Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 44. (30.10.1884)
- Date
- 1884-10-30
- Page
- Seite 176 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Litteraturbericht. V. Recensionen. Wünsche,- Dr. August. Bibliotheca rabbinica. 30. Lieferung. . Die Pesikta des Hab Kahana. Leipzig, Otto Schulze. 1884. Für einen Uebersetzer ist ein genau geprüfter Text gewiss nicht nur die wesentlichste Vorbedingung, ־um eine gute Uebersetzung zu liefern, sondern eine wesentliche Erleichterung, zumal wenn der Text durch Heranziehung fast sämmtlicber wichtigen Parallelstellen 80 durchsichtig und klar wird, dass aus der Vergleichung der eigentliche Sinn fast mit Bestimmtheit zu eruiren ist. Im vorliegenden Falle tritt aber noch ein günstiger Umstand hinzu, dass ein so klarer, reich belesen er, nüchterner Forscher wie Buber und sein Commentar zur Pesikta eine treffliche Aufhellung der Pesikta auch durch besondere Erklärungen gegeben hat. Alle diese günstigen Vorbedingungen sind auch von dem ungemein deissigen und eifrigen Uebersetzer recht verwerthet worden, so dass die Lectüre dieser Uebersetzung einen weit klareren Eindruck vom Geiste und Gedanken dieses Midrasch hervorruft, als es bei den anderen Uebersetzungen der Fall ist. Wir wünschen dem Uebersetzer um so freudiger Glück zu dieser Uebersetzung als dieser Midrasch selbst durch Ordnung der Gedanken und reicher Fälle derselben ausgezeichnet ist. Einige Punkte aus der ersten Piska sollen jedoch, als der Prüfung und Berichtigung bedürftig, hier besprochen werden. Seite 6, Zeile 13 ״Wer setzet fest alle Enden der Erde“ diese Stelle kehrt auf dieser Seite 3 mal wieder. Jedesmal in der Gedankenverbindung, dass auf diese biblische Frage als midraschische Antwort 2 mal ein Wesen genannt wird, welches Todte belebt, zuerst Gott selbst, dann Eiiah, and das dritte Mal Mose als Aufrichter der Wohnung. Darum ist ״setzet fest“ nicht dem Sinn entsprechend und unverständlich. Es dürfte eher ״richtet auf“ zu übersetzen sein. S. 7, Z. 22 u. Z. 35 ist das Textwort מאי סעמא als direkte Frage übersetzt worden, einmal ״was ist der Sinn?“, -das andere mal ״was ist der Grund?“ In Wirklichkeit ist es aber nur Conjection des Grundes für das Vorangegangene. 8. 8, Z. 8 ist das Text wort ודכוותדי, mit welchem eine analoge Tautologie angeführt Wird, nicht richtig übersetzt worden. S. 8, Z. 14 ״so wird für die Wohnung eine, nämlich für die Messung eine und eine für die Salbung.“ Das erste ״für* scheint hier irrthümlich hineingesetzt zu sein. S. 8, Z. 17 u. Z. 18 sind die Textworte כמצרים und על הרגלים anübersetzt geblieben. 8. 9, Z. 20 ״habe ich es denn ihnen gesagt, dass sie ihr Opfer darbringen sollen? ich habe es doch dir aufgetragen, es ihnen zu sagen.“ Dieselbe Stelle hat der Uebersetzer in Bemid. rabb. S. 300 richtig übertragen und es ist befremdlich, dass er sie hier falsch wiedergegeben hat. S. 10, Z. 5 ״Es lässt sich das schon daraus folgern: ״Wenn schon u. 8 w.d dieser Satz macht den Eindruck, dass das schon Vorhergenannte auch aus dem Folgendem gefolgert werden können. Dem ist aber nicht so; sondern aus dem Vorangegangenen wird nunmehr ein weiterer Schluss gezogen. _ Dieselbe Unklarheit findet sich auch in der Uebersetzung