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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-07-17 · No. 29. (17.7.1884) · p. Seite 114

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 29. (17.7.1884)
Date
1884-07-17
Page
Seite 114 (sequence 2)
Language
German
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v> r — 114 — Jaden in jener Zeit des römischen Heidenchristenthams. Ben Assei trst überhaupt gegen die damalige propag&ndistische Bewegung des Christenthums auf. In dem Satze לא נלו ישראל עד שכפרו ביחודו של עולם ובמילה בי* הדברות ובחמשה חומשי תורה schreibt Ben Assai das גלות Israels, womit er die Diaspora meint, welche mit der hadrianisehen Verfolgung erst ihren eigentlichen Anfang nahm, dem Abfall der Juden durch die christliche Verläugnung der Einheit Gottes, die Niohtübung des Beschneidangsceremoniells, die Abänderung des Decalogs und die Vertauschung des Pentateuchs, (der Thora) mit dem Evangelium una den neutestamentliohen Schriften zu Am Ende von Traotat Menachot spricht Ben Assai von den Opfern und hebt hervor, (hass bei denselben immer nur der שם המיוחד, nicht אלקים öder eine sonstige Bezeichnang Gottes gebraucht werde, um bei dem Opfer* dienste, also auch den christlichen Messopfern, jedes andere Wesen als Gott auszuschliessen, ferner fordre Gott das Opfer nicht für sich (לרצוני)! sondern für "”die Begnadigung des Menschen (לרצונכם), um damit auch die Nothwendigkeit eines andern (christlichen) Sühnopfers auszusohliessep^, auch ist hervoigehoben ״ לדעתכם זבחוopfert nrifceurem Bewusstsein“ d. h. eure Sinnesänderung muss dabei sein, um Sühne durch das Opfer zu erwirkendes nützt nicht die christliche Idee von der Sühnkraft des Opfers ohne eignes Hinzuthun, es nützt nicht das opus operatum, der Glaube ohne die That. Der polemische, antichristliche Zweck dieser Deutung ist ausdrücklich angegeben: שלא ליףק לחלוק n פתחחפה לבעל! and zu ,vergleichen ist damit die gleiche Erklärung von Sifre Näm. 143 ad Cap. 2g,8, wo es noch deutlicher heisst: שלא ליף!ן פתחון פה למינים לח־זת Der Ausspruch Ben Assai’s in Abot 4,2, worin er mahnt, es mit den religiösen Pflichten and Satzungen nicht leicht zu nehmen, weil kleine Uebertretungen zu grossen fuhren und scliliesslieh einen vollständigen Abfall veranlassen, characberisirt ebenfalls die Gefahren seiner Zeit, welche durch .christliche Propaganda herbeigeführt wurden. Auch ist es falsch, wie in neuerer Zeit wieder .versucht wird glauben zu machen, dass Hadrian nur dem Jadenthum feindlich gesinnt gewesen sei, nicht dem Christenthum; für dieses sei er vielmehr gewonnen gewesen, wie er überhaupt als ein Schöngeist, als Führer und Bahnbracher einer neuen Zeit dargestellt wird.' Vielmehr suchte Hadrian mit den römischen Priestern das alte Heidenthum feetzuhalten, liess sich sogar selbst vergöttern und war ,darum eher noch dem Christenthum feindlich, welohes sein Heidenthum bedrohte, als dem Jadenthum, welches wohl Anhänger unter den Römern hatte, aber im Stillen wirkte, nioht stürmisch überredete, sondern langsam überzeugte. Aus der gleichen Situation erklären sich auch zwei spätere Aussprüche der gleichzeitig, im dritten nachchristlichen Jahrhundert, lebenden, befreundeten und verschwägerten Männer, Resch Lakisch und Rabbi Joohanan. Diese lauten: עכו״ם שעוסק בתירה חייב מיתה und » . עבדם ששבח (Synh. 58 u. 59). Beide Ausspräche sind etwas unverständlich und der Missdeutung fähig. Sie erklären sich aber ebenfalls aas den zunehmenden Wirren der damaligen Heidenmission und den jadenfeindlichen Angriffen der bekehrten Heiden- Christen, welche zu allen Zeiten, Anfangs und heute noch, polemisch, fanatisch und verfolgungssüchtig gegen me Juden auftraten. Die Heiden zeigten sich nicht reif für die neue Religion: Glaube an einen ansichtbaren Gott und Gebote der Sittlichkeit, Gerecbtigkeit und Nächstenliebe, und noch weniger für die stille Feier eines jüdischen Ssbbaths. Der Müssiggang trieb sie za