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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-08-07 · No. 32. (7.8.1884) · p. Seite 126

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 32. (7.8.1884)
Date
1884-08-07
Page
Seite 126 (sequence 2)
Language
German
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wenn« hatte. Der schlagendste Beweis, den man dafür £peben könnte, ist der unter Tiberins i. J. 22 yfasnt* Staate beschluss. Eine Unterschlagung war von vier Jaden verübt worden, welche reiche' Gaben bewachen sollten, die eine zum Judenthum bekehrte Dante hoher Abstammung, Fulvia, nach Jerusalem geschickt hatte. Durch diese Unehrlichkeit erbittert, lieee Tiberins aHe Juden aus Born vertreiben. ״Aus der Erzählung, welche Josephas von dieser Verfolgung, giebt, ersieht man, dass es unter Tiberins in Born Juden gab, welche berufsmässig die Weisheit der mosaischen Gesetze lehrten, mit anderen Worten, die das Judenthum predigten und die Bekehrung der Heiden unternahmen. Um dieses Unternehmen wirksam zu fördern, bildeten sie unter sich Vereine und gewannen gians besonders die Frauen, und auch die Frauen vom höchsten Bange.“*) UI Wie kam es, dass die Juden, die im Besitze eines solchen Einflusses waren, in Born, welches gegen Alle 80 tolerant war, zum Gegenstände 80 lebhafter Vorurtheile, so tiefen Hasses und sogar von Ausnahmegesetsen werden konnten? Das ist eins der seltsamsten und oomp!icirte8ten Probleme der Geschichte. Wie in Alexandrien, gab es auch in Born eine An««V11 schlechter Juden, Prinzen von hohem und niederem Bange, die in ihrer Genusssucht sioh weder durch die Intriguen, noch durch die Skandale, noch auch durch die Gefahren, die .sie selber liefen oder ihren Brüdern bereiten konnten, in Schranken halten lirearm ״Man duldete gerne den Gelehrten, der in der Zurückgezogenheit seiner Schale lebte, and selbst den Priester, der sich in den Bäumen seines Heiligthum ein schloss.»Aber der Hass entflammte ganz besonders an den luxuriösen Allüren, an den lärmenden und abenteuerlichen Existenzen dieser Misohwesen, welche, wie alle Herodianer, in Born Börner und in Judäa Juden waren, . . . die nicht dach die Strenge ihres Lebens für ihre Religion Glauben einflössten, und welche den Heiden keine GänOgthuang für ihre erzwungene Ergebenheit boten, womit sie ihnen ein Almosen za geben schienen“. **) Diese ״Kischwesen* waren ein Unglück für ihre Behgion, die sie nur ans Eigennutz bekannten, sowie für ihre ehrbaren Beligionsgenoesen, die sie ausnutzten und compromxttizien. Wir sahen eben, wie vier Betrüger dieser Kategorie durch ihre Handlungsweise der ganzen jüdischen Gemeinde in Rom Unglück brachten, wie die Unschuldigen für die Schuldigen bezahlen mussten. Wie in Alexandrien, so erregte, nur aus einem anderen Gesichtspunkte, die latente Macht der Jaden die Beunruhigung eines Theiles der regierenden Eiassen und in Folge dessen auch die ihrer ergebenen Klienten, der Litteratoren, Poeten und Philosophen. Alle diese Lernte^ mehr oder weniger in Berührung stehend mit den Griechen und mit deren Vorurtheilen bekleidet, fürchteten diese Propaganda, welche ihren Interessen, *> Havet iUl p. U8. Havet a. a. 0. p. 14$. ihren Ideen ünd Gewohnheiten sich, entgegen stellt«*, die es wagte, sich ihrer selbst und ihrer Frauen'Uta bemächtigen, die im Sohatten, in der Tiefe thlKg war and die volkstkümliohe Partei gewann. ״Cicero, der Freund des Appollonius Molo, Cioero in seiner Bede für Flaocas, der-— seht di& Kühnheit! — angeklagt war, das dem Tempel zu Jerusalem zugesandte Gold beraubt zu haben, Cicero schon beklagt eich über den Einfluss der'*Juden, die־ in den Volksver- Sammlungen so zahlreich, so einig, so bedrohlieh seien4.י) In Bom traten die Männer der Wissenschaft, die Philosophen, Poeten und Bedner, durch Hohn und Spott der jüdischen Propaganda entgegen. Der Sabbath und seine Lichter, ״die Fasten und andere langweilige Ceremonien der Jaden“, der ausgesprochene Ab sc hau der Jaden gegen Schweinefleisch, namentlich die Be- 8chneidung, das waren die gewöhnlichen Themata ihrer Verhöhnung. Die Missgunst nahm langsam in demselben Masse za, in dem die Thätigkeit der Juden sich mehr befestigte. Seneca verliert ganz seine Kaltblütigkeit: ״Diese nichtswürdige und frevelhafte Nation, sceleratissima gens, — ruft er aas — hat sich in der ganzen Welt eingenistet and ihre Gewohnheiten ausgebreitet; die Besiegten haben den Siegern Gesetze gegeben“. Tacitus, der sich gründlich belehren, die griechische Uebereetzang der Bibel lesen, vielleicht gar Flavius Josephus, ein Höfling des Vespasian und Titas wie er, hätte befragen können — Tacitus behandelt die jüdischen Sitten als ״lächerlich und schmutzig“, sprioht von der Anbetung des Esels and bezichtigt das jüdische Volk eines unüberwindlichen' Widerwillens gegen das Menschengeschlecht. Diesen grundlosen Zorn, diesen leidenschaftlichen: Eifer, haben die zahlreichen politischen Aufstände! der Jaden, die von den Landpflegern gereizt un<P verleumdet wurden und zuletzt die zwei nationalen Erhebungen der Juden in die Seele der Begierenden; und in die Gesetzgebung Eingang finden lassen. Ea) ist bekannt, was für furchtbare Aufstände unter Neroi j and Hadrian in Judäa ausgebroehen sind. Zweimal) zitterte Bom, zweimal berief Bom seine besten Feld-) j herrn and tapfersten Legionen, am ein kleines Völkchen zu bändigen, zweimal überliess es sich den;! entsetzlichsten Orgien des Mordes und ~ errichtet^ j endlich, den Siegern für die zwei wichtigsten Erfolgäj] zwei Denkmäler und drei Triumphe.**) ״Niemals, sagt M. de Saulcy, niemals, ich erklär«) j es aus der Tiefe meines Gewissens, niemals ist ein•): Nationalität auf eine grössere und würdiger*,! Weise untergegangen, als di4 jüdische“.***) Dieses Urtheil: eines Historikers und Soldaten, der selbst auf dem: Boden Palästina’s die ewigen Züge der unüberwind-: 1 liehen Widerstandskraft der Juden gefunden hat, man kann es sowohl auf die zweite, wie auf die erst« *)■ Salvador a. a. O. p. 246 u. ff.; Havet a. a. O p. 101.*j **) VergL Bevue des Etadee juives L p. 32—56 die antwf] dem *bescheidenen Titel: Notes ipigraphiqaea erschienene be*|l deutende Arbeit des Herrn M. A. Darmsteter. Decnknrs joars 4• Jerusalem p. 7. maatäüiu

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