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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1888-01-01 · N° 2. (11.1.1888) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
17 (1888)
Issue
N° 2. (11.1.1888)
Date
1888-01-01
Page
Seite 6 (sequence 3)
Language
German
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tcüit in die Zeit der Wirren, welche dem betharisohen Krieg vorangingen and ihn begleiteten. Wo eich seine Familie während dieser Zeit aafgehalt9n and in welchen Beaiehangen sie za dgm von Bar Koohba geleiteten Aafrahr gestanden hat, darüber berichten ans die Quellen Widersprechendes. Indessen ist anzanehmen, dass, 80 wie die Aristokratie im Allgemeinen, ohne freilich wie die hellenistische Aristokratie der Makkabäer-Zeit noch am dieGanst der Vaterlandsfeinde za buhlen, dem darch und durch demokratischen Aufstand fern blieb, weil sie, darch ihre griechische Bildang besser als Bar Kochba and sein Anhang über die Dimensionen and Hilfsmittel des römischen Reiches unterrichtet war and deshalb sich über die Erfolglosigkeit des Aufstandes keinen Täuschungen hingeben konnte,'das Patriarchenhaus vollends eine grosse Zuruckhaltung einem Aufruhr gegenüber beobachtet haben wird, dessen Sieg und Niederlage ihm gleich sehr gefährlich werden konnte. Der Sieg hätte die Hillel’sche Familie beim Volke in Vergessenheit gebracht, und alle Macht in Bar^Kochba’s Hände gelegt; die Niederlage musste, wie nachher wirklich geschadi, durch die furchtbare Verfolgung, welche sie hervorrief, das Vorrechtdes Hillel’schen Hauses werthlos und sogar gefährlich machen. Die tiefe Abneigung wider Bar Kochba, welche den R. Jochanan ben Torta zu der schroffen Antwort an den begeisterten R. Akiba veranlasst«: ״eher wird Gras aus Deinem Munde wachsen, ehe der Messias kommen wird,“ war das Gefühl, welches wahrscheinlich die Nachkommen Gamaliel’s und die ganze Aristokratie beseelte. Es ist sonach von vornherein auzunehmen, dass Rabbiner Simon seine Jugend nicht in Bethar verlebt hat. In der That verdienen von mehreren talmudischen Berichten, die uus über die Jagend R. Simons Aufschluss geben, diejenigen, nach denen R. Simon zu Bethar gelebt hat, wegen der Uebertreibungen und Unmöglichkeiten, von denen sie voll sind, wenig Glauben; und der einzige, der im Talmud oft citirt w!1d, und durch seinen einfachem^schlichten Ton sowohl, wie durch den Umsta'lrfj dass in halächischer Diskussion auf ihn Bezug genommen wird, glaubwürdig erscheint, weiss nichts davon, sondern erzählt uns einfach, dass er im Wohnorte seiner väterlichen Familie, in Jamm, seine Jugend verlebt habe, und in der Akademie daselbst, welche sich wahrscheinlich nach R. Gamliel nannte, seinen Unterrieht empfangen habe. Nach dem Hause und der Schule seines Vaters, der einzigen Schule, in der neben dem Gesetze auch die griechische Wissenschaft Berücksichtigung fand, kamen die Sohne der verwandten vernehmen Geschlechter, und imVerqjfi mit diesen wurde er in die Wissenschaft und Gesetzestradition eingeführt. Dagegen scheint ihm die neue Entwickiung der jüdischen Lehre, welche R Akiba hervorgerufen hatte, lremd geblieben zu sein, zum Theil wohl, weil in der spätem Periode der Wirksamkeit R. Akiba’s seine Schule mehr ein Heerd. für die revolutionäre Propaganda, als eine Stätte für die religiöse Bildung war. Ausserdem aber erfreute sich in der That die Auffassung R. Akiba’s damals noch nicht des Ansehens und der unbestrittenen Geltung, welche ihr später seine Schüler, darch die Zeitverhältnisse begünstigt, errungen haben. Aus dem wegwerfenden, beinahe verächtlichen Urtheil R Eleasar b. Asaijah’s über R Akiba, und aus der Anerkennung, welche dieser und andere Lehrer dem R. Ismael zollten, lässt sich vielmehr schliessen, dass