Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 14. (3.4.1884)
- Date
- 1884-04-03
- Page
- Seite 56 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Aufnahme Ihres Artikels erfolgte übrigens,- wie wir Ihnen gestehen, nur auf dringendes Ersuchen unseres Kollegen Dr. Kroner- Brandenburg. Ohne dieses hatten wir ihm den gebührenden Platz im Papierkorb angewiesen. Dass Sie übrigens in dem nicht zum ״offenen Brief“ gehörigen Theil Ihres Schreibens ״zur Privatkenntniss der verehrt. Bedaction“ einen ungenannten Israeliten, der mit Ihrer Becension übereinstimmen soll und die in unserem Blatte-nicht gelesen haben will, mit allen unsern wissenschaftlich gebildeten Glaubensgenossen identifiziren, bezeugt, wie herrlich weit es bereits Ihre antisemitische Phantasie gebracht hat, und behalten auch wir uns vor. dies unter Umständen des Weitem zu besprechen. Litteraturbericht. Recensionen. Vom jüdischen Katechismus. Von Dr. David Kaufmann, Professor der Landes -!Rabbinerschale zu Budapest. Budapest. Samuel Zilaky. 18S4. 19 S. Man 8011 nicht sagen, wozu Alles gut ist. Während die Fachleute über das Ueberhandnehmen der Katechismusreligion innerhalb des Jadenthums klagen, wird vqd Leuten, die sich unberufen in Dinge mischen, von denen sie nichts verstehen, das Judenthum angeklagt, eine Geheimreligion zu sein, die sorgfältig verhülle, was sie lehre. Diesen Identen, die so klug, wie Hans, der statt zu sagen, das weiss ich nicht, sich anfspielte und sagte, das weiss man nicht, hätte keine Antwort gebührt, wenn sie nicht;— an so hoher Stelle ständen und;— die Glocken läuteten! Von dem vielen Witzig-Anmuthenden, dessen der vorliegende Aufsatz 80 Vieles birgt, sicher das Anmuthendste ist die Antithese: Bei den Juden rief der Schammes mit des Hammers dumpfem Klopfe, bei den Christen der weithin schallende Glockeuton zum Gebete. Den Anklägern der Juden stehen .Glocken, den Vertheidigem nur schüchternes Pochen an den Fenstern und Thüren zur Verfügung. Auch im Schmerze scherzt das Herz — möchten wir, ein Bibelwort umkehrend, vom Herrn Verfasser sagen. Aber auch das populäre, klare Wort ernster Belehrung handhabt er meisterhaft. Er fuhrt es durch, wie von ,Du sollst den Ewigen wissen“ an durch alle Phasen des Judenthums das Höchste und an der Spitze Stehende: ״Wissen unfl Lernen und Lehren* heisst, wie also keine Religion mehr Klarheit und Offenheit verlangt. Wir haben keine Geheimlehre für die Eingeweihten, keine Trennung dessen, was für den Laien ausreicht und was dem Kleros geboten ist. Nie ist Aussenstehenden religiöse Belehrung verweigert worden, auch wo an Bekehrung und Missioniren nicht entfernt zu denken war. Zu den schön gruppirten Belegen fügen wir noch den heiligen Hieronymus, den Schüler der Rabbinen. Obschon wir keinen Katechismus haben — besitzen wir hunderte von Katechismen, von Büchern, die den Lehrinhalt für Jung und Alt, für Mann und Weib und Kinder aller Altersstufen mundgerecht zu machen sich befleissigen. Es ist das ״rcma ״ es ist Alles im ewigen Flusse“, was die Fernstehenden an^ unserem Judenthum nicht verstehen. Sie meinen es"־ verknöchert und erschrecken, wenn sie unter der dünnen Lavaschicht den glühend dahin fliessenden Strom geistigen Strebens und lebensvoller Entwickelang gewahren. Es passt ihnen nicht, weder in den Kram, noch in ihre Formeln. Nun auch die Verfassang des deutschen Reiches war den hergebrachten Rechtssystemen als Monstrum erschienen und ist doch viel lebensvoller, als manch’ ganz systematisch richtig constrairter