Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 5. (2.2.1888)
- Date
- 1888-02-02
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/6492408-6488258-9805905--1373-4856525- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jahrg.XVIr Jüdisches Literatur-Blatt. Zar BiUukUig J14m betreffeadei •ekel■■»*«■ uf * ■opkie, flcuhiekt«, log!•• Orieataiia, Iler Jadaatbaai aad IltterirlMkn Erm Gebiet« der Philo- EthaegTaphle» Theo- Exegese, HoaJIetlk, Utergik (1. Pidegogik.! Herausgegeben J Ton i Rabbiner Dr. Moritz R&hmer.! I 2. &4(yvuaz, 1888. Bkh« Aw 111Kl1li(lBW l.ltl.r.l«r, welck. «er B*4*et,oa *agaaaalt wer*.*, *■Je* 1■ l|w■ Blatt* *la«*heaJ* Baapreek■** Bai Bla**a4anft rea awet Baeaaal**■• Bxaat*laraa erratet *iaaiallea karaa aratia-Iaacrttaa. Das ״JMUeke Lltteratnr-Blatt« erscheint wöchentlieh in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (.n L eipsig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Hark. Abonnenten der ,,Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich hei allen Postanstalten und Buchhandlangen 8 Hark kostet) erbalten das ״Jüdische Litteratar-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit S6 Pf• ttir die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Hark, berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes za senden• 0^^ Bnohhfcndler n. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten ‘15 ן( Rabatt. Inhalt: W issenschaftl iche Aufsätze: Rai (Fortsetzung.) — Zur Chronologie. Rees a. Rh. L itteraturber cht: Recensionen achten GangajnelU’s-Clemens XIV. - Blntbesohuldijcung der Juden. Ph. D’Eichthal, Belanges de Critique Hachette & Comp. (Fortsetzung). — ausgegeben von A. Goldschmidt. Purim-Lustspiel mit Gesang in 8 I. itterarische Notizen. ■bb: 1 Simon ben Gamligl. Von L. Cohen in Dr. A. Berliner Gutin Angelegenheit der Deutsch. — Gustave Biblique, etc. Paris, Purim-Almanach. Her- Die lebende Megilla. Akten von J ussuf. Nachdruck aur mit-voller Quellenangabe gestattet. e gewesen ist, was st mit der andern hm im einfachsten theilt uns mit, dass er es wird nns nicht Rabbi Simon ben Gjamliel. (Fortsetzung.) I R. Meir ist entschieden eine per merkwürdigsten Erscheinungen im Kreise der Tanaim. Die Sage hat sich seiner Herkunft und seiner Jugend bemächtigt, aber die Eindrücke der Jugend scheinen nicht ohne bestimmenden Einfluss acf sein späteres Leben geblieben zu sein. "Wir wissen, dass er in Kleinasien geboren wurde. Im Uebrigen erzählt uns der Talmud von ihm, dass er von einer Proselytenfamilie stamme, aber die sagenhaften Zu- Sätze machen den Werth dieser Miitheilung vollständig problematisch,; er berichtet uns, <$ass der Name Meir ״der Erleuchtende“ sein Ehrenna: wiederum nicht gut vereinbar Thatsache daäs seine Oollegen Gespräch diesen Namen geben. Ei Acher sein Lehrer gewesen sei, al recht klar, wapn R. Meir zuerst Aiher’s Unterricht genossen hat. Eä scheint, als wenn wirklich R. Meir durch seine Geburt nicht dem rabbinisahen Judenthum angehört habe, ,Von einer gnostisebpn Seote stammend, (wie die Beziehungen, in welche ihn die Sage zu Nero setzt, andeuten), mag er noch, bevor er zum rabbinischen Judenthum übertrat, Unterricht im Gesetze von Acher bekommen haben — es ist dies ja eine Erscheinung, die nicht vereinzelt dasteht, dass Jemand seine frühere Beschäftigung auch