Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 1. (4.1.1888)
- Date
- 1888-01-04
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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t i pai n s, über Encyklopädie, Beligionsphilosophie etc. na Gznz*n eine sehr bedeutende Leistung Uebrigeus bemerkt diesmal die Bedaotion S. VI, dass die Verantwortung für den Inhalt der einzelnen Beitrüge die betreffenden Mitarbeiter tragen. — Heben wir Einiges aus dem Jahresbericht hervor: S. 10 betont Herr Siegfried, Prof. Lagarde habe seine Begehungen au Bückert in einer wahrhaft kl essisoh zu nennenden Form zur Darstellung gebracht. Nun, wir haben den Lesern d. BL längst Proben jener ,klassischen* Darstellungsform vorgeführt. S. 16 bemerkt Herr Siegfried, dass über Berliners Targum Onkelos Herr Lagarde in G. G. A. 22 einige recht bedenkliche Sachen aufgedeckt. Welche bedenklichen Sachen? wird nicht einmal angedeutet. Hätte Herr S. Berliners Schrift gegen Lagarde zur Zeit jener Bemerkung schon gekannt, er würde vielleicht ־nachgerade doch Anstand genommen haben, sie drucken zu lassen. — S. 44 wird der Textkritiker Weissmann von Herrn S. ein anspruchsvoller Enthusiast, ein Mann, der sich auf’s Abenteuern versteht, genannt. Wahrlich, man braucht manche Ansichten Weissmanns nicht za theilen und sich gleichwohl zu so faden Witzen gegen einen immerhin hochbegabten und redlichen Forscher nicht hinreissen zu lassen. S. 46 schreibt Herr S. der von uns sattsam gekennzeicbneten Art des Herrn H. Oort, der Wissenschaftliehen Welt־Nova zu bieten, ״bekannte Sorgfalt“ zu. S. 94 wird gesagt, Ad. Bosenzweig habe über den von ihm behandelten Zeitraum (das Jahrhundert nach dem babyl. Exile) Allerlei zusämmeDgelesen, aber den Stoff nicht recht durchdrungen; Richtiges und Falsches, Erwiesenes und Hypothetisches finde sich durcheinander. Dieses Unheil — ob zutreffend oder unzutreffend, bleibe unerörtert — hätten wir gern durch einige Beispiele begründet gesehen. S. 70 findet Herr S. den sittlichen Unwillen Lagtrde’8 wegen der jüdischerseits über den bekannten Techen gefällten Unheile erklärlich, aber — man höre und staune ob der Gnade! — die Anerkennung, die Lagarde andererseits dem verewigten Zunz gezollt, hätte doch die anderweiten Unheile des ersteren über diesen etwas mildern sollen. Nun, das ist doch, ״etwas“! — Warum giebt sich übrigens Herr S. den Anschein, als ob er die in Berliners Broschüre angeführten Urtheile weitberühmter chris tl. ForscLer über Herrn Lagarde — Unheile, welche diesen geradezu ״zermalmen“ müssten, ohne ihn zu ״erheben“, Urtheile, gegen welche alle von Juden auf ihn gerichteten Angriffe völlig irrelevant sind״— gar nicht kenne? S. 304 theilt Herr Dr. Furrer in seiner Arbeit über Beligionsgeschichte mit, dass O. Crusias konstatire, die Pelasger hätten eine nichthellenische Sprache geredet, sie seien, wenn nicht semitischen Stammes, doch von semitischer Kultur gewesen; ihre Götter hätten den Gesammtnamen Kabeiroi gehabt. Zu Letzterem bemerken wir, dass Kabeiroi zweifellos gleich כבירים ist. S. 356 giebt Herr Professor Lipsius der Hoffnung Ausdruck, dass Schleiermacher wieder mehr studirt werde; und S. 405 nennt Herr Dr. Ehlers in seinem Aufsatz über praktische Theologie Schleiermacher den grössten unter den neueren Kirchenlehrern. Was sagen dazu nur die Herren Professoren Siegfried und Lagarde? Den Lesern dieses Blattes ist wohl noch erinnerlich, mit■ wie leichtgeschürzten Spöttereien Schleiermacher von dem Meister ״wahrhaft klassischer Darstellungsform* in dessen erwähnten Mittheilungen über Bückert •bgethan wurde — abgetban, nach der Vogel-Strauss- Ansicht Lagarde’s! Verantwortlicher Redactenr Dr. Bahmer, Magdeburg. Druckt S. 454 wird in der Abhandlung über kirohlichea