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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-06-21 · No. 24. (21.6.1884) · p. Seite 94

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 24. (21.6.1884)
Date
1884-06-21
Page
Seite 94 (sequence 2)
Language
German
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za stürmendem Durchbrach and anmathendem Aasdruck; er schreibt: ״Wir hatten ein Abendessen, 20— 25 jüdisohe Gelehrte, alle ehemals Talmudbeflissene . .J. Dann ging es an Erörterungen and Mittheilungen persönlioher Lebensereignisse vom Standpunkt des Allgemeinen . . . dass es halb drei Uhr Morgens wurde, and wir konnten ans kaum trennen. Ich habe nie eine Gesellschaft erlebt, in der es gehobener and I inniger herging. “ i So wenig Sympathie A. indess für die jüdische Theologie haben mochte, so sehr bewahrte er dem ^Jndenthum als solchem nach wie vor, in allen Wendangen und ,Wandlungen des Lebens eine unverbrüchliche Treue. Schon am 24. Decemb. 1832 schrieb er: ״Nein, der Mosaismus ist und bleibt ewig wahr!“ and dies blieb aach späterhiC sein Wahlsprach. Man hat vielfach geglaubt, der Spinozismus habe alles jüdische Interesse in ihm erstickt; allein das warme Eintreten für seine Glaubensgenossen in seiner polemischen Schrift: ״Das Judenthum and die neueste Litteratur;*■־ seine mit Frankfurter gemeinsam voranstaltete ,Herausgabe der ״Gallerie der ausgezeichneten Israeliten“ legen doch ein unwiderlegliches Zeugniss dafür ab, dass es ihm tiefer Emst -mit seinem Glauben war. Ja, noch mehr. Zwei Jahre nach dem Erscheinen seines ersten Bomans ״Spinoza, ein historischer Boman“, ' in dem er doch schon rückhaltslos auf dem Standpunkt Spinoza’8 steht, veröffentlichte er seinen zweiten Boman (Dichter and Kaufmann 1840), in dem er zum beredten Fürsprecher and begeisterten Panegyriker des Judenthums wurde. 'Und als er auf directe Anregung Cotta’s eine Biographie Mendelssohn’s schreiben sollte, rief er voller Extase aus: ״ich hoffe, diese Biographie soll was Tüchtiges werden. Es gewährt mir die höchste Freude, meinen Namen in dem Postament der zwei grössten Jaden eingraben zu dürfen.“ Sb kann kein Ungläubiger schreiben, so schreibt nui^ ein wahrhaft überzeagter Jude! Ein merkwürdiger Zufall fügte es, dass er seine Lebensflamme, seine vielgeliebte und vielbeweinte Augaste, in der Synagoge kennen lernte. Er schreibt aus Breslau, am 21. Novemb. 1846: ,,Ich war am vergangenen Abend spät hier angekommen, mein erster Aasgang Samstag Morgen war in den Tempel, wo ich kurz vor der Predigt anham Ich las mit einem fremden Mann gemeinschaftlich den Gesang, es war Moritz Schreiber, den Da ja kennst, meine Augaste ist seine Tochter“.... ״ich bin still selig, wie behütet and beschirmt vom gaten Gott, der mich־־nicht versinken liess, sondern sein gutes Kind — mir sendete“. Wer so von einer persönlichen göttlichen Fürsehung spricht, verdient doch wohl nicht, wie es von Zeloten vielfach geschieht,־־ Atheistjgenannt za werden? Ich möchte jedoch nicht, dass in;diesen Artikel durch die Erinnerung an die Anfeindungen, die Auerbach von den Ultramontanen jeglicher Con- _fession erdulden musste, ein schriller Misston hinein- , getragen werde and schliepse ihn daher mit einer heiteren possierlichen