Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 11. (13.3.1884)
- Date
- 1884-03-13
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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nicht ״Vers‘•, pg. 85 im 2, Toss&pt heisst es nicht ^11 Priester“, sondern 11״ Personen“, pg. 86 ״wenn es ein Kind unter 10 Jahren ist“ heisst es nicht, sondern;,unter 13 Jahren“, pg. 87 אבנתא דליבא heisst nach Schoenhak, Maschbir, ״Kammern (w. Baulichkeiten) des Herzens“. Ib. אבוקה heisst ״Fackel“, nicht ״Laterne“. Ib. £8״ darf auch nicht duchenen“. Versteht wohl ein des Talmuds Unkundiger und Andersrbender diesen Ausdruck? pg. 92 steht ״Festtag“ ״Fasttag“ (Drnckfehler). pg. 95 ״ein Almemor“, versteht der unkundige Andersglaubende diesen Ausdruck? pg. 97 פרשא דמתא heisst ״Beiter des Ortes“, nicht ״Pferd“, pg. 100 im 2. Tossafot steht ״sondern auch ein Lamdan“, Lamdan ist doch keine Uebertragung in’s Deutsche und der des Talmuds unkundige Andersglaubende wird dieses Wort schwerlich verstehen, pg. 101 ",עומד על םדות heisst nach Raschi hier ״rachsüchtig“ und nicht ״eigensinnig“. Ib. ״ כוחיNichtjude“ ist ungenau übersetzt, pg. 104 ׳חיייצי I heisst nicht ״begleiten“, sondern ״Spalier bilden“, pg. 112 steht ״ Herablassenheit “ (nndeutsch) für ״Herablassung“, pg. 115 das schwierige לוחות in Gemara und Tosafot ist nicht richtig übertragen. Vgl. Näheres foL 32 a z. 8t. 8.v.לוחות pg. 116; בת קול ist nach Tossafot Synhedr. foL 11 » nicht eine ״Himmelsstimme“, sondern ״das Echo“, die Tochter der Stimme, d. h. jene Stimme, die eine mächtigere Stimme hervorgebracht. Das ist das Wesentlichste, das uns bei der eingehenden Yergleichung mit dem Texte auigefailen. Es ist nach Qualität und Quantität gemessen nicht belangreich in Anbetracht der namhaften Schwierigkeiten, die speciell bei einer Talmudübersetzung zu überwinden sind. Jedenfalls überwiegen die Vorzüge dieser Uebertragung bei weitem deren Mängel. Wir stehen nicht an, dem Ueberaet zer unsere volle Anerkennung auszuspre chen für das, was er in seinem ״ersten Versuche “'erfolgreich geleistet. Möge auch der moralische und materielle Erfolg diesem Versuche nicht fehlen! Sohrau O.S. Dr. Immanuel Deutsch. Der unsterbliche Mensch. Eine materialistische Dichtung in 5 Gesängen. (Frei nach einer Sage über Uoses Maimonides.) Von Ernst Wechsler. Wien 1884. Verlag von Carl Konegen. Der Inhalt dieser materialistischen oder besser realistischen Dichtung ist in Kürze folgender: Ein sich mit ׳Begeisterung dem grossen Denker Maimonides hingebender Jüngling, der in intimen Beziehungen zu M.’s Tochter steht, wird von dem Meister zum Gegen- Btand des Problems ersehen, den Leichnam eines zerstückelten Menschen zu neuem Leben zu erwecken. ״Und leben wird der Mensch, den Du getödtet“, legt der Dichter dem Maimonides in den Mund. Nachdem dann M. über diese ruchlose That lange Zeit reuigen Gemüths umhergeirrt, findet er Sühne und die Reinheit und Lauterkeit seines Wesens wieder. — Das Sujet dieser Dichtung hat uns nichts weniger als angenehm berührt, abgesehen von der lügenhaften Blutbeschuldignng, die jetzt bei den crassen Antisemiten im Schwange ist. Dann steht der verworrene Gedankenflug des Dichters in einem zu schneidigen Gegensatz zu der klaren Denkweise des grossen Maimonides. Überdies ist die Farbenmalerei an einigen Stellen dermassen realistischer Natur, dass man schon vom aesthetischen Standpunkte aus die Empfehlung des Buches unterlassen muss. Auch scheint der Dichter in das jüdische Schriftthum nicht sonderlich eingeweiht zu sein, wir merken das Seite 107: ״Im Bet- und Lehrhaus Medresch fahren auf die Jünger aus dem traumesschweren Schlaf“, als ob Medresch ein nomen proprium wäre. Bei dem unstreitig vorhandenen Formtalent des jungen Dichters wäre ihm jedenfalls zu rathen, andere Stoffe dichterisch au verarbeiten. M. Sp. Notiz. 1. Auf die Einwendung des Herrn Dr. Xroner-Brandenburg habe ich zu bemerken, dass seine Erklärung der Worte קרתא חדתא וכר aus hermeneutischen, wie aus textkritischen Gründen unhaltbar ist. Hermeneutischer Grundsatz ist, dass man die Wörter nach ihrer einfachen, allgemein gebräuchlichen Bedeutung übersetzt, nicht aber nach einer seltenen, mit vieler Gelehrsamkeit erst gesuchten Bedeutung. Auf den ersten Blick ist קרתא חדתא im Aramäischen dasselbe, was im Hebräischen ,קר״ה חדשד und in dieser Bedeutung war dem Publikum, welchem der Aggadist seine Erklärung vorgetragen, קרתא חדתא heim ersten Anhören gleich verständlich. Nacn Herrn Dr. Kr. soll aber חדתא in der Bedeutung, wie er es nimmt, analog einem äna% Xef6{1ev0v sein. Werden einfache, ungelehrte Zuhörer daran denken können, dass der Aggadist ihnen dieses sonst in dieser Bedeut. -g vorkommende Wort jetzt erst in dieser Bedeutung vortrageiP'fc'olIte? Werden sie sich gleich beim Anhören erinnern, dass an manchen Stellen der Bibel אחד neben der eigentlichen Bedeutung nach dem aggadischen Grundsätze מ״ט פנים לתורה aut als, מיוחד (z. b. דמיחד בעמא oder!איל אחד שאק במוחו מדר) gedeutet wird? Werden sie, wenn sie sich hieran auch erinnern, daraus auch folgern, dass חד auch in der Umgangsprache oder in der nüchternen Interpretation nicht die Bedeutung ״Einer“ habe, sondern ״ausgezeichnet“ bedeute? Zu dem ist ja קרתא חדתא gar nicht die Uebersetzung von קריה נאמנה, sondern nach Herrn Dr. Kr. wäre קרתא מרביתא die Uebersetzung der Textworte. Und sollte es ein Beisatz sein, der übrigens Nichts erklärt, warum steht es vor der eigentlichen Uebersetzung von 'ק' נ, vor קרתא מרביתא? Wenn in der Umgangssprache אחד wirklich ״ausgezeichnet“ bedeutet, warum sagt der Aggadist in Bemidb. r. 13 איל אחד שלא היה בעדרו כמוהו nnd sagt nicht lieber איל אחד אחד בעדרו mach der Regei לעולם ״שנה אדם לתלמידו די־ך קצרה einen Widder, d. h. den einzigen', ausgezeichneten in seiner Heerde? Antwort: Weil es Niemand so verstanden hätte. Also konnte in einer Erklärung, die sich Deutlichkeit zur Aufgabe machen muss, Niemand קריה נאמנה mit קרתא חד״תא ״eine ausgezeichnete Stadt“ erklären. Was die Textkritik betrifft, so ist eine Hauptregel. dass die schwierige Lesart der leichteren vorzuziehen ist, weil jene wegen ihrer Schwierigkeit von den Erklärem oder Abschreibern gewöhnlich in eine leichtere umgeändert wird. Wenn das Wort מברכתא den Zeitgenossen des Aggadisten auch bekannt und geläufiger war als Name, den die Samaritaner der Stadt Sichern gegeben, im Laufe der Zeiten, wo man die Verhältnisse nicht mehr kannte, ward dieses Wort nicht mehr verstanden, daher die Aenderung. War aber מרביתא die ursprüngliche Lesung, so war ja kein Grund, dies leichtverständliche, bekannte Wort mit einem schwierigem zu vertauschen. Dies nebst dem grammatischen Grunde, dass ein Niphal niemals Hiphilbedeutung erlangen kann, verbieten die Lesart מרביתא anzunehmen. Herr Dr. Kr. bemerkt noch, ich hätte mit keiner Silbe bewiesen, dass die Worte des R. Pinchas gar keinen Bezug zu dem Vorhergehenden haben. Ich könnte ihm wohl erwidern, dass vielmehr ihm die Beweislast obliege für den Zusammenhang mit dem Vorhergehenden. Denn wer eine positive Behauptung aufstellt, hat sie zu beweisen, nicht wer den Zusammenhang bestreitet, bis der Beweis dafür geliefert ist. Allein der Grund, warum ich den Beweis für meine Bestreitung des Zusammenhanges mit keiner Silbe geliefert, war der, weil der Beweis so offenkundig ist, dass er sich Jedem von selbst bietet. Wenn wirklich das Wort des R. Pinchas die Begründung des Vorhergehenden wäre, so müsste doch דאמר ר, פנחס stehen. Da es aber blos אמר ר' פנחס heisst, so ist zu ersehen, dass dies Letztere ganz unabhängig vom Vorigen ist, und nicht die Begründung des Vorigen enthält. In der That אין הדברים יוצאים מדי פשוטן und — zu scharf schneidet nicht, zu scharfsinnig trifft nicht.*) Fürst.**) *) Die verehrliche Redaction — die uns auf unsera Wunsch No. XVH unserer Coli, zur Correctur zusandte, neben denen auch obige ״Notiz“ abgedruckt waren — wolle entschuldigen, wenn wir zur Vermeidung von Weiterungen hier gleich bemerken, dass wir Herrn Dr. Fürst nur aufqu. No. unserer Coli, verweisen. Dr. Kroner-Brandenhurg. **) Nachdem wir Herrn Dr. Kroner Gelegenheit gegeben, die Fürst'schen Einwendungen in dieser No. (8. o. Collect XVII) zu widerlegen, halten wir diese Angelegenheit für erledigt. (R) Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck ▼on D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.