Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 28. (10.7.1884)
- Date
- 1884-07-10
- Page
- Seite 112 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Gelegenheiten seine Berechtigung hat. ־Wenn die jüdischen Gemeinden den Chorgesang eingeführt hatten, seo geschah das nur, um dem Tohuwabohu, dem Durcheinander ein Ende zu machen. Der Chorgesang Ist, meiner Ansicht nach, heute nur noch das Mittel, um zu dem Ziele, dem Gemeinde• ge sänge, zu gelangen. _ Der Inhalt des dritten Kapitels entspricht nicht ganz dar Ueberschrift; denn er handelt vorzugsweise von der heutigen Kantorenschaft der jüdischen Gemeinden. Der Verfasser hat zum Theil recht, wenn cc von der unzulänglichen Vorbildung und der auch in anderer Weise mannigfach anzutreffenden ungeeigneten Persönlichkeiten spricht, deren Wiege auf anssergerm anischem Boden gestanden. Aber ich wünsche doch keinen ״Schutzzoll“ aufgerichtet gegen dis Einwanderung von Osten. Es ist eine unbestreitbare Thatsache, dass gerade die vorzüglichsten Chaaanim, die allen zum Vorbilde dienen können, aus slavischen Ländern kommen. Ich erinnere nur an Berggrün in Hannover, Birnbau m in Königsberg. Singer in Wien, den hochbegabten Lachmann in dem kleinen bayerischen Htirben u. a. m. Ja diese Zeitschrift brachte einmal die Mittheilung, dass in der Hauptstadt des deutschen Reiches, Berlin, nicht ein einziger Kultusbeamter sich befinde, dessen Gebnrtsstätte deutscher Boden sei. Meiner Ansicht nach ist die Tüchtigkeit das einzig Ausschlaggebende. Wenn manchem dieser von Osten kommenden Kandidaten die musikalischen Fähigkeiten — blos singen können und eine schöne Stimme haben, ist noch lange nicht musikalisch gebildet sein — und die sittliche Reife abgehen, nun so mögen die Herren Gemeindevertreter bei der Wahl recht vorsichtig sein, videant consules, ne quid detrimenti res publica capiat. Gewiss wird jeder Kantor, dem die Hebung seines Standes am Herzen liegt, ungebildete und sittlich unreife Subjekte von uns abzuschütteln suchen. Der Verfasser plädiert dann für eine Kantorenschule. Das ist mir aus der Seele gesprochen. Das Praktischeste wäre, wenn die Zöglinge der Lehrerseminarien auch tüchtig im ״Chasonus“ vorgebildet würden von theo- Tetisch und praktisch fähigen Kantoren. Und hier würde, der deutsch-israelitische Gemeindebund sich hohe Verdienste erwerben, wenn er die Sache in die Hand nähme. Im letzten Aufsatze bespricht Verfasser die Verdienste Lewandowski’s. Es hiese Kanonen nach Essen bringen, wollte ich noch über diesen grossen gottbegnadeten Mann sprechen, dessen grossartige Kompositionen zum Lobe Gottes in vielen Gemeinden ertönen, und der so viele Schüler, zu denen auch Schreiber dieses gehört, ausgebildet hat. Ich gehe auch deshalb glicht näher auf dieses Kapitel ein, weil es ein Abdruck aus dem ״Jüd. Litteraturbl. “ vom April v. J. ist. — Möchte die vorliegende Schrift dazu beitragen, nnsera Gottesdienst in musikalischer Beziehung zu läutern und zu dem erstrebten Ziele führen: zum Gemeindegesange! Essen. ״ Siegfried Graf. schieierte, in seltsame Formen gekleidete Apokalypse t Im Dunkel der Gegenwart kann Verzükung nur künstlieh erregt sein! Und nicht die russischen Zustände allein sind es, die den Herrn Verfasser bedrücken. Der Deutsche, der deutsche Student wallt in ihm auf, da seiner Jugend und seines Alters Bild sich ihm. zeigt als die Münze des 19. Jahrhunderts. Das Ideal der Volks- oder Völkereinigung der Vorgänger der allgemeinen, hassdurchgifteten Zwietracht! Vor 20 ' Jahren hat Dr. Sch. für die Juden, Gleichstellung, Frei- Zügigkeit, Anstellung im Staatsdienst und Avancement im Militär (,die beiden Letzten wurden in beschränktem Masse bewilligt) gefordert; Handwerk und Ackerbau! sollte bei den Juden gepflegt, die Schulen organisirt, ein Predigerseminar errichtet — auch die Rabbinen unabhängig gestellt (wesshalb der Verfasser das zurücknimmt, ist nicht ganz klar) und eine Centralbehörde, errichtet werden. — Das war auf Wirkung berechnet und hatte zu wirken begonnen, als das Attentat von 1866 Alles wieder zum Alten sich wenden liess. Die Denkschrift an den jetzigen Kaiser betitel sich: ״Der Traum des Hierophanten oder das alt-neue Testament• Osiris an seinen Sohn.