Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-11-06 · No. 45. (6.11.1884) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 45. (6.11.1884)
Date
1884-11-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/6492408-6488249-8756154--0514-4855850
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

No. 45• Jüdisches Jahrg. X1IL Litteihatiir ■Blatt. Zar BeJ«urht«B£ aller Jadeatham aad Jad«s betreffende« lltterarüehen Er• •ekelaaagea auf den lieblet« der Philo• eophle, Geechlehte, Ethnographie, Theologle, Orfeatalla, Kxegeae, HomHetlk. Lttnrglk, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 0Ttag9e6wr^., 6. 1884. Bicher der einschlägigen Litteratar,welch« der Redaetloa sageaaadt werde■, fladeu % la dleeen Blatte eingehende fteepreehnng. fiel Einsendung ▼ea awel Boeenatons- Exemplare« erfolgt eianalige kim Bratia-buertioa. Das ״Jüdische Lltterxtur-Blatt“ Leipzig bei Robert Friese) pro Jahr allen Postanstalten and Bnchhandluügen I 2& Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beil BW Buchhändler, welche direct odet erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis hei allen Buchhandlangen (i ang 8 Mark. Abonnenten der ,Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich be Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratar-Blatt“ gratis. — läse rate werden mi Ilgen mit U Hark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zn senden durch Robert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten 25 ן( Rabatt. «| 1־ Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Byron’s (Fortsetzung). — Ursprung und geschit J Antisemitismus. VII. — Der Wucher alter, von einem König geregelt an < Dr. Perlitz-NakeL Litteraturberichte: Recensionen. der Theologie in Tübingen. — Strass! . der Erziehung und der Unterricht 1. חנוך ל3ער Hebräische Spruchs! n. Theii. עזר למורה .3 בראשית Unterricht der hebr. Sprache. — autstand unter Hadrian. Cain, ein Mysterium, ihtliche Ursachen des der Jaden im Mitteld vertheidigt. Von Rufi ■utzsch, E., ord. Prof.-r urger B., Geschichte hii den Israeliten: —;(hule. 2. Dasselbe. Leitfaden zum meth. us oder der Juden- Byron’s ״Cain, ein Mysterium“. Fortrag des Herrn Dr. Mattersdorf in Gleiwitz. (Fortsetzung.) 2. Lucifer. Der böse Geist erscheint in )unserer Dichtung nicht in jener abschreckenden Gestalt, welche ihm die Sage, giebt, und wie ihn Goethe uns noch ii) seinem Mephistopheles vorfuhrt; eij gleicht vielmehr den Lichtgestalten der Engel; nur! jene himmlische Ruhe, jener unbeschreibliche Ausdruck der Befriedigung, der Seligkeit, welche die Künstler diesen verleihen, geht ihm ab. Er ist ernst, Ja finster, wie von einem gewaltigen Kummer bedrückt. So schildert Cain sein Anssehen: ״Weit mächtiger scheint er mir, als sie (nämlich: die Engel) und auch schön könnte. An Schönheit ihnen gleich, doch nicht so Als wie er war und jetzt noch sein auch Die Hälfte seiner Ewigkeit ist Schmerz•“ Seine hehre Erscheinung, sein überlegener Geist und seine überzeugende Rede üben einen mächtigen Einflnss auf alle, die ihm nahen; er zieht unwiderstehlich an und stösst doch auch wieder zurück. Eine solche Wirkung übt er selbst auf das reine Wesen Adahs aus. ״Erwidrung kann ich dem Unsterblichen^, ^spricht sie), KUer vor mir steht, nicht geben, nicht mit Abscheu n schau’n, mit einem freudigen Schänder nur, Und kann nicht vor ihm flieh’n. In seinem Auge Liegt Anziehung, die fest mich hält, die mir Den wirren Blick an seinen bannt; mein I Herz Schlägt schnell — mir graut, und doch zieht er mich hin zu sich.