Vereinswesen von Dr. Kind berichtet, dass A. von Oettingen in einer Sohrift 8ioh scharf gegen die ohristlich-soeiale Bewegung unserer Tage als naohBibel un d Geschieh te unohristlich wende. Es wird ״pie unsittlichste Bewegung unserer Zeit* naohgerade immer mehr als solohe erkannt Dürfte einerseits die zustimmende Hervorhebung jener Sohrift die antisemitische Korybantenschaar in Harnisch bringen, 80 könnte sie sich andererseits vielleicht damit trösten, dass Herr Dr. Kind S. 459 die — von uns bekanntlich längst charakterisirten — zwei Briefe des Proselyten Heinemann ein ״ klares “ Zeugniss von der Erhabenheit des Evang. über das Gesetz nennt. S. 4S9 bemerkt Herr Dr. Hasenclever (in seinem Bericht über Kirchliche Kunst) wörtlich Folgendes, das manchen Leser d. Bl. interessiren dürfte : ״Die Schrift von Fuchs ,Grab oder Urne?‘ — übrigens nur zum Theil in Beziehung zu unserem Referat stehend — fertigt mit sehr souveräner Miene die Anhänger der Leichen Verbrennung ab. Durch solche Beweisführung, welche das Dogma von der Auferstehung des Leibes zum Hauptbeweispunkt macht, werden sich jene Anhänger schwerlich überzeugen lassen. Uns ist die Frage eine rein hygienische, und man muss sie wohl mit Rücksicht auf die christliche Sitte lösen, sollte sie aber nicht, wie es hier geschieht, zu einem Sehibolet der Rechtgläubigkeit machen “ Hierneben erlauben wir uns schliesslich eine Frage an Herrn Professor Lipsius. Wir lesen S. 382 des Jahresberichts, Rabbi Dr. Adler vertheidige den Unsterblichkeitsglauben im A. T. Die betreffende Schrift ist aber nicht angegeben. Warum nicht? Wir fragen nicht sowohl in Bücksicht auf die jüiisohen, als vielmehr auf die christlichen Leser des Jahresberichts, von welch’ letzteren die Schrift vielleicht manchen von dem Vorurtheil befreien könnte, dass das A. T. die Unsterblichkeit der Seele nicht lehre. Ph. Kr. Notitzen. Arier uad Semiten bilden nicht die vermeintlichen G6gen- Sätze; sie sind vielmehr sprachlich nnd ethnologisch verwandt. ״Ar“ heisst ״hoch“; Arien, Iran, Arimenien bilden das vordernnd mittelasiatische Hoch land. Davon Ur in Chaldäa, Abraham’s Heimath; davon Ararat ״Hochgebirge“. (Man vergleiche SpiazGf ״Hoher, Vemehmer, Bester“, davon Aristokratie, ferner Aar (Adler) ״Hochfiieger־, Auer- (Ur-) Ochs, hebr. ראט, verwandt mit ״ ארטhoch“; (davon auch Arminias, Armanen (Germanen! ,,Hochländer“.) Die von Asien kommenden Geimanen verdrängten die Teutonen; sie sind also nicht die Urdeutschen. Die Juden (Semiten) waren schon vorher mit den römischen Heeresziigen gekommen, als friedliche Einzügler, also trüber in | Deutschland als die Germanen Bei sprachlicher und ethnologischer Verwandtschaft sind auch sogenannte Racenunterschiede bedeutungslos. Wir finden solche typische Verschiedenheiten, leib- > licher and geistiger Art, bei Brüdern und Zwillingen. Wir sind Alle — Deutsche; die historischen Daten zeugen für uns R.-A.; J ER US AL EM. Jahrbuch zur Beförderung einer wissenschaftlich genauen Kenntniss des jetzigen und des alten Palästina. Herausgegeben unter Mitwirkung von Fachmännern im heiligen Lande und ausserhalb desselben von A. m. LUWCZ II Jahrgang. Preis: 5 Mk. 3 fl. 6 Frc. Dieses Jahrbuch, in der heil Stadt erscheinend, welches sich bereits einen Hamen׳ in der wissenschaftlichen Welt gemacht hat und von der Fachpresse als die beste Quelle über Vergangenheit und Gegenwart des heit Landes anerkannt wird, ist zu beziehen entweder direct vom Herau'geber A M LUNCZ ln Jerusalem, oder von den Herren: Bezirksrabbiner Dr. ADOLPH SALVENDI, Dürkheim a.d.H., L. HAMBURGER, Uhlandstr. t>6, Frankfurt a. M. Fiir Rabbiner, Lehrer und Cultasbeamte wird der Preis auf besonderen Wunsch anf 3 Mk. ermässigt. mD. h Wolf( Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig'