Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 11. (13.3.1884)
- Date
- 1884-03-13
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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S. 21 wird eine Agadastelle ans Baba Bathra 58*) angeführt and lächerlich gemacht. Die allegorische Enählung will nämlich den Satz belegen: ״Schamhaftigkeit ist eine Tagend, welche nar durch den bösen Trieb der Lust hervorgerafen ist. Im Leben nach dem Tode ist für die Schamhaftigkeit keine Stelle.“ Nachdem der diesen offenkundigen Sinn natärlieh nicht erkennende Lehrer Rohling’s gar stolz auf die dämm unflätigen Rabbinen hinantergeschimpft hat, fahrt er fort: ״Ferner erzählt an dieser Stelle der Talmud“ — (dass Elia der Höhle Machpelah seinen Besuch abstattete u. s. £.). — An dieser Stelle aber steht kein Wort davon! S. 25 erzählt der Judenspiegel ״eine Schnarre“, d. h. eine Münchhausiade des in diesem Genre leistungsfähigen Bäbba bar bar Ghana, der mit masslosen Uebertreibungen (vielleicht sind’s Satyren gegen Andere!) die Grösse der göttlichen Schöpfung schildert. Ihn haben seine Mitlebenden mit dem wenig schmeichelhaften Worte bedacht: ״Jeder Abba ist ein Esel u^d Bar Chana ganz ein Narr!“ Im Talmud Baba Bathra 74a'heisst es kurz: ״(der Araber) sagte mir, der Himmelskreis dreht sich rum. Warte bis Morgen um diese Zeit und Da wirst es finden. “ Dazu ist bei Justus folgendes hinzugefügt, was im Talmud nicht steht: ״Und der Rabbi versichert auf Ehrenwort und 80 wahr er ein Rabbi sei, dass am folgenden Tage der Himmel!,praecis zu der Stunde, in welcher er gestern die Sachen hineingelegt habe, mit seinem Gepäck' angelaufen gekommen sei. Er (der Rabbi) habe gleich das Loch erblickt, worin sein Bündel gelegen, habe seine Hand ausgestreckt, sich' sein Bündel genommen und sei von dannen gegangen.“ Hat Justus den Talmud vor sich gehabt, als er dieses, das im Talmud nicht steht, ausgeschrieben hat? Nein! — Sollte er ihn doch gelesen haben, so hat er dies hinzugedichtet!**) Wie wir uns drehen nnd wenden, wir stossen auf Lügen! Der getaufte Jude ist so furchtbar verlogen, dass er Professor an einer gewissen Universität sein dürfte! Ja, es klingt, wie eine Art Selbstbekenntniss, wenn der Mensch mit grauenhafter Keckheit und Bosheit den Satz (S. 24) leistet: ״Von den Rabbinern hat das jüdische Volk ״das leichtfertige Schwören gelernt und wenn ״demnach auch heutzutage die Juden so leicht- ״fertig mit dem Schwören umgehen, bei Gott ״und allen Heiligthümem ihre Aussagen be- ״teuem, so haben sie das von den Rabbinern ״geerbt.“. Der Mensch, der uns so viel vorlügt, schliesst von sich auf Andere. Er hat nur das Eine nicht beachtet, dass Seinesgleichen die Ueberzeugung und die Religion, wie einen Strumpf (denn von Hand- *) Seite a; mm kann mit blosser Angabe des Blattes den Talmud nicht citiren; denn aaf einem solchen Folioblatte steht viel. Justas ist aber unwissend genug, auch die Tossaphot ohne Angabe des Stichwortes anzuführen. Da muss man so felehrt sein, wie Justus nnd Rohling nebst Consorten — oder en Eisenmenger äusschreiben, nm die Stellen zu finden. **) S. 26 schimpft der Judenspiegel in grauenhafter Weise über die Mischna — aber Nichts von Allem, was er als angebliehen Beweis dafür oder gelegentlich citirt, ist der Mischna, sondern Alles der Gemara entnommen, wenn es wirklich überhaupt dort steht. Dass Justus den Talmud nicht aufgeschlagen hat, ist auch dadurch bewiesen, dass er sich manch’ saftigen Braten — seinem Geschmacke nach — hat entgehen lassen. So führt er