Wendung Auerbach’s aas einem ־ Briefe vom 27. Juni 1830, wo er seinem Intimus mit. theilt, dass er sich aus Anhänglichkeit an Spinoza, der mit seinem hebräischen Namen gleichfalls Baruch hiess, aach noch dessen Vornamen Benedict zugelegt habe und fährt also fort: ״Ich weiss nicht, was ich anfangen soll, ich heisse nun Moses Baruch Berthold Benedict Auerbach, und man hat doch wahrlich genug zu thun, wenn man einen ehrlichen Namen erhalten will, und ich soll so viele erhalten? Ich denke, es geht mit der Vielnamerei, wie es mit der Vielweiberei ging, es wird noch ein Babbi Gerschom aufstehen und seinen Bann auf die Vielweiberei noch mit dem auf die Vielnamerei vermehren, aus demselben Grund: weil man weder mehrere Weiber noch mehrere Namen gut erhalten kann“. Justus’ Judenspiegel, beleuchtet von Dr. A. Lewin, Coblenz. (Fortsetzung.) Gese tz 82. Ist die Bibel dem Katholiken heilig? Der getaufte Judenspiegelmacher hat keine Scheu, die hl. Schrift alten Testaments zu verleumden und in den Koth zu ziehen! Ist das nicht der hämisch entstellte Wortlaut der Schrittstelle*): ״von Fremden darfst du Zins nehmen?“ *) V. B. M. 23,21. Judenspiegel S. 81. ״Dem Juden ist es streng ver- ״boten, einem andern.Juden ״Geld auf Wucher (gegen hohe ״Zinsen) zu leihen; erlaubt da- ״gegen ist es ihm, einem Akum ״(Christen) oder einem Juden, der ״Christ geworden ist, Geld ״gegen Wucherzinsen zu leihen. Dass niemals von hohen Zinsen die Bede ist, dass ein Pfennig für Tausende von Goldstücken ״Neschech“ ist, weiss der unwissende Pollak nicht. Dem Glaubensgenossen sollen stets und nur unverzin81iche Darlehen gegeben werden, vom Volksfremden (Nochri) dürfen überhaupt Zinsen genommen werden! Das sagt die Bibel, und weiter sagen Talmud und Schalchan Aruch auch nicht. Denn so lautet der von Justus allegirte, aber nicht übersetzte § 159.1: ״Nach der Thora ist es erlaubt, dem Akum auf Zinsen zu leihen, aber die Weisen haben es verboten, ausser dass er es zum Lebensunterhalte oder zum Ernähren von Studirenden braucht oder bei dem, was nur von den Rabbinern als Zins angesehen wird. Jetzt aber ist es in allen Fällen erlaubt.“ Diese Erlaubniss ist in den Verhältnissen begründet, welche es ihnen unmöglich machten, sich von einem anderen Gewerbe zu ernähren! Die bodenlose Gelehrsamkeit des Justus, dass hierauf der Schriftvers bezogen wird: ״Du sollst deinen Bruder mit Dir leben lassen“*) ist aus dem Commentar Ture Sahab zur Stelle geschöpft, wo ausführlich nach dem Talmud dargelegt wird, dass fürlalle anderen Unterstützungen und Hilfeleistungen jeder Mensch gleichberechtigt ist, und nur in Bezug auf das Verbot des Zinsnehmens die Bibel die Einschränkung auf den ״Glaubensbrüder statuirt hat.**) Danach ist des Judenspiegels Folgerung: ״der Akum (C hrist) wird aber nicht als Brnder betrachtet“ zu beurtheilen. Ja, der Glaubensbruder steht, wie der Volksgenosse, unserer Mildthätigkeit näher, als der Angehörige einer andern Beligion oder eines andern Volkes — aber wir schliessen keinen Menschen aus. Der Fremde *) Der Vers lautet (UI B. M. 25,36) ״dass Dein Bruder mit Dir lebe.“ **) Was aus der Nebeneinanderstellung der Verse 35, 36 un 37 de3 Cap. 25 III B. M. klar hervorgebt.

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