Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 2. (11.1.1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 5)
- Language
- German
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eingesetzt zum Schutze des Arbeiters, sieht der Israelit in der Sabbath• Ruhe das Zeichen und den heiligsten Lohn seines Bundes mit Gott. “ In der That: wenn der Herr die Ruhe des Solaven nicht als ein Almosen betrachten, wenn sie ihm nioht bloss nätzlich, sondern ebenso heilig wie die seinige erscheinen 8011 te, konnte sie anders als durch die Ruhe am 7. Tage motivirt werden? (Fortsetzung folgt.) Loewy, 0. Tausend Jahre aus dem Leben des jüdischen Volkes ijn Zeitalter des Talmud’s. Wien 1887. Das vorliegende Bändchen ist die erste Lieferung einer Geschichte des Judenthums in populärem und anziehendem Stile geschrieben. Wir fänden darum, und auch deshalb, weil — nach dem Inhalt dieser ersten Lieferung zu schliessen — wir uns das ganze Werk als ein passendes Handbuch beim Religionsunterricht an den höheren Schulen denken können, den einfachen und entsprechenderen Titel: ״Kurzgefasste Geschichte des Judenthums von .... bis . . . .“ für bei Weitem geeigneter und klarer. Nachdem Männer wie Jost und Grätz in streng Wissenschaftlicher Weise die Basis zum Aufbau einer pragmatischen Geschichtserzählung des Judenthums geschaffen, ist es erfreulich, zu sehen, dass nach und nach in einfacher, leicht verständlicher Weise die Geschichte dem grösseren Publikum, das ja bekannt• lieh am liebsten auf bequeme und nicht kostspielige Art sich belehren lassen will, vorgeführt wird. So hat es denn der Verfasser obiger Schritt sehr gut verstanden, durch die Art seiner Erzählung, die sogar manchmal einen poetischen Anstrich annimmt, durch die Kürze seiner Darstellung, die dabei doch das Wichtigste genau ausfuhrt, durch die passende Eintheilang des Stoffes, der recht prägnant und markirt erscheint und durch die sehr passend angebrachten Bibelstellen, ja sogar kleinen Erzählungen aus der nach biblischen Litteratur, die nicht etwa als überflüssiger Radeschmuck, sondern wie not.hwendig zur Schilderung des Gegebenen erscheinen, sein Werk zu einer recht nützlichen und belehrenden Lektüre zu machen für Jung und Alt. Es geht uns mit dem Vorhandensein derartiger Bücher, die ja nicht so vereinzelt dastehen in der modernen jüdischen Litteratur, fast so, wie'mit der Abfassung von sogenannten Religionsbüchern, wovon wir ja auch vor der Hand immer noch nicht genug haben. Und vollends Bücher über die Geschichte des Judenthums! Wir haben nicht nur keinen Ueberschuss, sondern sogar Mangel daran! Darum ist obiges Unternehmen mit Freuden zu begrüssen, zumal es unserer Ansicht nach den an ein derartiges Geschichtsbuch für’s Volk oder für die Schule gestellten Anforderungen durchaus entspricht. Freilich hätten wir, ohne den Werth dieser Arbeit zu alteriren, manches zu erwähnen, das entweder nicht ganz begründet ist, oder passender hätte angebracht werden können. So wäre passender der ganze erste Ezcurs, der die Uebersicht der Geschichte bis zum Ablauf des babylonischen Exils enthält, state mit ״Einleitung“ mit den Worten ״Vorgeschichte“ überschrieben worden. Auch ist es nicht zu billigen, selbst wenn man mit Recht in einem Buche, wie das vorliegende ist, jede Bibelkritik vermeidet, die Bedeutung König Salomo’s (S. 6) zu schildern mit den Worten: ״Dieser erbaute den Tempel 1008 vor (?), ist der Verfasser der Sprüche wie des Hohenliedes.“ Steht Letzteres unumstösslioh fest?