Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 30. (24.7.1884)
- Date
- 1884-07-24
- Page
- Seite 120 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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«rin* uchrLftatefleriBche Thätigksit gleich der in Spanien und in Frankreich fehlten, aber der Aracn des B. Nathan ben Jeehiel ist doch wohl ein glänzendes Zengniee rabbinischer wie weltlicher Gelehrsamkeit, wissenschaftlichen Strebens und kritischen Unternehmnngsgeistes. Keiner mehr als Nathan hat den Talmud auch nichtjädiachen Gelehrten erschlossen und Allee, was bisher zur lexikalischen and sachlichen Erklärung jenes ״unergründlichen Meeres“ geschrieben worden ist, baut sich auf den Untergrund des Aruch auf. S. 60 ff. enthalten einige wichtige Notizen zur Ergänzung der Kohuf sehen Studien z. B. über Nathans Kenntnisse des Lateinischen. Zwei von Ibn-Esra mit hoher Verehrung genannte Talmudisten: B. Salomo und B Isak b. Malkisedek aus Siponto mögen zum Schluss noch erwähnt werden, um die Verbreitung der Talmudkunde in Italien zu bestätigen. Nur die eigentlich wissenschaftliche Bichtung, der Auf- Schwung zu philosophischen Studien, fehlten damals in Italien, weil eben der Talmud, und nicht wie in 8panien und Süd-Frankreich die Bibel, zum Ausgangspunkt der Forschung gemacht wurde. Der langjährige Aufenthalt Ibn-Esra’s und Salomo Parchons in Italien mag in dieser Beziehung wohl sehr anregend und befruchtend gewirkt haben. Ohne Leser und Nacheiferer werden diese geistvollen Spanier auch in Italien nicht geblieben sein, und zwischen Ibn-Esra und Immanuel herrscht eine gewiss nicht ganz zufällige Geistesverwandtschaft. Ueber die sociale Stellung der Juden bis zum Schlüsse des behandelten Zeitraums bringt Verl eine Fülle neuer und^peiehender Einzelheiten, die er so geistvoll und geschickt zu gruppiren weiss, dass auch der strengste Kritiker sich dem Zauber der Dar- Stellung nioht zu entziehen weiss. Anaklet II., der Papst aus gut jüdischer Familie, ist aber auch in der Thal der Gegenstand anziehender Geschichtsschreibung, ebenso wie er der’Mittelpunkt von Sagen und Traditionen, meistens in jüdischen Kreisen geworden ist. Verl unterzieht diese Sagen einer gründlichen Besprechung und kommt von selbst auf die Aehnlichkeit derselben mit den oben erwähnten Fetruslegenden. Unter den verschiedenen Belationen vermisse ich eine, die ich als Knabe in einem jüdisch-deutschen Maassebuche gelesen habe. Nach derselben will der Papst, nachdem er seinen Vater erkannt hat, Born verlassen. Um sich in den Geruch der Heiligkeit zu bringen, wird er immer judenfeindlicher und fanaticher, bis er endlich seiner Umgebung mittheilt, er sei einer göttlichen Offenbarung gewürdigt, nach welcher er an einem bestimmten Tage in feurigen Wagen zum Himmel fahren würde, der Anblick jener Wagen aber brächte jedem anderen Sterblichen den Tod Auf diese Weise habe er die Flucht aus Born und die Bäckkehr zum Vater möglich gemacht. Mit dem II. Capitel 8chlies8t der Zeitraum der Vorbereitung, in welchem zwar nur grösstentheils von Wissenschaftliehen Verbuchen die Bede sein konnte, in welchem aber auch Leistungen zu verzeichnen sind, die Italiens Juden noch weit über die Cultur oder Uncultur ihres Landes hinausragend erscheinen lassen. Den Freunden kritisch-philologischer Forschung sei schliesslich noch der geistvolle Excurs über Ibn-Esra’s vielgenannte Sotyre gegen einen griechischen Lehrer in Italien (Note IU. S. 303) empfohlen. Die folgenden Capitel mit ihrem reichen, gediegenen und fesselnden Inhalt, welche die Blüthezeit jüdisch-italienischen Culturlebena im 13. und 14. Jahrhundert umfassen, gedenken wir, später einer ebenso eingehenden Besprechung in diesem Blatte _zu unterziehen. Caro-Pilsen. Dr. Julias Grill, Lio. d. Theol. Ephorus am|H Evang. theoL Seminar in Maulbronn. Der 68. Psalm:I