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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-10-16 · No. 42. (16.10.1884) · p. Seite 168

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 42. (16.10.1884)
Date
1884-10-16
Page
Seite 168 (sequence 4)
Language
German
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ויייייימימייוין מר 168 ־^< phönicische Inschriften, durch gewisse arabische Ansdrücke ans nahe gebracht, sehr klar geworden. Der ״ger*, der Nachbar eines.Oottea, das war der, welcher an der Seite des Tempels dieses Gottes wohnte; das war sein Parasite, sein Tischgenosse, welcher an den Sohmansereien theilnahm, die durch die dem Gotte dargebrachten Opfer entstanden. Der ״Nachbar" eines Gottes war also von der Gunst dieses Gottes bedeckt, die sich wie 2 grosse Flügel um den Tempel herum ausbreitete. Suchte nun der ,,ger*, z. B. bei den Phöniziern, dieser Protektion, dieser Vortheile, dieser Gunst sich dadurch würdig zu machen, dass er ein honetter Mensch war, indem er sein moralisches Sein vervollkommnete? Keinesweges; die Mittheilungen, die wir über die ״gerim* haben, lassen uns alles andere annehmen. Lesen wir nun ansern 15. Psalm. Wir werden nun sehen, welches die Eigenschaften eines Günstlinge, eines Nachbars Gottes, dessen den der Gott Israels mit seinen Fittigen bedeckt sein mussten Herr, wer ist würdig ein ״ger“ Deines Zeltes zu sein? Wer verdient auf Deinem heiligen Berge zu wohnen? Hört die Antwort: Wer makellos wandelt, , Wer Gerechtigkeit übt, Wer Wahrheit von Herzen redet, Wer mit seiner Zange nicht verleumdet, Wer seinem Nächsten nichts Böses thut. Wer seinem Nebenmenschen nicht schmäht. Wer keinerlei Geschenke zum Schaden des Schwachen nimmt. Da haben Sie, m. H., die Eigenschaften eines ״ger“, eines Nachbars, Günstlings des Gottes Israels. Man ist ein Günstling der Gottheit, wenn man ein rechtschaffener Mensch ist. (Anm. Vgl. Ps. 5,5 10 jegurchara, ein Böser kann nicht Dein ״ger“ sein;. Ich sage nicht, dass dsr 15. Psalm dies zuerst ausgesprochen; aber wohl ist es Israel, das dies zuerst ausgesprochen hat." Nun fuhrt er die Stelle Jesajah o 1, 10—18 an and fährt fort: ״Hah, m. H, das ist ein ganz neuer Gott, ein Gott tief verschieden von dem Kemosch jenes Königs Mesa und allen Göttern des Alterstbums. Die Sittlichkeit ist in die Beligion eingetreten; die Beligion ist sittlich geworden. Nicht wahr ist das materielle Opfer das Wesentliche. Die Gesinnung des Herzens, die Bechtschaffenheit der Seele ist der wahre Cultns.“ In diesem Tone ist der ganze Artikel gehalten. S. 89 sagt Benaa: ״Die Welt hatte dem Judenthume die religiöse Wahrheit entnommen, und behandelte das Judenthum iu der grausamsten' Weise. — Han müsste den ganzen Vortrag zitiren, wollte man alle schönen nnd bedeutenden Stellen anfuhren. — Neben diesem ist die bedeutendste Gabe des ״Annuaire“ der Vortrag von Astruc: ״Uf- Sachen und historischer Ursprung des Antisemitismus". Da ich ihn in deutscher Uebersetzung den Lesern des ״Litteraturblattes“ vorzufuhren begonnen habe, 80 kann ich mich jede6 weitem Berichtes darüber enthalten. — Das ״Annuaire“ enthält noch 3 Vorträge, die zwar nicht an Interesse die Vorhergehenden erreichen, doch der Beachtung höchst werth sind: ״Die Hygieine der Israeliten" von Dr. Manuel Leven, ״Geschichte der israelitischen Consistorial-Schulen in Paris“, von M. Leon Kahn, und endlich ״Borach Levi“ von Isidore Löb, worüber in voriger No. bereits referirt worden. Es weht eine gewisse, den Franzosen eigenthümliehe liebenswürdige Grazie und Lebhaftigkeit in diesem ״Annuaire‘‘, wodurch es ebenso viel Vergnügen, als Belehrung bereitet. Dr. J.’Goldschmidt-Weilburg. gyfljSpyjHPii!■ ■’.1ו׳ י 1׳ Notizen. 