Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 26. (26.6.1884)
- Date
- 1884-06-26
- Page
- Seite 104 (sequence 4)
- Language
- German
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<* .-. ׳: י• "■׳;יד י׳'^.-^''?,/1: — 104 — Immer parallel mit der gleichseitigen Caltnr beschränken sich die poetischen Leistangen dieses Zeitranms meistens auf das kirchliche Gebiet. Als Dichter religiöser Hymnen ragen hervor Moses ben Kalonymos, ein Mitglied der aas Lacca nach Mainz verpflanzten Gelehrtenfamilie, and Schabtai ־b. Moses, Oberhaapt der römischen Gemeinde am 1050. Umfangreicher Sestalten sich die Leistangen in poetischer Prosa and a sind es vorzüglich die aas der Jellinek’schen Sammlang bekannten Petruslegenden, das Tana-di-be-Elijahu and Josippon, welche Verfasser diesem Zeitraum zuweist and in scharfsinniger Weise bespricht. Leider hat Tins das geistreiche Capitel aber hybride Sagenbildang die Petrassagen betreffend nicht ganz zu überzeugen vermocht. Zunz und Jellinek haben in jener Legende eine die Christen captivirende Tendenz erblickt, sind aber freilich nicht im Stande, die inneren and äusseren Widerspräche, in denen sich die Erzählang bewegt, genägend zu erklären. Güdemann lässt die Sage aus den religiösen Mischungsverhältnissen jener Zeit entstammen, weist jede Tendenz ab und stellt die These auf: Die hagadische Petruslegende ist das jüdische Seitenstück der christlichen Legende voff Petrus als ersten Bischof von Born. Gehen wir etwas näher auf die Sache ein, vielleicht gelingt es תרו« einen Ausgleich der Meinungen herbeizuführen. , (Fortsetzung folgt) La Jea1te88e israälite et le Judaisme. Sermon prononce 4 la Fete de Päque 1884 per Zadok Kahn, Grand-Rabbin de Paris. 31 S. kl. 8.׳ Dergeneigte Leser wolle nicht ob der Grösse and Länge der Predigt erschrecken. Dieselbe ist so splendid gedruckt, 'dass sie nur so lang aussieht, and sich sicherlich auf das reguläre Zeitmaass beschränkt hat. Inhaltlich dagegen ist das Anisehen, das die Predigt gemacht hat, voll berechtigt. Geistvoll §;schildert ist’s, wie ein unkluges Wort, ein schlechtes ach auf das zum Jüngling sich wandelnde Kind ein wirkt: ״Der Bau seines Glaubens zerfällt in einem Augenblick — zornig verwirft er seine früheren Glaubensanschauungen, er stürmt sich eilends in dem Unglauben, weil er keinen Widerspruch, keine ausser ihm stehpnde Autorität ertragen mag, weil er sich einbildet, dass der deutlichste Beweis der erlangten Freiheit darin besteht, dass er aus seinem Geiste die letzten Sparen des naiven Glaubens seiner Kindheit aastilgt. ״Man 'hat mich getäuscht,“ ruft er ebenso bitter als stolz, ״man fangt mich nicht wieder ein“. In unserer Zeit gehört fast Muth dazu, offen noch an Anderes zu glauben, als an die brutale Kraft, oder an die Wissenschaft. — Aus dieser Atmosphäre heraus erschallt uns die Frage: ״Was ist auch dieser Dunst? Was kann aus dem Jadenthume werden, wenn es nar wird zählen können auf Vertheidiger, die ״nichts * Jüdisches haben, als den Namen, den sie tragen, und vielleicht die Ungunst, die sie hier and da erfahren haben“. ' Wir zehren noch am Erbe der Vergangenheit —׳ aber selbst die pietätsvolle Päieht des Kaddisch hat ja nicht mehr die Macht, Alle in’s Gotteshaus zu führen. Freilich das lässt früher noch zittern für das Glück and die sittliche Festigkeit der jungen Leute selbst. Wenn Gott nicht ihnen Schild ist gegen die Verführung — wer wird sie halten? Nicht immer sind, zumal beim Uebergange aus der Kindheit die hohen Ideen, der feine Geschmack vorhanden, die als Ersatz einzutreten vermögen Dasselbe gilt natürlieh vom weiblichen Geschlecht. Und wenn sie haltlos geworden, sagt man schmerzerfüllt von der Religion, welche man nicht kennt, welche man in guten Tagen nicht hat kennen lernen wollen: Ach das Jadentham ist trocken, es hat kein Wort für die ge•' prüfte Seele, es giebt keinen wirklichen Trost den Wanden. Weh den armen Seelen, die verwundet sind! und nicht den Weg zum Heilmittel kennen. Nun folgt eine prachtvolle Schilderung dessen, was das Jadenthum ist, was es seinen Bekennen! bietet, — eine Schilderung, die nicht herzusetzen uns! einen schweren Entschluss gekostet hat. ״Seid dem, j Judenthum dankbar und bezahlt ihm eine Schuld; ihr geistig reich Befähigten und hoch Hinaufgestiegenen — zahlt diese Schuld, zumal da die Religion über Gunst der Zeit nicht zu klagen hat. Jetzt, wo die Mutter so oft angegriffen, so unbegründet .beschimpft wird, schaart euch um sie, dass ״ die Mutter froh sein könnte der Kinder.