R. Akiba den vornehmem Gesetzeslehrem, trotz aller Achtung vor seinem Charakter und seinem Talent, keine Autorität war, und dass die Schule R Ismaels besonders in den hohem Kreisen der Nation schon deswegen, weil RIsmael die Fundamental- Sätze seines Systems an die Hillel’sohen anlehnte und im Allgemeinen rationellen Gründen mehr R tum gab, einen viel grossem Anhang hatte. Im Sinne R. Ismaels und seines Vaters Gamaliel, die beide ersohwerenden Bestimmungen abhold waren, uni von denen ersterer alle allzu sehr in’s Leben eingreifenden Erschwerungen für unstatthaft uni in gefährlichen Zeiten die Uebertretung selbst der wichtigsten Gebote für erlaubt erklärt hatte, im Sinne dieser beiden Männer wurde denn auch R Simon, wie sich aas seinem fast überall einer milden Auffassung zaneigenden und das Streben nach Systematik bekundenden Normen ergiebt, im Gesetze unterrichtet. Von seinen Lehrern berichtet uns die Tradition niohts; aber es ist wahrscheinlich, dass er zum grossen Theil die Kenntniss der Gesetzeskunde seinem ältern Bruder Chanina verdankte, der als Gesetzeslehrer und jüngerer Zeitgenösse R. Akiba’s erwähnt wird und vielleicht in den Wirren, welche auf den betharischen Krieg folgten, seinen Tod gefunden hat, ohne dass er aus Gründen, die sich beinahe vollständig unserer Beobachtung entziehen, zu einem entscheidenden Einfluss auf die Geschicke seines Volkes gelangt wäre. Von dem Bildungsgang R Simons in den profanen Wissenschaften sind wir gleichfalls nicht unterrichtet. Nur so viel erkennen wir aus den auf uns gekommenen Resten seiner jüdisch-wissenschaftlichen Thätigkeit, dass er neben einer genauen Kenntniss der griechischen Sprache, in welche allem, nach seiner Ansicht, wegen ihrer Präcision und wegen ihrer Geschmeidigkeit die Bibel ohne Fälschung des ursprünglichen Sinnes übersetzt werden könne, nicht geringe Kenntnisse in der Astronomie, Mediciu und Botanik besessen hat, eine Vielseitigkeit der Bildung übrigens, die uus bei dem damaligen S:audpunkt der Wissenschaften nicht Wunder nehmen darf. In dem Umgang mit den Vornehmsten seines Stammes erwarb er sich auch jene liebenswürdige Mischung von Männlichkeit und Milde, von Festigkeit und Bescheidenheit, die den Charakter seines Vaters geziert hatte, und die das Geheimniss der grossen Wirkungen ist, welche er und sein Vater auf ihre sie vielfach überragenden Zeitgenossen ausgeübt haben. Bevor er jedoch seine in diesen Kreisen erworbenen Kenntnisse und Tugenden im Leben bewähren konnte, sollten ihm die harten Prüfungen, von denen damals die Juden heimgesucht wurden, nicht erspart bleiben. iFortsetzung folgt ) Eine Prinzipienfrage. In Nr. 52 des Litteraturblattes vom Jahre 1SS7 tadelt der Herr Referent, Bezirksrabbiner Dr. L an d s - berg, in der Besprechung des Baches: ״Die Religionslehre der Thora“ von Dr. Kurrein unter Anderm, dass, die Uebersetzung des Verses שמל ישראל lautet; ״Der Ewige ist unser Gott“ und knüpft daran den Wunsch, dass in allen Rsligionsschulen e in e grammatikalisch wie sachlich vollbegründete textgemässe Bibelübersetzung eingeführt verde, zu welchem Zweck er die Zanz’sche Bibelübersetzung empfiehlt. Da ich den Satz מחזיק -אזל כלב kenne, so würde ich mich wohl hüten, mich in den Streit zu mischen, wenn es sich nicht um eine sehr bedeutende p r i n - cipielle Frage handeln möchte. Es braucht nicht gesagt zu werden, dass ich alle Hochachtung und Verehrung vor unserm Altmeister Zunz hege und thatsächlich •habe ich seine Ueber- Setzung in meinen Lehrtexten am meisten benutzt. Es ist jedoch gut, dass wir Juden keine autorisirce Uebersetzung der Bibel wie die Katholiken in der Vulgata oder die Protestanten in der Uebersetzung

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