Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 17. (17.4.1884)
- Date
- 1884-04-17
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
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68 ־" Wir haben zunächst einige Fragen: 1. Wenn das Prophetenthnm rieh so entwickelt hat, dass Samael die Richtung seiner Vorgänger, Eiiah and Elisa wiederum die Samuelische Richtung, Hosea auch die des Eiiah als falsch bezeichnet; wie kommt es, dass von Hosea bis Maleacbi ein Gedanke alle Propheten begeistert? Und das giebt Maybanm zu, and hält daran fest. 2. Wenn eine solche Verwerfung des Traditionellen eingetreten war, warum ist auch nicht eine Prophetenrede za finden, in welcher dieselbe deutlich sich im Widerspruch zu der Tradition stellt?*) Wenn man die .schriftstellerischen Erzeugnisse betrachtet, in denen ein reformatori8cher Geist waltet, so findet man ja naturgemäß« das Hergebrachte, das offiziell bis jetzt als das Richtige galt, angegriffen. Wo hat auch nur ein Prophet in auch nur einer Rede die als geheiligt geltende Tradition^ angegriffen und zwar in so entsohiedener Weise, wie sie nach der Maybaumschen Hypothese unbedingt nothwendig w^r? Wir wollen davon schweigen, dass bei Samuel sich davon nichts findet, ebensowenig bei Eiiah und Elisa. Man würde ans eben ein wenden: die von diesen Männern überlieferten Reden sind nicht historisch. Aber die Reden Hosea’s, Arnos’ a. 8. w. sind ja da und werden von keiner Seite als unhistorisch erklärt, auch nicht von Maybaam. Und doch findet sich in ihnen weder davon eine Spur, dass sich die von ihnen angegriffenen falschen Propheten auf die Tradition beriefen, noch davon, dass es Absicht war, eine Tradition um zustossen. Vielmehr machen Hosea u. 8. w. also die wahren Propheten den falschen Propheten, sowie den Priestern, Fürsten and dem Volke den Vorwurf, dass sie von dem tradirten Bunde abgefallen seien. Dies letztere ist etwas so allgemein Bekanntes, dass wir dafür Belege gar nicht anzuführen brauchen. Es klingt ebenso kühn, als frappant, die wahren Propheten za ״Fortschrittlern“ und ״Reformern* zu machen!**) Betrachten wir es demgemäss als falsch, dass Hosea die Richtung eines Eiiah oder Elisa reformiren wollte, so ist damit die ganze Hypothese zerrissen und wir müssen dann zu dem allein correcten Gedanken zurückkommen, dass ebenso, wie von Hosea an das Prophetenthnm selbst nach Maybaum nur eines ist, 68 ebenso von Samuel an nur eines war. Bei jeglichem Mangel auch nur eines klaren Belegs für diesen Theil der M.’scher Hypothese bedarf es keines weiteren Gegenbeweises mehr. Aber die vorsamaelische Zeit? Nun allerdings sind die Prophetenreden wie die eines Hosea keine directen Zeugen für das, was die vorsamaelische Zeit an prophetischer Wirksamkeit erfüllte. Aber vollgiltige Zeugnisse sind diese Reden für die tradi¬ *) Solcher Widersprüche werden doch 80 manche selbst vom Talmnd schon angemerkt, allerdings aach in talmadischer Weise ansgeglichen. (Red.) *•) Wir glauben, der Herr Recensent trübt sich selbst das Bild dadurch, dass er fortwährend bestrebt ist, m jderne, bei den Orthodoxen in Missklang stehende Schlagwörter auf jene antiken Verhältnissen anzuwenden. Dass der Prophetismus eine Phase in der Entwickelungsgeschichte des Judenthums bezeichnet, dass er beispielsweise gegen den Opfercnltus des Pentateuch in offene Opposition tritt, und der Idee eines Weltpriesterth ums das Wort redet, das dürfte bei allen wissenschaftlich gebildeten Theologen — die verknöcherte Orthodoxie höchstens ausgenommen — feststehendes Axiom sein. Darum halten wir auch denVorwurf ״tendenziösen Forsch ens“, den der Herr Recens. dem Verü im erstenTheile derBecension (in v. No., dendermetteur en pages zu früh abgebrochen, er sollte bis incL diese Note reichen) gemacht, für durchaus nicht