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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-12-25 · No. 52. (25.12.1884) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 52. (25.12.1884)
Date
1884-12-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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No. 52. Jüdisches J&hrg. XIII. Litteifatiir-Blatt. Zar Beleachtaag aller Jadeathaai ■1d Jidei betreffende! Iltterarieckea Kr• lehelnnngen aaf dem Gebiete der Philo• sophle* Geschichte, Ethaographle, Theo• logie, Orleatalla, Exegese, Homiletik, Lltarglh, Pldagoglk. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahnier. ©R.a<j9e61׳*t^., 25. <3VcemIW 1884. Bleherderetasehligigea Litteratar, welche der Bedactloa!•geeaadt werde•, tadea la diesem Blatte eiageheade Beepreehaag. Bel Klaseadaag roa iwei Beeeaaleas• Kxemplarea erfolgt damalige harae Gratis-lasertlea. Das ,♦Jüdische Litt6ratur~Blfttt“ Erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buohhah<ilanfre& (in tk A ■ LJ kh 1h A M 1 Ü _ - — _ a\ T kk tk «■ «kk M M ■kk fi SS A ■tlr A Ik AMSk AM i Akk Jam T AMA t -la _ _ _ \_ kl* A I 1 /J!a _1 A - - A. 1 " •J 1a a.1 a aV L _ ' Leipzig bei Robert Friese) pro Jahr allen Postanetalten und Buchhandlungen ang 8 Mark. 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Fassen wir zusammen und kommen wir zum Schlüsse: Die Verfolgungen gegen die Juden hatten vor dem Christenthume ihren Ursprung in geschältlicher Missgunst, in philosophisch!sr Rivalität und militärischer Rachsucht. Nach dem Entstehen des Christenthums hatte die Verfolgung! ihren Grund in dem Kampfe für das religiöse Leben, sowie für das materielle Leben auf dem durch die Kirche und den Feudalismus besonders gestalteten Baden, sowie ferner durch die individuellen Fehler und Laster der Heiden, der Jaden und der Christen. I Gegenwärtig sind wir Zeugen von Unruhen, welche an die von ehemals erinnemj, und sie haben Sleicherweise ihre Erklärung theils!in der Erbschaft er Vergangenheit, theils in der Feudal-Verfassung der Länder, wo sie stattfinden, theils auch sind manche Verhältnisse der Gegenwart dafür verantwortlich. So .ähnlich aber auch die Ursachen sina, so kann man doch nicht leugnen, dass die Verfolgung, die Jahrhundert durchlaufend, einen absteigenden Stufengang befolgt hat. Die Unwissenheit vermindert sich un- Vermerkt, die Auf klärang verbreitet] sich , die Sitten .werden immer sanfter, der Fortschritt wird stärker eilen Gegner zum Trotz Das Verbrechen von 1685 gegen die Protestanten, so verhängpissvoll es immer fär Frankreich war, es war doch, wije gesagt, weniger •chrecklieh. als das von 1492 gegen die Juden und Mauren. Ebenso verhält 68 sioh mit der partiellen Auswanderung der Juden 1882, so verhängnisvoll ®e für das Land und die davon betroffenen Unglück- Sehen sein mochte, weder hatte sh, noch wird sie .die unglücklichen Folgen haben, wi 5 die beiden vor- *®«gegangenen ähnlichen Ereignisse. Auch war die8e Auswanderung nicht das Resultat eines gesetzeberisohen Willens, sondern nur eir er Aufregung der roh geheime Führer geleiteten Men ge. Dogmatischer v.-. . . .. .־. Yfv.־. .׳*..:«i Hass hatte nioht den geringsten Antheil daran. In unsern Tagen giebt es glücklicherweise nioht ein einziges Volk, das einen Theil seiner Bürger wegen religiöser Meinungsverschiedenheit des Landes verweisen würde. Selbst die Vorartheile werden immer schwächer) 1840 waren die eines rituellen Mordes angeklagten und der Tortur unterzogenen Jaden in Damaskns nur ein Gegenstand einer Gnadenmassregel, 1883 fand sich in Ungarn, trotz aller verbrecherischem Manöver weder ein Geschwomen-Gericht noch ein Tribunal, das die Möglichkeit eines solchen Verbrechens hätte bestehen lassen and der Wahrheit, dem guten Recht und der Menschlichkeit wurde eine eclatante Genugtuung zu Theil. ־־ Aber schon in dem Bestreben der Unduldsamkeit, sich als moralische Persönlichkeit zu oonstituiren, sehen wir den Fortschritt der Ideen und Sitten hervorbrechen, früher commandirte die Intoleranz die Fürsten und Völker. Ueberall Herrin, ihrer selbst sicher, hatte sie in den Gewissen die aneinnehmbare Burg ihrer Macht errichtet. Heute ist sie misstrauisch, besorgt für die Zukunft, sie zeigt das Bedürfniss, die Kräfte zu conzentriren, um sie zu vervielfachen: sie muss sich zu Cö&litionen entschlies&en, was sowohl ihrer Doctrin, als ihrer Vergangenheit widerspricht; sie proclamirt einen neuen Kreuzzug, sie ruft alle feindlichen Brüder za einer internationalen Liga gegen Israel au£ Die christlichen Völker, Katholiken uijd Protestanten sollen sich verständigen, um den Jaden alle offen(׳- Hohen Aemter zu verbieten und, das Mittelalter überbietend, sie von allen Geschäftsverhältnissöu ausza- 8chlie8sen. Im Namen der materiellen, religiösen und politischen Interessen will man am sie die Barrieren eines Universal-Ghetto’s erriohten. Die Geschichte der Vergangenheit und die Ideen der Gegenwart sind Bürgen dafür, dass ein derartiges Unternehmen sich nicht verwirklichen kann. Eine internationale Liga der Intoleranz im Namen der materiellen Interessen ist anmöglich, weil die materiellen Interessen sich nicht durch hohle Formeln gängeln lassen; sie befolgen ganz nothwendige Gesetze. Wenn י der gesellschaftliche Fanatismus sie von diesen ab- , lenkte, würde er seine Spitze gegen das Kapital riohten, ohne einen Unterschied zu machen zwischen der Kirche und Rasse, denen es gehört. Eine internationale‘Liga der Intoleranz im Namen dogmatischer Interessen ist unmöglich, weil der religiöse Fanatismus todt ist. Im Mittelalter, in den traurigsten Zeiten sind die Juden niemals ganz an der Kirche verzweifelt!und oft haben sie sich an das Papstthum gewandt. die gesammte Christenheit, Katholiken wie Protestanten, vollständig den grossen Traditionen «i '

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