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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-09-18 · No. 38. (18.9.1884) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 38. (18.9.1884)
Date
1884-09-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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No. 38. Jüdisefies Jahrg. Litteratur-Blatti y.mr Heleicbtmg aller Jadeitham und /■de« betreffende■ littermrUchen Kr« «fkefnaiigea •af dem Gebiete der Philo• *ophie, Geerklrhte, Kthaofraphte, Theo• loale, Orleatalla, Kxegeae, HomMetlk. Mtnrgfk, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner »r. Moritz Hahmer. 18 §eptem6׳et 1$?4■ Kicher der oiaaehligiff•■ LItterater,weiche der Red actio■ ngeuhdt werde■, Mw 1■ dleee■! Blatte etegeheade Beegreeheag'. Hel Eleeeadeag re* »wel Ktreedie■■ Kxeeaplare■ erfelgt etaaultge kim Gratlt-lMertlM• Das ״Jfldlscbe Lltteratur-Blatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei alles Bnehhanrllnngew (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift11 (die vierteljährlich Mi allen Postanstalten and Bachhandlangen 8 Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 86 Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit M Mark, berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes zu 0«E־ Buchhändler, welche direct oder durch Robert Friese ־in Leipzig Inserate einsenden, erhalten 25 1ן Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: ״Talmadische Weisheit“ von Dr. Justus. (Fortsetzung.) — Phitom und Ramses. — Die Synagogen in der Talmadzeit. Von Dr. ßoldfahn. Litteraturbericht. Recen8ionen: Lewin, Dr. Adolf, Rabbiner in Coblenz. Der Judenspiegel von Dr. Justus ins Licht der Wahrheit gerückt. (Fortsetzung)^ Notizen. — Inserat. Nachdruck nur mit ■voller Quellenangabe gestattet. ■ ■ 1 ״Talmudische Weisheit“ von Dr. Justus. (Fortsetzung.) No. I. J u 81 u 8: Traktat Berachoth. 1, Vom Himmel bis auf die Erde ist gewiss ein weiter Weg Und doch braucht der Erzengel Michael sich }nicht ansznrnhen, sondern in einem Fluge gehts vom Himmel bis auf die Erde. Aber der Engel Gabriel scheint schon etwas schwäohlicher zn sein, er mu4s inzwischen einmal ansruhen. Elias der Prophet muss auf demselben Wege sogar 4 Stationen machen. : Der Todesengel indess pflegt gewöhnlich achtmal ansznrnhen: wenn er sich jedoch anstrengt — zur Zeit jder Pest — bringt er’« sneh fertig ohne Zwischenstation. (4b). — So weit Jnstns. — Die citirte Talmudstelle lautet:! ״Es ist gelehrt worden: Michael in einem (Schwung^), Gabriel in zwei, Elias in vier and der Todesengel in acht, jedoch zur Zeit der Pest in einem.“ Muthma881icher Sinn: ״Miohael“ -= wer ist wie Gott? die Erkenntni8s Gottes iijt erreichbar dem Menschen in einem Schwünge; ״Gabriel“ meine Kraft ist Gott, gottgefälliges Handeln in zwei; Elias, prophe tisches Wirken in 4; derTod kommt am spätsten, lässt dem Menschen 0eit zur Vervollkommnung, ausser zur Zeit der Pest. No. 2. Jus tns: ״Rabbi Elieser wurde eänst krank Rabbi Joch*»an kam zum Besuche, als es schon finster war. Da kein Lioht zur Hand war, zog er seinen Aeimel etwas herauf und seinem Arm strömte glänzendes Lioht aas. (Solch schöne Aermchen! hatte aer heilige Rabbi!)“ Die citirte Talmudstelle, eine der rührendsten, die man sich denken kann, von Justus so frivol behandelt, lautet: Rab Eleasar wurde krank. Hin besuchte Rab 1 Jochanan. Da die Kammer so eng and finster war, i.entblösste dieser seinen Arm, und es ward Liobt. Da er den R. Eleasar weinen: ״Warum weinst Du“? — praoh er zu ihm — ״etwa wegen aer Thora, in der Du nicht weiter forschen kannst? Es wurde gelehrt: einerlei, ob viel, ob wenig! wenn das Herz nur auf Gott gerichtet ist! — Oder weinst Da wegen Vermögen«? Nicht jeder gelangt za 2 Tischen! (Diesseits und jenseits.) Oder etwa wegen Kinder: sieh hier das Knöchelchen von meinem 10. Sohn!“ — Er ant- Wortete: Dass solohe Schönheit im Staube verwesen muss, darum weine ich! — Jochanan sagte: ״Da weinst Da mit Recht“ and es weinten beide.*) No. 3. Rab Huna sagt: ״Jeder Rabbiner hat 1000 Teufel zur Linken und 10,000 zur Rechten. Diese reiben sich immer an ihm. Daher kommt es, dass die Rabbiner oft schäbige Röcke anhaben. (6a)“ — (Justus.) Die citirte Stelle lautet: ״Es wurde gelehrt, Abba Binjamin sagt: Hätte das Auge nur die Fähigkeit es zu sehen, so würde kein Geschöpf vor bösen Geistern *) Ein Versuch, diese Erzählung poetisch wiederaugeben, möge hier aus meiner Mappe Platz finden: Bab Jmmui und Bab Eleasar. Kinnlr Ug im Bett, von Schmerz Dein Leben freundlich nie benmfahn, ־י־: * Der fromme Rab Eleasar: Sein Freund, Rabbi Jehocnanan, Zu trösten ihn gekommen war. Der Kranke, ach, auf schlechtem Pfühl In einer dunkeln Kammer lag; Sie war so eng, es war so schwül, Es war ein drückend heisser Tag. Dem Jochanan ward es zu heiss, Und er vom Arm die Hülle streift. Der Arm, er glänzte blendend weiss, Wie Schimmer es den Raum darchäch weift. In seltner Mannesschönhiit sah El’aaar den Jehocbanan, Und er, der arme Kranke, da Za schluchzen weh״ *rthsvoll begann. Rab Jochanan sich su ihm kehrt: ״Warum weinst, Bruder, du so sehr? Schmerzt Dich’s, dass Dich die Krankheit stört, Zn forschen fl eise ig in der Lehr? Ob wenig oder viel bestellt Du hast, daran liegt’s wahrlich nicht.— Das Herz nur, die Gesinnung fällt Vor dem Allheil!gen ins Gewicht! Und weinst Du, weil des ' Glückes Schein schien? Ein reiches Jenseits wartet Dein Für deines Erdenlebens Mühn! Und weinst Du wohl, weil Kinder Dir So viele, ach, gestorben schon? Sieh’diesesKnöchelchen bei mir, Es ist von meinem — zehnten Sohn!“ — ״O nein, o nein“ — El’asar rief, ״Nicht meinetwegen weine iah! Ein anderes Bedenken tief Und wehmathsvoll mein Hera beschlich. Mein eignes,‘ schweres Erden- 1008, Ich trag’ es, wie mir’s ziemt, in Rah: Es heilt ja in der Erde Schoos Einst jede Erden wunde zu. Doch dass auch Schönheit sterben muss, Hinwelken Deiner Schönheit Strahl Das weckte meiner Thränen Fluss, Das drückt mein Herz mit heisser Qual!“ Und van des Freundes Edelmuth Erschüttert stand Rab Jochanan Und statt derTroetesworteEluth Vom Auge ihm die murine rann.

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