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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-06-19 · No. 25. (19.6.1884) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 25. (19.6.1884)
Date
1884-06-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Litteraiur-Blatt Zur Belraehtug Aller Jadenthnai «ad Jaden betreffende■ llttarartsch•■ Er- •ebelaaageo anf!len Gebiet« der Philo- •ophle, Gnehichle, Ethnographie, Theologle, Orlentilla, Exegese, Homiletik, Lltarglk, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 19. clii-ni 1884. Bicher derelaeehligige■ Lltterat«r,welehe der Bedaetioa sageaaadt werden t In4m!■ dieeem Blatte eingehende Beapreehang. Bel Eiaieadnng ron svel Boeeafioas• Exemplaren erfolgt einmalige karie tiratts-Iaeertiea. Das ״Jüdische Litteratar-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro-Jahrgang 8 Hark.' Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Bachhandlungen 0 Hark kostet)! erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 26 Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 16 Hark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. ME* Buchhändler, welche direct oder durch Robert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten 25 X Rabatt. Wl Inh alt: Wissenschaftliche Aufsätze: Berthold Auerbach’s Von Dr. Ludwig Stein, Berlin, m. — Justus’ Spiegel, beleuchtet von Dr. A. Lew in, Coblenz. Briete- Juden- Forts.) Litteraturbericht: Recensionen: Haesters, A. Deutsches Lesebuch für die Mittelklassen der Volksschule. .Ausgabe für israelitische Schule, bearbeitet von M. Blumenfeld. 2. Dasselbe für die Oberklassen. — Freie Gedanken sur Beurtheilung der Kirche und ihrer Geschichte von Jonas J u 8 tu s Stuttgart. Notizen. — Inserat. I‘ Berthold Auerbach’s Briefe. Von Dr. Ludwig Stein, Berlin. m. (1855—1871.) Von den ersten ״Dorfgeschichten“ bis zum ״{!andhaus am Rhein“ ist ein gewaltig weiter, rosigduftander, ,lorbeerbeschatteter, zuweilen freilich auch holpriger, dorniger Weg. Allein unter lieblich emporrankeiidem Epheu vergisst Auerbach ebensowenig sein Judenthum, wie inmitten des überüppig wuchernden Gestrüpps. Aus dem endlosen Zwiespalt und Widerstreit def Gefühle zittert manchmal ein leiser Harfenton seines jüdischen Herzens mit lieblichem Klang und in: harmonischer Melodie hervor. Mehr denn zwanzig Jahre beschäftigt ihn der Gedanke, das innere sociale lieben der Juden in einem grossen Roman festzuhaltenj und auszugestalten. Schon am 24. October 1861 schrieb er: ״Dass die Juden jetzt bei den anderen Völkern so rationell gesinnt werden, das ist ein sehr wichtiges Thema. Ich möchte einmal dazu kommen, in einem grossen Roman das gesammte jüdische Leben zu fassen, da wäre das ein bedeutendes Moment.“ Auch in einem Briefe aus Wiesbaden vom 10. Octob. 1867 heisst es: ״Ich war gestern in der Synagoge.: Du weisst, dass ich die Erinnerung gern bewahre und die Zugehörigkeit bekunde. Vieles über Judenthum und Juden zog mir wieder durch die Seele. Ich bin verpflichtet, das noch einmal zu gestalten, und ich hoffe ich kann’s.“ Am 6. Oct. 1869 gewann die keimende Idee schon festere Gestaltung und bestimmtere Formen, wie aus ,einem Briefe hervorgeht, in dem es hejisst: »• . . . da fasste ich einen festen Plan, zu — zu!was meinst ,Du? Zu einem Roman! und der soll heissen: ■Wir Juden“. Es lässt mir keine Ruhe, ich gross das Thema einmal absolvieren und so grand . .cij ii ־ - ^.,*-־- : . .... als nur möglich, und wie vielleicht ich gerade nicht kann, sondern auch muss, d. h. verpflichte t bin“. Immer und immer wieder kömmt - er auf diesen Plan in den mannigfaltigsten Variationen zurück, ohne dass es ihm vergönnt gewesen wäre, diese seine Lieblingsidee zu verwirklichen. Allerdings taucht in ihm der Gedanke desto eindringlicher und-nachdrücklicher auf in je peinlicherer Weise er an seine Glaubens- und Stammesgenossen erinnert wird; denn der Jude in ihm war hochgradig empfindlich. Zwar ruft er in einem Briefe aus Erlenbäd vom 23. Sept. 1861 seinem Freunde zu: ״Mich fechten glücklicher Weise solche Mückenstiche gar nicht mehr an. loh lebe in einer anderen Welt,“ — als ein preussischer Offizier auf ihn gejüdelt hatte und sein Freund, Major Müller, der für ihn eingetreten war, ihn durch den Zuspruch tröstete: ״Ihr Juden müsst viel Menschenliebe haben, damit ihr nicht verbittert werdet.“ Allein wenn das Judenthum als Gesammtheit angegriffen wurde, dann loderte, eine helle Zomesflamme in ihm auf oder wenn man einen einzelnenGlaubensgenossen auszeichnete, dann verklärte ein Sonnenstrahl der Freude sein Antlitz. Wie wuth- I entbrannt und zomesmuthig sprioht er sich aus, als sein ehemaliger Freund Wagner die berüchtigte Brochüre: ״Dm Judenthum, in der Musik“, erscheinen liess! »Was sagst Du?“ schreibt er in höchster Indignation am 12. März 1869 aus Berlin: ״Noch wunderbarer als die zähe Erhaltung der Juden in der Geschichte, ist die zähe Erhaltung und der Stoffwechsel des Judenhasses.“ Wie enttäuscht fahrt er auf, als er Zelters Briefwechsel mit Goethe liest und gewahrt dass auch da der Judenhass sioh eingenistet hat. ״Tieferschreckend war mirs, den gemeinen Judenhass Zelters ungerügt von Goethe zu lesen ...... Aoh, lieber Jacob, wie geplagt sind wir Juden und werden oft so grausenhaft aufgeschreckt. Ich werde nie vergessen, wie ich, ganz verzaubert von den Grimm’schen Märchen, plötzlich auf das Märchen ״Der Jude im Dom“ kam, das riss mir wie leibhaftige Wunden.“ Und wie hoch erfreut wiederruft er in einem zweiten Briefe vom 29. Juli 1867 das früher Gesagte, als er oonstatiren konnte, dass Zelter den Juden doch Anerkennung zollte. ״So ist׳ eine anmuthende Aeusserung von Zelter im Band 6, S. 387, die wischt alles früher

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