1. Wie gering das Verständniss des Urtextes unsere*! heiligen Schrift selbst bei den ״bedeutenden“ christlichen _ lehrten ist, beweist eine zum Lntherfest erschienene ״revidirt»] Lutherbibel“. Speciell an der Bevision des alten Testaments, | das uns ja besonders interessirt, haben siebenzehn ״auserwählte*. I christliche Theologen zehn volle Jahre (1871—81) gearbeitet! und in dieser Zeit für genannten Zweck 255 Commissions• I Sitzungen abgehalten. Diese ״revidirte Bibel“ wird nnn von] einem anderen christlichen Geistlichen, dem Dr.theol.M. Schwab] in Bremen, einer Kritik unterzogen und giebt dieser Herr | folgende ״Kraftstellen“ der Uebersetznng zum Besten. Der Vers Ps. 104,4 ist in dieser ״revidirten“ Bibel also] übersetzt: ״Er macht seine Engel za Winden, seine Diener] zu Feuer flammen“. Was sagen die Leser zu dies«] ״englischen Winden“ und ״flammenden Dienern?“ Ps. 68,12 sind ״ המבשרות צבא י״בEvangelisten, die Gott ] in grossen Scharen gab“!! Ps. 1,2 ist übersetzt: ״Der von des Herren Wort redet] Tag und Nacht“. Freilich, ״reden“ kann Jeder, selbst va»J Dingen, die er nicht versteht, denn wo Gedanken fehlen, da] stellt ein Wart sich ein zur rechten Zeit, aber ״sinnen, nach•] sinnen, denken“ ... ist nicht Jedermanns Sache. Dem Ps. 2 haben die Herren Uebersetzer folgende Ueber-i schrift gegeben: ״Weissagung von dem Reiche des Sohne»! Gottes und dem Siege über seine Feinde“. Jos. 26,9 יחיו מתיך נבלתי יקומון wird übersetzt: ״Dein»] Todten werden leben, mit dem Leichnam auferstehn“. Das ist] eine schöne Aussicht! Wir werden eines Tages — nach dieserI Ueber9etzung — die Todten auferstehen sehen und jeder Todtal hält seinen Leichnam in der Hand!! f Jes. 7,14 ist ,הנה העלמה וב übersetzt: ״Siehe eine Jang.1 frau u. 8. w.“ Es handelt sich hier bekanntlich um den Sofia) des Königs Achas nnd dessen junge Frau. Die ״siebenzehnl Gelehrten“ wittern hier jedoch wieder eine christologische Ide»| nnd übersetzen in diesem Sinne. Dass diese י׳ץ Gelehrten das ויצר im I. M. 2, 19 mit! ״gemacht“ übersetzen, ist noch lange nicht das ״Bedeutendste*■ ihrer Kunstleistungen.. Dies sind gemeinsame Leistungen einer grossen Zahl diesarl Gelehrten, wie mag es nun in den einzelnen Köpfen in Bezagl auf unsere heilige Sprache erst anssehen, und dennoch werde»! ״Gutachten“ über den Inhalt des Talmads ohne Sctieu abgegeben. I Ja, wenn es sich über den Einband, über Papier, Druck ete.] handelte, aber über den Inhalt! bei so mangelhafter Kenntnim| der Ursprache? Wann wird man bei uns endlich zu der Ueb zeugung gelangen, dass über ״Jüdisches“ nur ״Juden“ competentes Urtheil abgeben können? Plocki-Flatow. 2. Dass man auch in einer Orgelsynagoge nach alter Wei» beten und sogar Gemara-Vorträge halten kann, versteht von selbst. Dass aber Gebete und Lieder in der Landesspr nicht nur von älteren, sondern auch von jüngeren Decison für statthaft erklärt werden, muss den Heissspornen der N« Orthodoxie nachdrücklich in Erinnerung gebracht werden, geschieht hiermit wieder einmal mit einem Citat des המניס aus dem ספר הקמח im Namen des דבר שמואל! welohes lautet: רד, מישראל שאינש יודעים כי אם בלשק לעו שיכולין זזתפלל ולומר קדיש בלשק עצמו שהן יודעים <ק׳א סימן שעו). Ob mit oder ohne Orgel, Gebete, die man nicht versteht, man nicht beten, *) selbst Kadisch kann in der Landesspr verrichtet werden; ebenso Sefer Chassidim von R .Tehu Chassid im 18. Jahrhundert 5586: ״Man soll nur in derjenia Sprache beten, die man versteht. Gebet erfordert Andacht, < ohne Verstänäniss dessen, was man betet, nicht möglich ist*J Caro-Pilsen. *) Oder: man muss sie verstehen lernen. — Das schalten deutscher Gebete (z. B. für den Landesfürsten und 1 Stelle der Mi scheberach, bei Todtenfeier und sonstigen Cas0»H fällen) hat sich in Deutschland übrigens jetzt.xauch schon orthodoxen Gemeinden eingebürgert, und an deutschen Liede vor und nach der Predigt nimmt erst recht Keiner Anstoe*•■ Bier in Magdeburg geschieht dies nicht erst seit den 18 Jah1*J da wir hier amtiren, sondern das war schon unter meinen geehrt*■ Vorgängern, Dr. Güdemann und Dr. Philippsohn — *1״ schon vor &0 •Jahren — der Fall. Darüber dürfte heutza doch wohl kein Wort zu verlieren sein. > P ~ ' ז״• ׳ Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D, L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leip

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