Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 27. (3.7.1884)
- Date
- 1884-07-03
- Page
- Seite 108 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Litteraturberieht. Recensionen. 1 Ofidemann Dr. M.. Geschichte des Erziehtuagswesens und der Cultur der Jaden in Italien während des Mittelalters, nebst bisher angedrackten Beilagen. "Wien 1884. Alfred Holder. (Fortsetzung.) Schimpfname sei, wird als captatio benevolentiaeo hierfür an derselben Stelle durch eine freilich sehr abgeschmackte Umpanktation von נ1ים in גרס mit Anspielung aus Jesajas 50,6 erklärt. (Fortsetzung folgt)..;; Der Verfasser hat zwar überzeugend dargethan, wie sehr das Christenthum im ersten nachchristlichen Jahrtausend noch mit jüdischen Elementen versetzt war; dass aber auch unter Juden christliche Anschauungen and Lehrbegriffe so verbreitet gewesen wären, wie aus der Petrussage hervorgeht ist nirgends erwiesen. Dar Fall des Kaufmanns Basilius, der seine Söhne teufen lässt, damit sie Sclavenhandel treiben können, Ist der Ausfluss einer allezeit vorkommenden Krämerseele. Nur wirkliche Judenchristen in der geläufigen, historischen Bedeutung hätten allenfalls solche Zwitter- «■Behauungen hegen können. Der äussere habitus der Lsjgende weist aber auf viel spätere Zeiten hin. In den verschiedenen Becensionen spielen bereits Papst nad Bischöfe eine Bolle, wird auf den Zwang, Bekehnmgspredigten anzuhören, angespielt, werden Beligionsdisputationen erwähnt, päpstliche Institutionen berührt und das Verbot( Kinder unter neun Jahren zu taufen, ans viel späterer Zeit angeführt. Warum gerade die Abfassung der פומונים durch Simon gegen Oppenheim (Monatsschrift x 218) als des inneren Zusammenhanges ׳mit dem Kern der Sage entbehrend, bezeichnet wird,■ ist nicht klar. Wir haben eine Lösung •vorzuschlagen, die vielleicht im Stande wäre, die auch von Zunz und Jellinek gewürdigten Schwierigkeiten der Legende zu beseitigen. Der Kern der Sage entstemmt der Zeit, in welcher sich petrinische Juden- Christen und paulinische Heidenchristen in Litteratur und im Leben feindlich gegenüber standen. Das Ghristenthum des Petrus wird an gelochten und er selb8t als ein verkappter, den neuen Glauben innerlich hassender Jude dargestellt. Die höhere Autorität des Paulus wird in zwei Becensionen stark betont. Später als der Abfall mancher hochgelehrten Männer seine Glaubensgenossen auf das Innigste betrübte, suchte man darin Trost und Beruhigung, dass der Uebertritt gemäss der Sage von Simon Kepha nur zum Schein und mit der Absicht geschehen sei, die Juden kräftiger schützen zu können. Die Sage wurde nun nach den geläufigen Zeitanschauungen avisgestaltet und sogar die religiöse Poesie mit hineingezogen, um zn zeigen, dass ein solcher Apostat nicht aufgehört )tat von den Juden als ihresgleichen, ja sogar noch als religiöse Autorität behandelt zu werden. Schliesslich sei noch bemerkt, dass der Aufenthalt Petri zu Bom, der doch Kern der christlichen Sagenbildang ist, in der jüdischen Legende ausdrücklich nur am Schlüsse der Becension I und in der Mitte derselben nur in einer dem Verf. vorliegenden Handschrift׳ erwähnt •wird. In der zweiten Becension (Bet-ham. VI) wird Bom gar nicht genannt und in der dritten ist nur von einem Felsenthurm die Bede, in welchem Kepha «endete. In dem Passus endlich שתקראו ליהודים עברים מפני שהם מעבר זעתר erblicken