nachdem er sich von ihrem Unwerth überzengt hat, fortsetzt — und bei seinem Uebertritt wegen seiner schon damals seine Mitsohüler überstrahlenden Kenntnisse den Namen Meir erhalten haben. Wie dem aber auch sein mag, jedenfalls äusserte R. Meir die Gesinnungen eines Proselyten. Er hegte überschwängliche Begeisterung für die jüdisohe Lehre, dagegen liess ihn die Nationalität kalt. Uner« sohöpflioh ist er in Liebe und Lob für das jüdische Gesetz. Wer sich ihm weiht, und sei er anoh Seotirer oder Samaritaner, stehe in gleioiiem Rang mit dem Hohenpriester Ihm ist die Juden 1eit nicht mehr eine Nation, sondern eine Religionsgenossensohaft, das Gesetz nicht Stammeserbe, sondern es ist der ganzen Menschheit gegeben, denn so heisae es in der Schrift: der Mensch 8011 es üben .and in demselben and durch dasselbe leben, nicht hur der Priester Levit oder Israelit. R. Simon ben Gam&liel hingegen wurzelte mit seiner ganzen Anschauungsweise tief in der jüdischen Nationalität; so sehr er auch überzeugt war, dass ein Volk ohne Vaterland nicht gat denkbar sei, dass das jüdische Volk zu einer jüdischen Religionsgenossenschaft sich entwickeln müsse, so wollte er dennooh vom Volksthum so viel wie möglich in die neue Form des Jndenthums hinüberretten. Denn die Nationalität ist ihm ein eben so wesentlicher Bestandteil des Judenthams, wie die Religion. Die Feier des Versöhnungstages zur Zeit da noch der Tempel stand, and der Tag, an welchem die im betharischen Krieg Gefallenen beerdigt werden konnten, sind dem R. Simon die schönsten Momente im jüdischen Volksleben. Wer am neunten Ab nicht fastet, der sündigt ebenso wie einer, der am Versöhnungstag nicht fastet. Er glaubte an einen welthistorischen Beruf des Jadenthums, aber er begriff nicht, wie es aaf natürlichem Wege in seiner damaligen Gestalt Weltreligion werden könne. Seiner Ansicht nach verleiht in der That die Angehörigkeit zum Stamme Israel dem Menschen einen hohem Adel. In der hyperbolischen Weise des Orieuts lehrte er, alle Israeliten seien Söhne von Königen. Neben dieser theoretischen;Divergenz in der Auffassung des Judenthams zwischen R. Meir und R. Simon, dem Träger der einzigen an die nationale Selbstständigkeit nooh erinnernden Würde, lässt sich in manchen Sätzen R. Meir’s, Gereiztheit gegen R. Simon und ein gewisser Stolz aaf seinen eigenen Werth und seine vermeintliehe Unentbehrlichkeit für das Synhedrion nicht verkennen. Vom wahren Gelehrten rühmt R. Meir — nnd es ist unschwer zu erkennen, dass R. Meir bei diesem Bilde des wahren Gelehrten auch ein wenig an sich denkt — dass er aller Welt ebenbürtig sei; seines Raths bedürfe man, darum lasse man ihn an der Regierung theilnehmen nnd lege das Gerichtsverfahren in seine Hände, denn er ist im Besitz der Geheimnisse der Lehre. Von diesem wahren Gelehrten sagt R. Meir, selber berühmt als Sammler der Misohna and als Meister der Dialektik, dass er einer Quelle gleiche, die nie versiegt und einem Strom, ae'r alles mit sich fortreisst. Ihm gebühre der Vorrang überall; nar aus Bescheidenheit and Demath verzichte er zuweilen aaf die ihm zukommenden Würden. Der Sprössling Hilleis sollte es wissen, dass er nur durch das Wohlwollen R. Meir’s Patriarch in Israel sei. Rechnet man nooh hinzu, dass R. Meir die extremste Richtung der dialektischen Schale R. Akiba’s