“ Eine an feinen Pointen reiche und lesenswerthe Vision. Lew in. Vater, Sohn nnd Enkel. Zwei Denkschriften vorn Stadtrabbiner Dr. Simon Leon Schwabacher. Odessa, Druck von A. Schultz. 1884. Die Hoffnung verloren — Alles verloren! Das sollte das Motto dieser Schrift bilden, denn es ist der Wehmuth erregende, das Blut in Zorn und Schmerz dahinjagende Grundgedanken! Vor 21 Jahren und jetzt! Damals hofinnngsselig — heute verzweifelt! Damals deutlich gedacht und klar gesprochen, was thot noth; heute — eine verzückte, Bibyllinisch ver- Notiz. Notbwendige Berichtigungen. Der Almanach perpetuel hebreux-t'ra^'ais par Meise Schwab approuve par M. le Gs. R. Ulmann, Paris 1864, enthält erhebliehe Irrthiimer, welche zu grosser Verwirrung bei der Feier des פורים- und nCS-Festes einiger kommenden Jahre führen könnten. Für die Besitzer dieses Kalenders seien hier die erlieblichsten mitgetheilt. In 1894 sind für den Monat November 31 Tage und für den 1. December ist Samstag-4. Kislew angegeben. Richtig ist: 1. December ^-Samstag—3. Kislew. Nachdem nun statt 9. December der 8. zum 2. Mal angegelien und der 10. gar nicht berücksichtigt ist, ti itt mit dem 11. die richtige Berechnung wieder ein. Das Jahr 1890 wird als bürgerliches Schaltjahr behandelt 'und der 29 Februar mit Freitag, den 5. Adar identifizirt, mithin für 1. März Samstag, ti. Adar angesetzt. Richtig ist: 1. März— Freitag=ä. Adar. פורים fällt nach diesem Kalender auf den 9. März, während das richtige Datum der 10. März ist. ר״ח ניסן feilt auf den 2ö. März; richtig ist der 26. März. Da nun, weil die richtige Berechnung (mit gänzlicher Umgehung des 24. April) erst mit ר״ח אייר wieder beginnt, nach diesem Kalender פסח auf den 8. April fallen muss, 30 würde in Wirklichkeit dieses Fest nach dem bürgerlichen Datum einen Tag zu früh gefeiert werden. Es beginnt erst den 9. April. — Denselben Irrthum finden wir bei dem Jahre 1903, auch dieses wird als bürgerliches Schaltjahr behandelt. Der J. März feilt auf Montag =3. Adar; richtig ist: 1. März־־=S0Dutag2=־. Adar. פורים ist nach dem Kalender am 12. März: richtig ist: 13. März. Nachdem der 28. März Übergängen, tritt mit dem 29. März die richtige Berechnung, wieder ein. — (Vergleiche mein מפתח לקבול לתים•) Erwägt man nun, dass jüdische Landbewohner, entfernt von grösseren Gemeinden und zugleich eines richtigen לוח Ihr die betreffenden Jahre entbehrend, oder auch aus Unkenntnis» des Hebräischen, für die Jahre 1894 und 1903 die Feste סורים und פסח nach Angabe des bürgerlichen Datums des Almanach perpetuel feiern würden, so würden sie das h. ־פסחFest einen. Tag zu früh beginnen und natürlich auch zu früh beenden. Wen die Verantwortlichkeit für diese Gesetzesverletzung, di» ein לינש ברת zur Folge hat, trifft, ob den Verfasser des Kalenders, den Rabbiner, welcher ihn mit seiner Approbation versieht, den Setzer oder Corrector mag dahin gestellt bleiben. Immerhin ist die Art und Weise, solche Irrthümer zu verbreiten, unverzeihlich. Ebenso hat das Werkchen פרפראות ידחכמה von M. Fürth! ׳ Dessau 1811, welches die Kalenderberechhung bis 1900 enthält» für die Jahre רזרנט und ר1רם falsche Kalenderzeichen und I zwar ושג und החא Statt וחא und גכז• In Folge dessen ist , auch die Umrechnung der bürgerlichen Daten in jüdische für den Zeitraum von 1898, 1. Dec. — 1900, 31. Dec. falsch.*) Rees a. Rhein. L. Cohen, Lehrer. *) In dem Artikel ״Rabb. Prof. Heidenheim“, (No. 27 d-,1 Fam. Bl.) muss es statt 16״. Juni (23. Siwan) 1814“ heissen• 28״ Siwan“. Verantwortlicher Redacteur Dr. £>hmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wollf, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, LeipzigttÜHMtt■