“ Notiz. Bezüglich der Stelle im Midrasch Rabba (zu IV M. Kap. 7, Vers 3) cap..12., welche Krone r-Erfurt in der Recension von Dr. A. Wünsche’s Bibliotheca Rabbinica in ״Litteraturblatt“ No. 23, Seite 92a, zu erklären versucht, erlaube ich mir zu bemerken, dass,wie bereits Schönhak im ״Hamiluim“ oder ״Maschbir Hachadasch“ (Warschau 1869 s. v. pötO) vermuthet hatte, das fragliche Wort: טומיקין in der besprochenen Stelle mit טמיקא identisch ist, welch letzteres Wort in der פתיחתא zum Midrasch Esther Rabba drei Mal hintereinander ganz entschieden in der Bedeutung von tamiacus*), zum kaiserlichen : Fiscus, zur kaiserlichen Schatzkammer gehörig,! vorkommt. Hiermit ist auch der Sinn des Midrasch klar. Aul die Frage, warum nur 6 Wagen entsprechend den 6 Himmeln, also gewissermassen die 6 Wagen als Opfergaben für die 6 Himmel dargebracht worden waren, und warum nicht 7 Wagen, da sieben Himmel seien (vgL Midrasch Wajikra Rabba cap 29) antwortet R. Abin, der siebente Himmel, der Thronsitz Gottes xax’ eijo/Tjv, I das eigene Besitzthum des (Welten)-Königs ist ebenso frei**) von Abgaben für den (Opfer)-Fiscus, wie das Privateigenthu m des Königs frei ist von den Abgaben an den Fiscus. Es ist | das ein aus den damaligen Rechtsbestimmungen entlehnter Vergleich wie z. B, der im Jerusaschalmi (Rosch — haschana folio 57a) angeführte griechische Spruch: D1D1I 1פרא בסיליר א 7 אגרפיםtpo jtaa’.xXetoc; <5 vopog aeyPa'f׳°S!/nr den König ist kein Gesetz geschrieben“ (vgl. Landau Aruch s. v. אגריפם)• I Die besprochene Stelle findet sich übrigens bereits Pesikta di I R. Kahana (ed. Buber 7b.', Rabba zu Hohelied Kap. 6,4 und I zu Esther Kap. 1,2. Ob an letzterer Stelle anstatt: טיטיק I mit Buber a. a. O. Note zu 140 zu lesen sei טמיקון oder aber j mit Lonsano im 3 מלרקד• v.:־ טימיקajx:elov=tamiacus, ist nicht I leicht zu entscheiden. (Vgl. Aruch 6. v. טמיר.' B. Topolya, den 12. Juni 1884. Goldfahn.***) (Es ist uns über dieses Wort noch ein anderer Erklärungsversuch zugegangen, den wir in der nächsten Nummer bringen wollen. Red.) *) ״Tomicns“ bei Schönhak ist wohl nur Druckfehler. **) Sämmtliche Ausleger haben שרי hier irrthümlich, j ״wohnen“ erklärt, während es hier, wie auch sonst oft ״frei sein befreit“, bedeutet. ***) In meinem Artikel: ״Die Synagogen der Talmudzeit“ | bitte ich folgende Druckfehler zu berichtigen: No. 21, S. 83a Text-Zeile 5 von unten setze R statt 0,1 das. Z. 2 v. u. setze ושכנת statt ושכבת., S. 83b Textzeile 20 j v. u. setze **) nach ״statt“, daselbst Z. 14 v. u. setze ***) nach ״veranlassen“, daselbst Z. 10 v. u. setze ****) anstatt *) nach ״Seite“, daselbst Z. 1 v. u. setze f) anstatt **), daselbst in den I Anmerkungen Z. 3 v. o. setze ***) vor ״Nur so“ , da dies ein» 1 besondere Anmerkung, welche zum Texte, Z. 14, v. u. gehört), I daselbst Z. 16 v. o. setze **•*) statt ***) vor ״Medr. (lies Midr.) [ Tanchuma“. In einigen Tagen erscheint: Der Judenspiegel des Dr. Justus in’s Licht der Wahrheit gerückt von Dr. Adolf Lewin, Rabbiner in Coblenz. Preis 1 -Mit. SO Pf. (Bei Entnahme mehrer Exemplare ä 1 Mk.) MB* Lewin’s Schrift ist die gründlichste Widerlegung der Angriffe von Justus - Rohling und Dr. Ecker auf den Talmai und Schulchan-Aruch und verdient die weiteste Verbreitung. Bestellungen werden schon jetzt angenommen von der Expedition der ״Israelitischen Wochenschrift« in Magdeburg Verantwortlicher Bedacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff^ Magdeburg. Verlag von Robert Friese, LeipzM <*******"& iäiahiääüHiii