zu' Bern. rab. S. 301. *Wir wollen auoh die Bemerkung nicht unterlassen, daaa nämmtliche Noten des Uebersetzers der Buber’schen entnommen sind. Wir schliessen die kurze Besprechung dieses Heftes mit der freudigen Bemerkung, dass diese Pesikta -Uebersetzung ein neuer Beleg für die nicht genug hoch zu schätzende Liebe und Emsigkeit ist, mit welcher der gelehrte Uebersetzer die jüdische Agada der deutschen Lesewelt und dadurch für die allgemeine Cultur ersohliesst. Erfurt. _ _ K r o n e r. Bilder aus Ostpreussen von M. Friedeberg. Ein Beitrag zur Vorbereitung der 300 jährigen Saecularfeier der ehemaligen Provinzialschulen zu Tilsit, Lyk und Saalfeld. — Einst und jetzt an der Ostmark des deutschen Ordens. I. Bändchen. Tilsit 1S85. Verlag von Wilhelm Schauss. 105 S. 8. Seinem Hauptinhalte nach ist dieses Büchlein ungeeignet zu einer Besprechung in diesem Blatte, da wir nicht der Meinung huldigen, dass Alles, was ein Jude schreibt, der jüdischen Presse zugehört und das ganze Judenthum interessirt. Doch die Schilderung der jüdischen Grenzbevölkerung im V. Kapitel besonders verlangt mit Recht, .dass sie auch in weiteren jüd. Kreise nicht unbekannt bleibe. Die Juden sind dort ״deutsche Juden“, die Bedeutung des Juden für den Grenz- (besonders für den Holz-) handel wird nachgewiesen. Der Verf. stimmt für Auswanderung der russischen Juden nach Amerika und zugleich für Germani8irung der in Russland bleibenden. Ob die Ausweisung der sogenannten Russen, d. h. der russischen Juden — Handwerker ebenso, wie Handelsleute — geeignet ist, die Germanisirung zu befördern, möchten wir bezweifeln. — Sicher ist es nur ein Druckfehler, wenn S. 87 Beth hamikdosch (statt hemidrasch) als Namen des Lehrhauses angegeben wird. Vielleicht wirkt das vorurtheilsfreie, massvolle Wort günstig auch auf Kreise ein, die von Vorurtheil gegen die Juden und besonders die russ. Juden erfüllt sind. _ Lewin. Nachbiblische Geschichte für die israelitische Schuljugend von Dr. D. Leimdörfer. Dritte verbesserte Auflage. Verlag von L. M. Glogau Sohn in Hambürg 1884. Der Autor, der sich hier des Rufes eines tüchtigen Kanzelredners erfreut, hat durch dieses Werkchen, durch dessen Herausgabe den israel. Schulen ein grosser Dienst erwiesen ist, auch sein Talent als Lehrer der Jugend bekundet, indem er dem!Spruche des weisesten Königs folgte: Unterweise den Knaben entsprechend seinem Verständnisse und seiner Begabung. Erfreut über die schnelle Verbreitung und günstige Aufnahme des Buches, wodurch in so kurzer Zeit eine neue Auflage erforderlich wurde, haben wir noch lobend hervorzuheben, dass der Verfasser den Winken der Presse Rechnung getragen und der Verleger für eine gute Ausstattung gesorgt hat. Auch ein neues Kapitel ist hinzugekommen, so dass denjenigen Schulvorstehem, welche ihren Zöglingen eine klare, übersichtliche und richtige Vorstellung von der nachbiblischep, Geschichte der Israeliten geben wollen, das Buch auf das allerwärmste empfohlen werden kann. Der Preis ist jetzt nur 1 Mark, Druck und Papier besser als in den früheren Auflagen. Hamburg. Dr. K. Berichtigung. In der vorletzten Zeile der l. Nota in No. 43 muss es heissen: woselbst auch. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig•