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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-03-27 · No. 13. (27.3.1884) · p. Seite 52

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 13. (27.3.1884)
Date
1884-03-27
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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welches der Verfasser in die Häuser und Familien, die Anspruch aaf Bildung machen, eingeführt wissen will. Es 8011 die Eenhtniss des jüdischen Alterthums, die so sehr, selten geworden, bei ihnen heimisch machen and die Herzen der Israeliten für ihre Religion erwärmen. Ein würdiges Ziel, werth der Unterstützung aller Edeln. Die Kenntniss des jüdischen Alterthums hat in der That in erschreckender Weise abgenommen, ansern jüdischen Häusern fehlt die Bibel —, und es ist höchste Zeit bei den gegenwärtig auf das Judenthum losstürmenden, feindlichen Gewalten, dass die Juden sich wieder ihrer Geschichte und ihres Berufes bewusst werden. Sehr wahr ist,' was der Verfasser von der Ijeeewelt an die er sich wendet, S. IV, sagt : ״Ueberdies müssen wir uns gestehen, das wir zu verweichlicht sind, 'dass unsere junge, noch bildungsfähige Lesewelt, in erster Linie Unterhaltung sucht und erst in »weiter Linie belehrt sein will .... Das sohönste und lehrreichste Buch, das Buch der Bücher, die Bibel, bleibt für sie ganz werthlos?“ Weiter S. V hören wir von der Art der Bearbeitung. ״ In Ver- | folgung unseres Zieles müssen wir Moses als Menschen, j ganz in seiner erhabenen menschlichen Natur zu wür- ן digen wissen. Wir müssen den Staub der Scholastik ... Aufheben, aber׳ auch die triviale oder gemein und I niedrig gesinnte Deutung einer frivolen Zeit von dem Wirken und göttlichen Lehren Moses hinwegschaffen “. Nach dieser Richtung sehen wir den Verf. sich mühsam durch das. Dickicht einer nach Jahrhunderten ■ähleaden Litteratur des betreffenden biblischen Schriftthnms durcharbeiten, um aus derselben das Passendste herbeizuholen. S. 40 bringt er die Ideen und Mei- Sungen der Schriftsteller, des Alterthums und der Tenzeit über den Mosaismus. Was er S. 192 gegen das Herkommen und die Pietätssitte des Eaddischaagens ▼orbringt, gefällt uns nicht. Wir verweisen auf den Artikel ,Eaddisch“ -in der Hamburgerschen Real -Encyclopaedie Abth. H. Degegen verdient das, was er über die biblischen und nachbiblischen Vergeh tangslehren spricht, volle Beachtung. Lesenswerth ist S. 224 die Zusammenstellung und die Auffassung der biblischen und talmudischen Lehren und Aus- 21rüche über die Ehe' und. das Familienleben bei den ten Juden.' Mit Nachdruck machen wir auf die Darstellung der Feindesliebe u. 8. w. (auf S. 227 —230,) aufmerksam; ebenso aafS. 273—281 und S. 305—338, wo über Zins und Wucher im biblischen und naehbiblischen Schriftthum ausführlich gehandelt wird. Wir tadeln nur, dass der Verf. die Autoren und Schriften nicht nennt, denen 80־ manche Idee entliehen ist. Eine gute Monographie bildet das, was über das alte Aegypten zubammenge8teilt ist. Wir scheiden von diesem lehrreichen Buche mit dem Wunsche, dass es eine weite Verbreitung finden möge. r. Zur Recension Ober Wfinwhe’t ■idrmseh-Uebersetzung (No. 9). Die Recension des Herrn Dr, Eroner zu Wünsche’8 Uebersetzung von Wajikra r. veranlasst, mich zu folgenden Bemerkungen: Zunächst ist richtig, dass S. 97 Z. 11 v. 11. ואמרי לה nnübereetzt geblieben, dass Z. 8 v. u. ואלו הן האמורות sich auf ״Seelen“ bezieht, dass einmal ״nicht“ ausgelassen ist, und mehrere derartige Uebereilungen. Da- .gegen liegt in der von Wünsche gegebenen Ueber- ■etzung von ערל auch schon die Bedeutung des Verringerns. Die Uebersetzung ״Holzschuhe“ scheint jedoch mit Unrecht getadelt. Denn Eorban haeda zu Jerusch. Sobabbath VI, 4, woselbst 8011) קודדיקייה heissen: קודדיקיעז) als Uebersetzung von לבסיס gegeben wird, erklärt קודריקייה für מנעול של לץ. Denn עבשים wird• dort desshalb mit ■קודריקייה übersetzt, weil aus den Worten וברנליהם תלכסנה folgt, dass sie mit den Schuhen Geräusch machen. Dies Wort, sowie (mit eingeschobenen Nun) קונדריקק ist das griech. xöOcpvoc, ein Stiefel, der bis in die Mitte des Beines heraufging und mehrere starke Sohlen über einander hatte, von Frauen und Männern getragen werden konnte, insbesondere auf der Jagd: daher der Kothurn die Fussbekleidung der Diana war. Dass sich auch die tragisehen Schauspieler desselben bedienten, um grösser zu erscheinen, ist bekannt. Das Wort קרקיסץ in Echa r. ist das griech. xzpxlvo:, das nach Hesychius eine besondere Art Schuhe bedeutet und zwar xoTXx ÜTto&npaia, wozu die Angabe im Midrasch passt, dass die koketten Jungfrauen Eierschalen mit Balsamöl gefüllt in ihre Schuhe legten und beim Herannahen von jungen Herren durch Zertreten der Eierschalen den Balsamdufi. amtströmen Hessen. Das Wort קרפ^סק endüch ist das griech. xpoöxe^x. Holzschuhe. Für פירק passt Ableitung von a'jppot, nicht; das Wort wird in dem hier gebrauchten Sinn nicht angewendet und ist nur poetisch. Hier verlangt der Zusammenhang die Bedeutung von etwas Ekel Erregendem, aus Ekel hat der Dux solche kokettirende Jungfrauen, denen das begegnet war, vom Wagen geworfen, und mit den Rädern überfahren, i wodurch der Anblick noch abstossender ward. So; sagt auch Raschi zu Jesaja 3, 17, indem er den Midrasch im Sinne hat. ״ והיו נמאסות כליהןsie wurden ihnen 1 zum Ekel.“ Das Wort axpiv (von axipw fegen) heisst nicht nur Besen, sondern auch Kehricht, Unrath. Was nun S. 10 צביתים betrifft, so kann Wünsche für sich die Erklärung von J’de Mosche und die eine Erklärung von Mathn. Keh. anführen, während die Ueber- Setzung Dr. Kroners die andere Erklärung von M. K. gibt. Allein sie sind beide unrichtig: ״ich habe sienicht anschwellen machen, durch Sünden“ ist höchst ungelenk. Ausserdem ist statt nTHTPH לא (ich habe ihnen keine Sorge gemacht) zu lesen ״ לא חרחרתיםich habe sie nicht angefeindet“ (vgl. Gittin 57b בחרחורי לשק für בשוט לשק.) Di®8 entspricht dem הר in חרצבות: Dann muss es statt ולא צביתי' בלונת heissen: ילא ״ אדזרתי את צביונםund ich habe ihr Verlangen nicht verzögert“, so dass die erste Silbe *Tt zweimal gedeutet wird. Dass dem so ist, sieht man aus Raschi zu P8. 73, 4: ״ שאין הק״בה מאחר צביונםdass'Gott ihren Wunsch nicht verzögert“, sondern sogleich erfüllt. Im ersten Theil der Erklärung hält sich Raschi an die Worte Schabbath 31, 6; im zweiten Theil an unseren Midrasch: Dieser muss also heissen: לא חרחדתים בחלאים ולא אחרתי בצביונם• Da« Wort אין חרצבות למותם ■wird zur Deutung benutzt: ich hab“ sie nicht angefeindet, durch (lange) Krankheiten sie sterben zu lassen 4םט ללמותם habe ihre Wünschenicht verzögert.“ Aus Missverständniss hat man dann ולא אחרתי in לא צביתי verändert und בצביונם in בעונות, welches letztere gar keine Berechtigung aus dem Verse hat Fürst. Briefkasten-Notiz der üedaction. Wir glauben unserem gesch. Mitarbeiter, Herrn Rabbiner Dr. Tr eitel in Briesen, den Abdruck des nachfolgenden Kompert’scben Briefchens schuldig zu sein: ״Hochgeehrter Herr Rabbiner! Empfangeu Sie meinen besten, herzlichsten Dank für die so schöne, mich ehrende Besprechung meiner Schriften ans der Feder des Herrn Dr. T r e i t e 1, die tUr mich ein um so beredteres. Relief enthält, als Sie in Ihrem trefflich redigirten ״Litteraturblatt“ enthalten ist. Mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebenster Wien, 20. Februar 1884. Dr. Leop. Kompert.- VeteaLwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdsburg. Druck von D. L. Woltf, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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