Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 22. (29.5.1884)
- Date
- 1884-05-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 22. Jüdisches Litteratur-Blatt. Zur Beleachtang aller Jadeutham and Jade• betreffendem lltterarlechen Kr* •efcelauiigen atifden Gebiete der Philo• sophie, Geschichte, Ethnographie, Theo* logle, Orientalia, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 9Ttag3(j6׳u^< 29. 0T£ai 1884. BQcher der elnsehl iglgen I.ltter.tar.ieeicll• der Bedeetlo■ iifesudt werde■, fl■ de■ in dienern Klette eingehende Beepreeneng. Bei Einsendung. ron ■ w e i Keeen^o■■- Exemplaren erfolgt einmalige kniwe BrntU-lneertion.. ^^^^^är^jjfldl8che1Litter«tnr-Bl»tt“ erscheint wöjehentHc^in^ine^hälbe^BÖgen^^Prei^bei^Jlen^Buchhandlun^ei(^!Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Hark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei lallen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Hark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit ISS Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 15 Hark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Buchhändler, welche direct oder durch Robert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten '25 Rabatt) Inhalt:!Wissenschaftliche Aufsätze: Aus dem socialeq Leben im jüdischen Alterthum. (Fortsetz.) — Justus’ Jude(18piegel. Beleuchtet von Dr. A. Lew in, Coblenz. (Fortsetzung.) iLitteraturberichi: Recensionen: Brauchen die Juden Christenblut? Ein offenes Wort an denkende Christen von Dr. Alois Müller. — Zeitschrift tür Keilschriftfdrschung und verwandte Gebiete. — Loevv, Dr. Jacob, LibrilKohelet versio arabica, quam composuit Ihn Ghijäth. I!Notizen. Nachdruck nur mit ■voller Quellenangabe gestattet. 1s dem socialen Leben im jüdischen Alterthum. (Fortsetzung.) Recht ansprechende Bilder ans dem altjüdischen dleben bietet uns die Erzählung von R u t )1, die!teste ,Dorfgeschichte‘‘. Sie führt uns in Boa4 einen n vor, der bei all seinem Reichtham und Ajasehen nach der Tradition war er sogar das bestellte!erhaupt, d. i. der ״Richter“ des Volkes — ej3 nicht irschmähte, seihst an der Feldarbeit theilzunehmen. L8iehe, er würfelt auf der Tenne Gerste diese Nacht“. 1as. 3,2). ״Und Boas ass und trank und sein Herz fröhlich dnd er ging sich niederzulegen am Ende Garbenhaufen“. (Das. 3, 7.) Es hat den Anschein, dass die Einsetzung der!virathsehe nicht blos den Zweck hatte, den linder- 1en Heimgegangenen der Vergessenheit zu entrissen, ®dem auch dessen Unterbliebenes Besitzthjim im denken seiner Mitbürger zu erhalten: ״Und auch!Ruth, die Moabiterin, das Weib Machions, habe ich!mir zum Weibe erworben, den Namen des Vertorbenen auf seinem Erbgute zu erhalten, 8 nicht der Name des Verstorbenen verlösche aus en Brüdern, aus dem Thore seines Ortes“. י;(4:10 ־ Wie tief sich der Begriff von der Unantastbarkeit väterHchen Erbes im Volke festsetzte, dafür bietet *) Hier stossen wir auf die Ohnmacht, der modernen Prache, den gehaltvollen, lebendigen Sinn des hebrjäischen Fjpüals wiederzugeben. Eine treue Uebersetzung von: להקים pro שם המת על musste etwa heissen: ״Den Narben des prstorbenen ant seinem Erbgute aufzurichten“, djass der "ü8 gleichsam ein Monnment des Verstorbenen auf tjigenem darstelle, auf dass beide unzertrennlich in der Erinnerung! Mitbürger fortleben. der Fall Naboth ein drastisches Beispiel, muthigen Worten: ״Fern sei es mir vor dem Et den Erbbesitz meiner Väter Dir zu geben“ das Ansinnen des Königs, welcher den Weinberg Naboth in Tausch verlangte, zurück. Ahab wagte es auch nicht, offene Gewaltmittel gegen Nabotli za gebrauchen und nur dem verteufelten Plan Jsebels gelang es, sein Vorhaben zur Ausführung zu bringen. In dem Landleben des Israeliten manifestdrte sich ein idealer Zug, ein gewisser Schwung; und wird dasselbe oft Gegenstand poetischer Verherrlichung. In dem Liede vom ״biedern Weibe“ heisst es: ״Sie sinnt auf ein Feld, erwirbt es, ״Von ihrer Hände Frucht bepflanzt den Weinberg sie ״Ihre Lenden gärtet sie mit Kraft ״Und stärket ihre Arme“ (Spr. 31.16). י ־ Die höchste Stufe irdisoher Glückseligkeit konnte sich der Hebräer nur in einem friedlichen Landleben denken, wo blühende Aecker und *Weinberge die Fülle des göttlichen Segens spenden und das Herz des Bauers zn beiterm Genuss stimmen. In den meisten VerbeissuUgen und Tröstungen der Propheten erklingen liebliche idyllische Töne. (Wir könnten so manches Kapitel aus den Propheten als Proben anführen, doch gestattet dies der Raum nicht.) Unter den socialen Einrichtungen des mosaischen Staates nimmt die Armenversorgung einen hervorragenden Platz ein. Selbstverständlich ist solche den agrarischen Verhältnissen angepasst. Ueberblicken wir jene Stellen des Pentateuchs, die auf die Armen- Versorgung Bezug haben, so sehen wir, wie auch dies• mosaische Institution von ähnlichen Emrichtudgen ( bei anderen Völkern alter und neuerer Zeit sich vor-■ theilhaft unterscheidet. Nicht durch Aussetzung einer bestimmten Menge von Unterhaltsmitteln durfte sich der Israelit seiner Armenpflicht entledigen; — näin, diese Pflicht war mit allen seinen , wirthschaftlichen Vorkehrungen im Hanse und auf dem Felde vjerflochten. Auf Schritt und Tritt trat sie ihm vor clie Augen. Erntete er sein Korn, so musste er die Saat am ״Rande des\Feldes“ für den Armen, den Fremdling u. s. w. zurücklassen. Vergass er eine Garbe, leo gehörte solche den Armen und durfte nicht mehr geholt werden. Das Auflösen der verstreuten