Staat. So steht’s unserer Meinung nach anch mit unserem Judenthume. Und das hat Prof. Kaufmann in schöner Form klar ausgesprochen. Coblenz. L e w i n. Le troisiäme congres international pour l’amelioration du sort des sourds-muets, tenu ä Bruxelles, considere en rapport avec l’institution des sourdsmuets ä Rotterdam per D. Hirsch, Directeur de l’institution des sourds-muets de Rotterdam, decöre etc. (Der dritte internationale Congress für die Verbesserung des Schicksals der Taubstummen, gehalten in Brüssel, beurtheilt in Verbindung mit der Taubstummenanstalt in Rotterdam durch D. Hirsch, Director dieser Anstalt) Nach zwei Seiten hin erweckt dieses Schriftchen unser lebhaftes Interesse. Es erzählt uns, wie die berechtigteste Bezeichnung für die Methode, die Taubstummen mit den Augen hören und selbst sprechen zu lehren, die Ammansche öder deutsche Methode sei, da Amman (1690—17110) ihre Grundzüge entwickelt und eine Schule dafür in der Mitte des 18. Jahrhunderts Heinicke in Leipzig begründet hat. Diese Methode hat Herr Hirsch in Holland und Belgien eingeführt, England und Italien haben sie durch seine Schüler oder in Nachahmung seiner Einrichtungen ebenfalls erhalten. Das Rotterdamer Institut — das auch eine ״Hirsch- Stiftung“ sein nennt, durch welche entlassene Zöglinge in ihrem Gewerbe unterstützt werden —■ zählt jetzt 160 Zöglinge (darunter 20 israelitische) beider Geschlechter und aller Confessionen; für jede Confession ist auch ein besonderer Religionslehrer angestellt. Wie weit sie dort gefördert werden, zeigte der ehemalige Zögling, welcher in Brüssel eine französische Rede hielt, um besonders sein Fach — Gärtnerei — als für Taubstummen geeignet zu empfehlen. Das Wirken des Herrn Hirsch möge die Worte des verstöckerten Wagner von dem fremden Stamme, dessen Glieder alle nur nach Gewinn streben, illustriren! Wir haben vor 2 Jahren bei unserer Anwesenheit in Rotterdam es uns nicht entgehen lassen, die berühmte Hirseh’sche Anstalt zu besuchen und dem Unterricht in den verschiedenen Klassen beizuwohnen. Die Stunden sind uns unvergesslich und als wir die israel. taubstummen Kinder auch ziemlich correct hebräisch lesen und das Gelesene in’s Holländische übertragen hörten, da mussten wir nach solchen Erfolgen der von Hirsch angewandten und erweiterten Methode den Vorrang vor allen andern einräumen. Wahrlich, vom Herrn Director Hirsch kann man sagen, dass er ein שותת של הק״ב״ה ist, denn er ist ein משיח אלמימ ״er macht die Stummen reden“. R. Notiz. 1. Zu dem von Dr. Fürst im Litteraturblatte No. 9 angeführten Beispiele ,“)Dp )1 עקרון תעקר bemerke ich, dass aach hier nicht ohne Grund Ekron auf Caesarea gedeutet wird, und zwar wird der Grund unmittelbar daraut gegeben: — שהיא יושבת♦ Liest man חולות, SO kann das nur wie Sabb. 31. heissen : ״sandige Gegenden“, ein Zusatz, der hier ganzz wecklos wäre. Ich vermuthe ״ חילותThaier“, nicht ■בתוך sondern כין was voraussetzt, dass Caesarea höher gelegen und auch מגדל bezeugen soll, indem die Thürme und Burgen auf den höchsten Stellen erbaut wurden, soweit war Caesarae zb dbcpcv, (die Höhe) entsprechend dem Namen Ekron. An dasselbe griechische Wort denkt wohl auch B. Jizchak, aber in der Bedeutung ״das Ausgezeichnete“ שחיאהיתהמטרופלין. Wie sehr der geringste Anklang, gleichviel in welcher grammatischen Form, zur agadischen Deutung ausreicht, zeigt auch hier die Deutung כאלוף ביהודה שעתידין שרי יהודה ללמד. Gebhardt. Verantwortlicher Bedacteur Dr. Bahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.