mit besonderer Bficksicht auf seine alten Uebersetzerfj und neueren Ausleger erklärt. Tübingen 1883. Verlagf] der EL Laupp’schen Buchhandlung. Ein Buch von 240 Seiten über einen Psalm von* 36 Versen, eine Monographie seltenen Fleisses, nahezu erschöpfender Gründlichkeit, die fast im Kleinen ein! Stück Geschichte der Bibelexegese darstellt. Alle Ueber-; Setzungen, alle Erklärungen des Psalms von der Baschi’8 bis zu der von Hupfeid und Graetz sind in den Kreis der Erörterung gezogen und mit Buhe und feinem Tacte, mit klarer und eingehender Prüfung abgewogen. So ausgedehnt die Arbeit ist, so liest man sie doch ohne Ermüdung, folgt gern den besonnenen kritischen,! Studien des Verfassers und, wenn man auch selbst-([ verständlich nioht immer mit ihm übereinstimmend kann, so empfindet man es doch als eine wahre Be-d friedigung, dass sowohl theologischer Dogmen wahn ן als kritischer Zweifelübermuth die stille Arbeit der? Forschung nicht stören. Der Inhalt des Psalms ist | zum Theil bestimmt für, zum Theil bestimmt durch den Standpunkt des Verfassers in der Frage über die; Abfassungszeit so erklärt worden, dass er einen Trostruf darstellt, mit welchem der Sänger kurz vor oder nach dem gewaltigen Sturz des baby Ionischen Beiches das Volk zum feeten.Glaubej an die ungeschwächte und unaufhörliche Hilfe Gottes zu fuhren sucht. Aber gerade der 30 lehrreiche Ueberblick über die Erklärungen Anderer zeigt, wie unsiche] die historische Kritik in solchen Punkten ist. Es is factisch umöglich die Abfassungszeit des Psalms mi Sicherheit festzustellen und alle־ die Zeiten von Davit bis zu den Makkabäern können mit fast gleiche! Bechte als Abfassnngszeiten geltend gemacht wercfei Mit Becht zeigt der Verfasser, dass selbst die Sprach! des Psalms keine sichere Argumentation in dies« Hinsicht zulässt. Die zahlreichen ungemein grossei Textschwierigkeiten sind zwar vom Verfasser seltener Besonnenheit und Treue erörtert; aber 81 sind in den meisten Fällen doch noch nicht gelös( Wir empfehlen jedem Freunde alttestamentarisohel Exegese diese Studie als ein Muster ruhiger Forschung - Kr.-Ert Notiz. Die Stelle [הן דמלכא שרי טוסיקי hat nun schon mehren Interpretationen 1m ״Litteratur -Blatt“ getänden. Merkw“ ist bei allen, dass die Schwierigkeit, durch welche die alte!_ pretation beseitigt wird, stets auch bei der neuen bestehen'bleib Gegen Herrn Dr. Kroner-Erfurt hat bereits Herr Dr. Krone! Brandenburg das 'קושי' לז*1כת “TTI erhoben. Ist es n nicht seltsam, dass die Erklärung des letsteren wieder denselb Einwurt zulässt? ־Wenn der siebente Himmel des Kön ״Geheimcabinet“ ist, kann deshalb nicht auch für dieses Ehrengabe gebracht werden? Ist ja doch von allen Himmel( recipirt השמים שמים לה׳, und nur והארץ נתן לבני אדם! Anr.11 das tapuexo; des Herrn Goldfahn lässt es unerklä warum für diesen siebenten Himmel nicht eine Ehrengabe Erden zulässig sein 8011. — Ich gestatte mir daher mit einem neuen Versuche herva zutreten. Ich denke mir 101]80 טומיהקxov, eine Zusamma setzung von 86(100 und 01x0(, im Sinne von ״Tempelhaus“. - Van vergesse nämlich nicht, dass es sich hier nicht um ״Opfer thiere“, sondern um מלות »Wagen“ handelt, welche bestin waren, den Tempel zu tragen. Nun Üenkt sieb der Midra die sechs Himmel als solche Wagen, wie in dem Ausdr נמשה המרכבה• Har siebente Himmel, den der König bewob das ist kein Wagen, sondern das Tempelhaus, der dem hier auf Erden der Tempel entspricht. In diesem Su ist der Genetiv von• 80(10( zu nehmen: 80(100 01x0(, das . des Tempels, d. h. das Haus, das hier auf Erden nicht da Wagen, sondern durch den Tempel selbst repr&sentixt Das ב״ה״מ״ק של מטה מבוק נגד ב״ה״מק של נמלה bekannt. Dr. Goldschmidt-Weilburg. ג 1 Verantwortlicher Bedactear Dr. Bahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolffi Magdeburg. Verlag von Bobert Friese, Leipzi) i Um ÜÜf