 279 wünscht Jemand Auskunft über eine rathselhafte Unterschritt, mit welcher ein Rabbiner, genannt הרב הגדול ד,מל,ובל אלקי המפורסם הנקרא בפי בל חסיד מאמשטרדם, seine Approbation zu dem Buche לל C'Tin אור התורה מהרב ר־ חיים ך פטר ואלקווא מ״ב״ש׳ ר ט״ו יב לפ׳יק unterzeichnet hat und welche lautet: הק׳ אברהם הכהן ב״ה חלה בתוך חלה וחשב בתק־ סחשב יפשר בתוך פשר וב״ך סמ״י וא־א. 3. Berlin. In *der Gesellschalt für Anthropologie machte Herr Dr. Kaufmann Mittheilung von der Begründung einer Gesellschaft, deren Zweck die Aufgrabung von altorientalisch en Trümmerhaufen sei; die zu gewinnenden Objecte sollen den deutschen Museen für Selbstkostenpreis zur Disposition stehen. Hoffentlich kommt die Thätigkeit dieser Gesell- Schaft auch der Palästinaforschung zu Gute. ■1. London. In der am 1. Januar abgehaltenen Sitzung des ״Jow Coli.“ wurden 3 Vorträge gehalten und zwar: 1. über den Brief .Scherira Gaon's, 2. über Alroy nnd 3. über die Formen der ungesäuerten Brode. Die beiden ersten Vorträge hieben Mitglieder des Instituts, den letzteren der Präsident. 5. Ein Bericht des Herrn Dr. Neubauer von der Entdeckung einer jüdisch-persischen Uebersetzung des berühmten, unter dem Titel ״Die Sieben Weilsen“ bekannten Buches steigert die Hoffnung, dass in kurzer Zeit eine ähnliche Uebersetzung der noch berühmteren Erzählungen ,.Kaliiah we- Dimnah“ das Licht erblicken.wird. In diesen interessanten Erzählnngen, welche ihren Weg von Indien nach Persien, von Persien nach Bagdad, von Bagdad nach Constantinopel und Toledo und dann durch alle Länder der Christenheit gemacht, spielen Juden eine Hauptrolle. Die meisten europäischen Uebersetzungen rühren von einer lateinischen l.'ebersetzung des Juden (?) Johann von Capua aus der hebräischen Version eine« unbekannten R. Joel In der Erforschung dieses Litteratur-Erzeugnl ■ sea haben jüdische Gelehrte Beträchtliches geleistet, besonders der grosse Benfey, dessen Arbeit über diesen Gegenstand epochemachend ist. ebenso Herr Derenbourg, welcher die Bearbeitungen R. Joels und Johannis von Capua edirt hat. Das fehlende Glied in dieser Kerfe ist bis heute noch die Pah Iwi- Uebersetzung, und steht zu erwarten, dass die Juden Persiens diese ebenso aufbewahrt haben werden, wie sie es mit der der ״Sieben Weisen“ gethan haben. *) S. 30 ist ״die Chower“ wohl nur ein Druckfehler statt ״den“ nnd S. 31 (״schicker wie Loth“) muss es natürlich _Lot“ heissen. I—-,1,1 , Verantwortlicher Redactenr Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck v, *) Bei einer 2. Auflage, die das billige Büchlein hoffentlich bald׳ erlebt, wären einige Versfüsse za kürzen und manche Härten in den Reimen wie ״erlöst“ und ״ausbläst“ (Prolog), ״Chronik“ und ״wonnig“ (8• 10) — zu vermeiden. D. L Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert F riese, Leipzig. ■MMÜ