*) — Der zweite Abschnitt, der sich mit der Bedeutung Esra’s und Nehemia’s beschäftigt, entbehrt, *) För die Schale — ja. Bed. so sehr er auoh in sehr eingehender Weise diedamalige Gegenwart und die religiösen Zustände schildert, doch der Konstatirung jener wichtigen und folgenreichen Thatsache, dass die, sei es zur Zeit Esra’s, sei es in der nacbesraischen Zeit, eingeführten Thoravorlesungen am Sabbath und an den beiden Tagen der Woche als beständiger und wes entlieber Theil des Gottesdienstes für alle Zeiten sich erhalten haben. Auch wäre es ganz im Geiste des Geschilderten gewesen, wenn der Verfasser hierbei mehr auch von den ״Erklärungen“, die schon damals sich an die Thoravorlesungen anschlossen, gesprochen und so nachgewiesen hätte, dass die moderne Predigt beim Gottesdientse hieraus sich entwickelt hat und nicht etwa dem Christenthum entnommen ist — Die Thätigkeit der ״Männer der grossen Synode“ bildet den Inhalt des dritten Abschnitts, dem dann die Charakteristik der Bibel in einem vierten Abschnitt folgt, welcher letztere in der Mitte abbricht. Wir sehen mit Spannung der Fortsetzung des Werkes entgegen und können es schon jetzt als eine nützliche und interessante Lektüre auch für die Jugend auf’s Wärmste empfehlen. Landsberg. The Snnday-Sabbath, Suntay Sectures Nr. 7, by S. H. Sonnenschein. (Temple Israel). ״Der Sonntag-Sabbath“, ein echt amerikanisches Thema, das aber auch leider für Deutschland schon von grösserer Wichtigkeit ist. Und was uns vorliegt ist ein S o nn t ag s-Vortrag, gehalten im ״Temple Israel“ in St. Louis! Und der Redner ist . . . Dr. S. II. Sonnenschein, der Radikalsten einer! — — In welchem Sinne wird da wohl das Resultat ausfallen? Was ist selbstverständlicher, als dass der Redner zu Gunsten des Sonntag eintritt und den Sabbath zu den jüdischen Antiquitäten wirft? Das ist von einem Sonntags-Prediger gar nicht anders zu erwarten, und besonders wenn dieser Prediger .... Dr. Sonnenschein ist! — Weit gefehlt; Dr. Sonnenschein tritt ganz entschieden und mit dem ganzen Aufwande seiner geistreichen Beredsamkeit dagegen ein, dass der Sabbath auf den Sonntag verlegt werde. Und zwar ist sein Hauptargument: Der Sabbath ist der heilige Tag der Synagoge, der Sonntag ist der heilige Tag der Kirche. Jede Bestrebung, den Sabbath auf den Sonutag zu verlegen, ist demnach, wenn auch bei vielen unbewusst, ein Hinüberleiten der Wögen des Judenthums in den Strom des Christenthums. Der einzelneJude, welcher glaubt, sm Sabbath nicht ruhen zu können, möge ruhen, wann es ihm beliebt; die Gemeinden mögen auch Sc nntags-Vorträg» für diejenigen ihrer Mitglieder einrichten, welche Stärkung im Glauben der Väter suchen. Aber ״Gottesdienst“ soll nur am Sabbath und nicht am Sonntag gehalten werden. Das ist der kritische Punkt•, der entscheidend ist. Feiertägiger Gottesdienst am Sonntag ist immer ein ^tück Verchristlichung des Judenthums, das darf und kann nie im Namen des Judenthums geschehen, und wie wenig Boden die Versabbathlichung des Sonntags in der Judenheit hat, beweist, wie Dr. S. richtig ansführt, am besten, dass das von Holdheim in Berlin vor 40 Jahren gegebene Beispiel erst eine einzige Nachahmung in der neuesten Zeit gefunden and zwar in . . . Chicago!! Das ist in der That beredt! Wir können Herrn Dr. S. nur zu seiner ebenso begeisterten als geistreichen Behandlung des Gegenstandes beglückwünschen, und seine Worte fallen um so gewichtiger in die Wagschale, als Dr. S. notorisch zuin radikalen Flügel der Reform in Amerika gehört und sich auch dazu in diesem Vortrag offen bekennt. G. Verantwortlicher Bedactenr Dr. Bahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Bobert F riese, Leipzig.