“ Er nennt sich ״aller Geister Herrn“, ein Wesen, das dem Schöpfer gleich sein za wollen sich erkühnte, das aber in diesem Wettstreit unterlag. Dennoch hält er sich nicht für überwunden, er sucht seine Herrschaft zu erweitern, indem er unter den Menschen einzelne Seelen von dem Urquell das Lichtes abzieht ünd seinem' finstern Dienste gewinrt. In der Familie Adams ist es aber Cain allein, der sioh für seine Belehrung empfänglich erweist, in dem die Anlage zum Abfälle von Gott vorhanden ist. Diesen weise er nnn Lduroh die ihm zu Gebote stehende! Mittel der Ueber- ־1 ,äK■' redung und Lüge an sich za fesseln. Er erreicht seinen Zweck dadurch, dass er seine Macht als eine ausserordentlich grosse darstellt. Er sagt, dass er überall sei, wo Gott regiere, dass er die Herrschaft mit ihm theile, dass er aber noch sein besonderes Reich habe, bevölkert mit Wesen, die einst im Himmel oder auf der Erde weilten. ״So theii’ ich denn sein Reich“, spricht er, ״und hab’ ein Reich, das Er nioht mit mir theilt.“ — Anknüpfend an Cains Klagen über den Verlust ,des Paradieses und das traurige Loos, das dem Menschen beschieden sei, sacht er za zeigen, dass es gar nicht in dem Plane der Vorsehung gelegen, glückliche Wesen za schaffen. Der Sohöpfer selbst könne anf seinem einsamen Herrscherthrone nicht glücklich sein, wie sollte er da glöokliohe Wesen haben schaffen wollen? So sucht er die Gottheit als eine den Menschen feindliche Macht darzustellen. — Er heuchelt Mitgefühl mit Cains traurigem Zustande und meint, er würde, hätte er die Macht. gehabt, die Menschen nicht in solche Lage versetzt haben. Auch hebe ja die Schlange nicht getäuscht, denn die Fracht vom Baame der Erkenntnis sei ja wirklich als solche bewährt gefunden worden, and auch die Fracht vom ״ Baume des Lebensu könne Cain noch pflücken, wenn er sich nur treu bleibe in seinem Widerstande gegen den Schöpfer. ״Den Geist bewältigt nichts“, sagt er, wenn er beharrt Als Centruin dessen, was ihn rings umgiebt; Er ist gemacht, das Scepter zu behaupten“. Diese sophistische Phrase, welche Cain scheinbar die Furcht vor dem Tode wegdemonstriren soll, hat nur den Zweck, ihn in seinem Trotze gegen das höchste Wesen zu bestärken. — Luoifer giebt siah ferner den Anschein, ׳ als wolle er Cains Drang nach höherer Erkenntniss ans Mitgefühl befriedigen, während er wohl weiss, dass jener nioht Befriedigung und Berahigung finden wird in dem, was er schaaen soll, sondern dass seine Leidenschaft dadurch nur noch mehr aufgestachelt werden mass. Die Unterredung beider auf ihrem Flage durch den ״anendlichen Raum“ and im Hades zeigt deutlich, dass der Böse sein Opfer. all’ das Herrliche und Furchtbare nur schauen lässt, um ihm das Gefühl seines Nichts und das Bewusstsein seiner Sterblichkeit nur noch stechender za machen. Wie hoch Cains Begeisterung anschwillt in dem Ansohanen der zahllosen Himmelskörper, welche er in der Nähe ihre ewigen Bahnen dahinfliegen sieht, 80 treibt ihn, beim Eintritte in das Schattenreich, der wiedererwaohende Gedanke an den Tod selbst dazn, seinen Vater,׳ seine Geschwister and. seine Nachkommen za verfluchen. — Aber Lucifer ist das noch nioht genng, er peinigt den Unglüoklioh en noch durch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.