Gesetz I nicht an, dass ein mit Zizith versehenes Gewand dem Ahnm nicht verkauft werden 9011, weil man befürchtet, dass dieser es einer Buhlerin geben möchte. Freilich da« steht Menachot 43a und nicht im Schulchan Aruch, auch nicht am Bande desselben! Die im Gesetz 3. citirte Tossäphotstelle Pessachim 85,6,8. v. Wehen, erwähnt Akum nicht einmal, sondern erörtert nar, ob der Aussenstehende mit zur Zehn zahl der Betenden gerechnet werden soll. schuhen kann man bei solcher Gesellschaft doch nicht sprechen) wechselt — dass man solche Lügner und leichthin Schwörende unter gläubigen Juden nicht trifft. Weder Yerständniss für geschichtliche Ent- Wickelung, noch eine Ahnung von dem Schönen, das sich in den talmudischen Allegorieen (wie: vom Tode, dem das Messer genommen wird) birgt, hat der Verf. des Judenspiegels. _ (Forts, folgt.) Collectanea. Von Dr. Kroner, Babb. in Brandenburg a. d. H. xvn.*) Die häufige Verwendung der Lautähnlichkeit zu agadischen Zwecken. Unter Bezugnahme auf unsere Notiz in No. 7 sub lb. bitten wir zuvörderst, statt: ״auch dieser Form“ zu lesen: auch der passiven Bedeutung dieser Form — und erlauben uns sodann eine kleine Erweiterung jener Notiz: Herr Dr. Fürst-Mannheim betont wiederholt die passive Bedeutung des נאמן, obgleich auch dieser, wie wir bereits constatirt, unsere Emendation gerecht wird, und meint, נאמן könne nicht wie אמ1ן oder אומן erklärt werden. Darauf erwidern wir ausser der bereits constatirten Thatsache: a. Die Passivform נאמן treu schliesst, gleichwie manches andere Niphal active Bedeutung hat, auch eine Thätigkeit in sich. נאמן ist derjenige, der Treue bethätigt. Zu vergleichen ist נאנח seufzen, נקרה begegnen, מור zurückweichen, נשמע gehorchen, נהלך dahinschwinden u. a. sowie das lat. und griech. Deponens. Auch Jerusalem bethätigte seine Treue durch Erziehung zur Gotteserkenntniss und Frömmigkeit und so kann die Pesikta mit logischem und grammatischem Fug und Recht נאמן durch das active פדגוג erklären. b. Die Pesikta aber hat die active Bedeutung des נאמן gar nicht zu urgiren. Die Form אמון (Erzieher, Erziehungskünstler) nehmen bedeutendeForscher gleich אמן und dem chald. אומן, das eigentlich geübt, geschickt, dann Künstler heisst. Auch Kimchi und Jbn Koreisch neigen sich dieser Ansicht zu. c. Doch weder die active noch die passive Form oder Bedeutung, sondern allein die Lautähnlichkeft veranlasst häufig die Aggadisten zu ihrer Exegese. Genes, r. Anf. wird daher אמון durch active und passive Ausdrücke erklärt. Wir begreifen nicht, wie Herr F. schon dies übersehen konnte. Dort heisst es nämlich: אמק פדנוג. אמץ מכוסה, אמון מוצנע, ואית דאמר אמון רבתא. דבר אחרזאמון אומן. Wählen wir aus der Legion verwandter Beispiele nur noch einige! Sabb. 63a: שני ת״ח הנוחין וה לזה כהלכה הבי׳ה מקשיב להם שני אז נדברו יראי ד־ וכי אץ דבור אלא נחת שנ׳ ידבר עמים תחתנו. Das. 118b: כל המשמר שבת וב׳ מוחל ין ל ו שני אשרי אנוש וב׳ מחללו א״ת מחללו אלא מחול לו. Jbid. 119b: כל העונה אמן וכי קורעים! לו גזר דינו שג׳ בפרוע פרעות בישראל כתיב הכא בפרוע פרעות וכתיב התם'כי פרוע הוא. *) In XVI. unserer Collect., No. 10, S. 38b, Z. 3 v. o. muss es statt: verdienen — au ch verdienen etc. heissen.— Anlässlich einiger, von gesch. Seite uns brieflich zugegangener Bemerkungen über qu. No. XVI führen wir den bezüglichen Passus aus der Vorrede des Herrn Dr. Müller im Original an: ' והנה הרב שי״ר בהקדמה לתשר נאונים קדמו אמר שהיא מלה ערבית וקשה עלי הדבר אחרי שמצאתי המלה בראשונה בתשוב׳ ר״ג ולא בתשר הנאד לק אחשוב שהיא מלה .Kr צרפית מן הלשון שדברו בימים ההם .mire-äer