erwiesen, ebensowenig die zum Schluss des ersteh Recensionstheils hingeworfene Insinuation, dass die Hypothesen des Verf.’s nicht ״die seinigen“ wären. Für dergleichen schwerwiegende Vorwürfe müssten doch vollgültige Beweise gebracht werden. (Bed.) tionelle Ansicht zu ihrer Zeit. Aus diesen Reden geht aber deutlich hervor, dass diese Propheten nicht eine kritisch gewonnene Ansicht, oder eine neue Dichtung, sondern d a s als sichere geschichtliche Thatsache ansahen, ,dass Israel von jenen drei Vätern abstamme, <JBSs es in Egypten gelebt, aus diesem Lande durch Mose geführt, in die Wüste gewandert und da einen Bund mit Gott geschlossen habe. Dies war den Propheten eine Gewissheit, von der sie die Forderung ableiteten, dass man diesem Gotte zu danken, diesem ״Bunde“ zu gehorchen habe.*) Sie verlangten dies offen, und Keiner hatte bezweifelt, dass die Thatsache eines solchen Bundes wahr sei. Auch nicht eine Stelle findet sich, die uns lehrt, dass man zur Zeit des Propheten auch nur leise bezweifelt hätte, Israel hätte keinen Bund in jener Wüstenzeit geschlossen. Es war also das Bewusstsein einer solchen geschichtlichen Thatsache Volksbewusstsein, unbezweifelte Annahme. Bedenken wir noch, dass die Propheten Männer der Wahrheit waren, dass sie es ernst mit ihrer Forderung der Bundestreue nahmen, dass sie noch mehr geschichtliche Quellen eiusehen konnten, als wir es heute vermögen, so ergiebt sich daraus, dass die Propheten geradezu ein Räthsel znair kein sehr erfreuliches wären, wenn sie angesichts des ganzen Volkes eine Thatsache als unbestritten betrachten und alle ihre Forderungen auf diese gründen und dennoch diese Thatsache nur — Legende sei. Wir wollen hierbei aber die Belegstellen aus den Propheten selbst bringen. Folgende Dinge sind es, welche in den Prophetenreden als Thatsachen benutzt werden: 1. der Auszug aus Egypten, 2. die Wanderung durch die Wüste, 3. die Gesetzgebung durch Mose und 4.'.das mit ihm beginnende Volksprophetenthum. (Schluss folgt.) Schur, W. Das Morgenland. (ארץ הקדם). Wien 1883 Der Verfasser, welcher einen grossen Theil der asiatischen Türkei und Vorderindiens bereiste, liefert nun in den erwähnten Reiseskizzen eine recht anmuthigp Schilderung der Sitten, Lebensweise und Gebräuche u. s. w. der Bevölkerung jener Weltgegenden, wobei er selbstverständlich unsere dortigen Glaubensgenossen einer eingehendem Berücksichtigung würdigt. Der muntere Ton, in welchem der Verfasser seine gemachten Wahrnehmungen zum Ausdrucke bringt, sowie die gelegentlichen Aperes, womit er seine Schilderangen zu würzen versteht, erinnern uns lebhaft an das rühmlich bekannte Reisewerkcheu Romanilis (משא בלרב), dem es würdig an die Seite gestellt werden kanu. Kenner des Hebräischen werden das Talent des Verfassers, modernen Situationen und Begriffe in das Gewand der altehrwürdigen Sprache zu hüllen, zu schätzen wissen. Ein recht ansprechendes, abgerundetes Bild entwirft uns der Verfasser von der Stadt Bagdad, wo er längere Zeit sich aufhielt. Er zeichnet uns in grellen aber wahren Farben das bunte Leben und Treiben in dieser berühmten ״Perle des Orients“ und dies mit einer reizenden Detailmalerei, welche auch umfangreichen Reisewerken zum Lobe gereichen würde. Zu bemerken sei noch, dass die'hier besprochenen Skizzen nur Vorläufer eines grossem Reise- Werkes sind, mit dessen Herausgabe Verfasser jetzt beschäftigt ist. Feunden einer gewählten hebräischen Reiselectüre seien die Schriften des Herrn Schur angelegentlich empfohlen. Rg. *) Aber was Alles unter diesem ״Bande“ mitinbegriffen I wird, darin scheint uns der Hauptdifferenzpunkt zwischen dem Verfasser und dem Becensenten zu liegen. » (Bed.) 1 Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolf f, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig• 1