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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-07-17 · No. 29. (17.7.1884) · p. Seite 116

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 29. (17.7.1884)
Date
1884-07-17
Page
Seite 116 (sequence 4)
Language
German
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Italien, wie ee G. in diesem Zeitraum schildert, finden im Tana ihre Spiegelung. Nar müsste angenommen werden, dass der Verfasser des Tana mittelbar oder tmmittelbar mit ' den babylonischen Hochschulen in nmm Verkehr gewesen sei, denn er bekundet eine sehr umfassende Kenntnis« der Halacha und Agada, wie hier nicht weiter ausgeführt werden solL Im Tana sata wird neben משנת מדרש, הלבות גמרא aaoh noch המל&ול *l* besondere Disciplin aufgefühlt. Gelegentlieh sei auch noch über das Verhältnis von א' רבא und א־ זוטא folgendes bemerkt. Grate Band V. S. 356 schreibt das Verhältnis beider Schriften zu einander sei ihm noch unklar. Der Verfasser des Tana stützt sich jedoch bei seiner Fiktion anf den Ausspruch im Talmud Ketubot 105, wo von אליהו רבא TO tmd א׳ וונזא ,O die Bede ist. Um nun der angenommenen Marke getreu zu bleiben, musste einem Buche ר3א auch ein solches לומא folgen. Mit Hecht findet Güdemann in den lose aneinander gereihten Predigten des Anonymus einen scharfen Blick für di ־Wahrnehmungen seines Zeitalters und wenn Grsetz die epigrammatische Kernigkeit der alten Agada bei ihm vermisst, so dürfte ihn der Bildungsstand seiner Zuhörer genügend entschuldigen. Ueber Josippon .endlich, dessen v erfasaer sicherlich in Born gelebt hat, war nach Zunz’s erschöpfender Darstellung (Gottd. Vortr. S. 150) nichts Neues mehr beizubringen. Sowohl Tana di be Elijahu ai Josippon geben Zeugnis von der Gewandtheit, mit der gelehrte Juden Italiens di hebräische Sprache ha verschiedenartiger Anwendung zu gebrauchen wussten. So ganz schlimm wie es Gratz darstellt, scheint ee auch mit der talmudischen Bildung in Italien um diese Zeit nicht gewesen zu sein. Das vom Verfasser öfter citirte Sprichwort ״von Bari geht die Lehre aus und das Wort Gottes von Otranto“ bezeugt genngmm das Vorhandensein vieler Talmudkenner, noch mehr aber spricht dafür die Ueberlieferung zahlreicher Beligionsgespräche zwischen Juden und gelehrten Christen. Alanin berichtet an Karl den Grossen, es sei der Inhalt des Diputs Peter’s von Pia mit einem Juden Julius in Pavia niedergeschrieben worden. Ohne umfassende Kunde des jüdischen Schriftthums aber konnte man sich in keinen Diput einlassen. Jene vier Weisen, die das Talmudstudium von Baby- Ion naeh Europa verpflanzten, werden mit dem obengenannten Bari in direktem Zusammenhang gebracht und auch sonst geht aus der Darstellung des Verfassen hervor, dass in Italien das Talmudstudium schon in sehr früher Zeit gepflegt und geschätzt wurde. Die vielfachen Beziehungen mit Babylon und mit Nordafrika, welche der Verfasser nachweist, werden die Gelehrsamkeit jener Länder mit Italien vermittelt haben. Dasselbe behauptet auch Bappoport (Biogr. Chananel Note 2) und wenn Gratz diese Meinung durch eine Aeusserung B. Hai Gaons (im Tenraim Deim No. 119) entkräften will, so unterliegt diesem absprechenden Urtheil B. Hai’s doch vielleicht ein mehr selbstischer Grund. Die Worte וכל השבושין שהחכמ^ש הבאים מרומי משבשין אתכם beweisen erstlich das Vorhandensein von Gelehrten mit selbstständigem Urtheil römischer Provenienz. Dass aber Hai die römisohen Schulhäupter despektirlich behandelt, mag damit erklärt werden, dass dieselben zuerst in Europa und viel früher als in Deutschland und Frankreich Gaonen genannt wurden (S. 60 Anm. 5) und hiermit dem babylonischen Gaonat bedenklich nahe traten. Von R Moses aus Pavia meldet eine Quelle: er sei den Gaonen gleichgeachtet gewesen, die Familie Kalonymos aus Lucca aber trug zuerst Licht und jüdisches Wissen nach Deutschland hinüber. 