verbrecherischen Ausartungen, vordem sündigten sie damit unbewusst (בשגגה), jetzt bewusst (מדון); dadurch machten sie sich des Todes schuldig (חייב מיתה)» Propaganda ist uns nioht verboten, sie verbietet 8ioh nur im Interesse <jer Heiden selbst. Die Feindseligkeiten gegen Judenchristen und Jaden wurden immer heftiger, so dass bald nachher auf der Versammlung zu Nicäa (324) es zu einer vollständigen Lossagung und Trennung, wie zu einer Verlegung des jüdischen Sabbaths und der jüdischen Festtage, welche ja anfänglich und bisher auch die christlichen waren, kam. Dr. Rothschild-Alzey. Justus’ Judenspiegel, beleuchtet von Dr. A. Lewin. Coblenz. (Fortsetzung.) Gesetz 97. Judenspiegel S. 89.90 Der angezogene § 320,1 des Choschen Misohpat: ״Dem Menschen ist es verboten, ״seinen Nächsten (oder seinen Ge- ״nossen VVZn) zu schlagen und ״wenn er ihn geschlagen hat, über- ״tritt er ein Verbot, wie es heisst: ״er 8011 nicht mehr geben.**) Wenn ״nun die Thora so sorgsam geachtet ״hat auf das Schlagen emes Frevlers, ״dass man ihn wegen seiner Bosheit ״nicht mehr schlage, um wie viel ״mehr auf das Schlagen des Ge- ״rechten. Und wer die Hand er- ״hebt gegen seinen Nächsten, auch ״ohne ihn zu schlagen, wird Bascha ״genannt.“ Isserles.״Und ״Einige sagen, dass ein Bann der ״Alten vorliegt gegen den, der seinen ״Nächsten schlägt u. s. w.“ Aus dem fetten Drucke muss Jeder schliessen, dass der Judenspiegel etwas citirt, was ihm im Schulchan Arnch vorlag. Das ist durchaus nicht der Fall Er giebt nur seine Folgerung aus dem Worte ״ חבירוsein Nächster“. Wer aber damit gemeint ist, sagt § 320,2, wo es heisst: ״Und selbst, wenn er einen kanaanitischen Sklaven***) schlägt, erhält er Prügelstrafe, da dieser zur Erfüllung religiös er Gesetze verpflichtet ist.“ Wenn das also auch'* den Heiden ausschliessen sollte, den Christen, den Mohammedaner, die die Göttlichkeit des alten Testamentes anerkennen, denen die zehn Gebote die Grundläge der Gesittung sind, schliesst das sicher in den Kreis derer ein, die als ״Genossen“ bezeichnet werden 1 Wie oberflächlich der boshafte Jadenspiegelmacher verfährt, zeigt der zweite Theil dieses Gesetzes: *) ״Einem Juden ist es ״streng verboten, ״seinen nächsten Mitmen- ״sehen (d. h. einen Jaden) ״selbst wenn dieser ein ״Sünder ist, zu schlagen, ״und wer seinen pächsten ״Mitmenschen schlägt, der ״ist ein Bascha d. h. ein ״Gottloser and ist so lange ״exkommuniziert, bis er ״seinen Nächsten um Ver- ״gebung gebeten hat. ״Unter dem nächsten ״Mitmenschen ist ״aber nur einJudezu ״verstehen, einen Akum. ״(Christen) zu schlagen, ist ״gar keine Sünde.“ ״Ist ein י Akum (Christ) ,Jüdisch geworden und es ״wird dieser von einem ,Juden geschlagen, so ״muss letzterer den ״Schaden ersetzen (das ״Heilverfahren), er wird ״indess nicht excommucirt ״und das Vergehen ihm ״nicht so hoch ange- ״rechnet, als wenn er ״einen geborenen Juden ״geschlagen: Der angezogene § 420,37 lautet: ״Wer den Narren beschämt, ist! ״frei; den Tauben oder den F re m - j ״den oder den Sklaven oder den ו ״Kleinen, der sich grämt, wenn er ״beschämt wird, ist strafbar. Doch ״gleicht die Beschämung des Kleinen 1 ״nicht der des Grossen, die dea ״Sclaven nicht der des Freien, di«! ״des Tauben nicht der de* ן ״Hörenden“. Selbst wenn er ״Ger“ nicht als ״Fremde“ sondern ] als ״Proselyten“ ansehen will, wo steht etwas von 1 ״Schlagen“, wo davon, dass für den Ger eine Ausnahmejustiz eingesetzt ist? Lügen, nichts als Lügen!) *) Chochen Mischpot 429 existirt überhaupt nicht, da da« j Bach mit § 427 endet. Das von Justus Angeeogene findet sich 8 420. I **) V B. M. 25.3. Der zur Prügelstrafe Verurtheilte darf,l nicht mehr als 40 Streiche erhalten. 1 *1**) cfr. Talmud Baba kama 87 a (Michna) 88a. ״Der Sklave1 j ist dein Bruder in Hinsicht auf die religiösen Gebote‘* — oh|J schon er nur einen kleinen Theü derselben erfüllt. י ״ ~ *jdsumaMtki mimem UL hadksMH

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