wir noch eine wichtigere Tendenz als eine Anspielung auf Trastevere. Die Juden in Italien wollten nicht G i u d e i sondern Ebrei genannt sein, weil nach des Verf. Nachweisen (Note VI, S. 313) mit Giudeo der Begriff perfide, osfcinato und in Sicilien crudele, inumano verbunden war. Dass auch נדם im Munde der Juden kein Clara Steiuitz. ״Die Hässliche“. Roman in 3 Bänden. Berlin 1884. Freund & Jeckel. Diese neueste Schöpfung der reichbegabten Schriftstellerin erzählt das begeisterte Bingen einer begnadeten Frauenseele nach den lichten Höhen des geistigen, und des künstlerischen Ideals. Klassische Vornehmheit und malerische Schön heit der Sprache, lauteres Empfinden, klares Denken, gross- und eigenartiges Entwickeln der Handlungen und der Charaktere vereinigen sich hier zu einem hehren Ensemble von überwältigendem Effect. Wahrheit,, gereinigt von den Schlacken der gemeinen Wirklichkeit, ist der Dichterin, wie ihrer Hauptheldin auf der Bühne, heiligstes Gesetz. Die Befolgung desselben ist der Verfasserin um so weniger schwer geworden, als sie nicht phantastische Gebilde schuf, sondern in ihrer genialenWeiseVerhältnisse, HandlungenundCharaktere allerdings nicht gewöhnliche, von realem Grunde ab zeichnete. Wie mächtig da alles lebt und webt, an spricht' und fesselt! Welche Fülle richtiger und wichtiger Gedanken und Gefühle dort in entzückender Pracht hin und her wogt! Auf andern Blättern des Romans wieder ruht etwas wie Morgenthau, wie der erfrischende Hauch des jungen Frühlingstages. Selten ist wohl der Schicksals- und prüfungsvolle Lebens und Entwickelungsgang einer bedeutenden Frauenerscheinung in so wahren und warmen Tönen dar• gestellt worden, wie hier. Mit wie tief und doch erkennbar seelischer Prägung treten auch die sogenannten Nebenpersonen auf! In wie hohem Grade wird uns der Einfluss derselben auf die Charakterbildung der Hauptheldin veranschaulicht und deren Eigenart daneben ins Licht gestellt! Die Episode, die sich ״die schöne Rebbezin (Rabbinerin)“ betitelt, ist in Wahrheit ein lit-- terarisches Cabinetsstück, das selbst die ״Mysorum Ultimi“, wir meinen die modernen Freunde des Mittelalters, mit Interesse und — wie wir hoffen — mit Erfolg lesen werden. Auch in mancher andern Hinsicht ist die ethische und cul turelle Bedeutung des Romans für Gegenwart und Zukunft eine so hervor■: ragende, dass wir nicht anstehen, ihn als eine Glanzleistung ersten Ranges zu bezeichnen und ihm von ganzem Herzen weiteste Verbreitung — im bescheidenen Heim wie im strahlenden Palast — zu wünschen; er wird sich überall und dauernd als segensreich bewähren. Hp. Rk.-Brandenb. Notizen. 1. Hinan hat .,Nouvelles etudes d’histoire religieu.se“ heraus-j gegeben, die Alterthum. Mittelalter und besonders den Orient] betreifen. Un. isr. nennt das Buch ein Gedicht, in welchem mir 1 den treffendsten Wahrheiten die befremdendsten Irithümer sieh•] mischen, welchen aller Zauber dieser Goldfeder nicht t'urs ver-ן scliaffen kann. ‘ * 2. Im Jew. World veröffentlicht Herr Zimmer eine interesj sante Arbeit über ״die alten jüdischen Friedhöfe“. Herr Ad.! Neubauer giebt den Katalog der hehr. Manuscripte .2400« der] Bodlejan mit Facsimil. heraus. Verantwortlicher Bedacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wollt', Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig• *i Ü Ü ׳ rtMli rniinii—firti aiteMüiä»