8chabtai Dennolo endlich, me! Talent als Genie, beweist zur Genüge den Bildungen drang und den Wissenstrieb italienischer Juden na 10. und 11. Jahrhundert. Die Schilderung und Wür-iJ digung dieses immerhin bedeutenden und auch in ausserjüdischen Kreisen seiner Zeit sehr h ochgesohätzten•^ Mannes halten wir für eine sehr gelungene, zumal I durch dieselbe die öfter vorkommenden Beligionsge-J spräche, sowie die socialen Verhältnisse der Juden in Italien, besonders das Verhältnis« zu den Christ-j liehen Mitbürgern in ein helles historisches Lioht I gerüokt werden. Am Ueberzeugendsten wird das 1 einträchtige interconfessionelle Zusammenleben daduroh illustirt, dass der geistig hoohstehende Bischof von ( Verona Batherius, ein geborener Lüttioher, es für ] nöthig fand, sioh wegen seiner -Judenfeindlichkeit zu ׳ vertheidigen. Die Abhandlung des Batherius, die der Verfasser S. 32 wiedergiebt, enthält übrigens diej glänzendste aus dem Munde eines Feindes doppelt! werthvolle Bezeugung, dass den Juden dieser Zeit! nicht der geringste Vorwurf in Bezug auf Sitten und! Moral gemacht werden konnte. (Fortsetzung folgt.) Die Antisemiten. Episches Zeitgedicht von j W. Cappilleri. (D. Löwy, Wien). Dieses aus 81 vierzeiligen Strophen bestehend»{ Gedicht, ist sowohl durch Tendenz als Inhalt sehr] lesenswerth. Seine Tendenz ist Liebe, ״Versöhnung“,] der Inhalt eine recht rührende und spannend erzählte] Geschiohte. Ein Jude in Bussland wird im Momente] der höchsten Gefahr durch den Ortsriohter, der selbst] die Hochherzigkeit der Juden erfahren, aus den] Händen der Antisemiten befreit. — Schade, dass diel metrische Form nachlässig behandelt ist. Die vier] jambischen Füsse der Verse leiden bald, (wie S. 16,1 Z. 11) an dem Auswuchs eines 5. Fusses, bald• an] der Amputation um eine Silbe (wie S. 14, Z. 9,1 S. 15, Z. 7) oder einen ganzen Fuss, (S. 13, Z. 23)" bald an einer kleinen Verrenkung (S. 10, Z. 6), bald an organischer Missbildung, wie S. 5J Z. 22, wo die langen und kurzen Silben durchweg di»| Bollen gewechselt haben. Auch den Gesetzen de•! Reimes steht der Dichter oft in kühner Selbstständig-] keit gegenüber, wie in der letzten Strophe mit des 1 Beime: ״Spott“ — ״Gebot“, obgleich er an ander Stelle selbst die Grammatik zur Subordinatioa] unter den Beim verurtheilt, da er dem Beime as ״Luft“ zu Liebe ״hervorgeruft“ conjugirt. — Dies Fehler sind aber leicht zu verbessern. Das Gedioh wird jeden Menschenfreund, trotz der Formfehler, bii zu Ende spannen und innig erfreuen. Dr. J. Goldsobmidt-Weilburg. Notiz. Nicht nur die Synagogen standen zu gewisser Zeit ausaa halb des Ortes, sondern auch die rituellen Bäder, wie ai Nidda 67,2 zu ersehen ist. Deswegen heisst es in der erst Mischnah Berachot, dass die Zeit des abendlichen Schema m der Zeit zaaammenfällt, in welcher die Priester in die Stad gehen und nach dem Bade ihre Teruma essen. Der Bewa aber, der im Litteraturblatte No. 20 von der Steile gebracht wii והנה באר בשדה זה בידיד כ ist ganz unrichtig und es wund mich, wie dem seligen scharfsinnigen Ldw die Stellen entgan sind נשכימה לכרמים אלו בידדב ובהמד־ (Embin 21), w0r man abzuleiten sich veranlasst fühlen könnte, dm» die Sy gogen in den Weinbergen zu stehen pflegten. Ferner-heisst Pessachim 87 ושדי כמגדלות אלו ביהכ״נ וביהמ״ד!! Man kös eine starke Blumenlese von scharfsinnigen Bicken mach welche Geschichtsschreiber zu geschichtlichen Resultaten!fahrt die aber in Dunst und Nebel zerfliessen, sobald man ihnen den Grund geht. Dr. M. Duschalu!] Veiantwortlicher Bedacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, M^tleburg. Verlag von Robert Fries«» Leip

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