Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 10. (6.3.1884)
- Date
- 1884-03-06
- Page
- Seite 40 (sequence 4)
- Language
- German
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Moralisten, noch weniger zu der Sorte ▼on ״Frommen im Lande“, die schon durch ihr Augen verdrehen den Charakter der Heiligkeit offenbaren wollen und jedem Scherze und jeder heiteren Laune feind sind, aber wir wollen doch streng scheiden zwischen dem, was uns durch den tiefen Ernst und die Wörde seines ganzen Wesens stets ehrwürdig erscheinen muss und dem, was Scherz und Laune vertragen kann und vielleicht auch im Mummenscherz ausarten darf, wie dieses bei Purim der Fall. Niemals aber darf Hochheiliges und Tiefernstes, wie unsere feste Rausch-ha- Schono und J&nm ha-Kippnrim, in der plumpen Weise — ich will sagen — prolanisirt werden, wie dieses der Verfasser obigen Aimanach’s gethan hat. Offen gestanden, wir glaubten, bevor wir uns das Titelblatt näher angesehen, ein antisemitisches Op ns vor uns zu haben. Und nun gar die Verse, die der Dichterling verbrochen, die nicht einen gesunden Witz — von einem geistreichen Einfall ganz abgesehen — enthalten! Oder soll der Leser etwa über die holprigen Verse lachen, die nicht das Papier, geschweige des Druckes werth sind? Wer Gefallen an geschmacklosen Tri7ialitäten findet, der greife zu obigem Büchlein. •M. Sp. Worte der Erinnerung an Seine Eminenz, den in Gott ruhenden Erzbischof Dimitri. Gesprochen in der 'grossen Synagoge zu Odessa vom Stadtrabbiner Dr. Schwabacher. (Der Beinertrag ist zur Errichtung eines dem Andenken des Geschiedenen gewidmeten Waisen- Stipendiums bestimmt.) Wir haben in der ״Wochenschrift“ über die herzerhebende Feier berichtet, deren Mittelpunkt diese Predigt gebildet hat — und so ist es die Fixirung eines Actes der Dankbarkeit im Gedächtnisse der Mit- und Nachwelt, zugleich eine Förderung eines weiteren Ausdruckes desselben Dankgefühles, dass diese Bede veröffentlicht worden ist Allein sie ist leider auch ein historisdes Actenstück durch ihren weiten Inhalt, durch ihre Form. Der hochgebildete, tactvolle Bedner ist gezwungen, den Augenblick, wo er dem Einen aus vollem Herzen seine Milde und Menschenliebe dankt, zu benutzen, um den Vielen ihre Rohheit und ihren Hass vor Augen zu stellen. Die Dankrede wird zur Anklageschrift, die Lobrede zur Vertheidigung der Juden und des Judenthums. Dadurch erklärt sich’s auch, dass wir Ausdrücke und Wendungen darin finden, die mehr in den Gerichtssaal, als auf die Kanzel passen. Aber gerade dadurch giebt diese Schrift ihren Lesern ein Zeitbild, wie es wahrer und treuer selten gefunden werden kann. ' Catalog der ebräischen Handschriften der kgl. Bibliothek in Modena von S. Jona, Oberrabbiner zu Modena, aus dem Italienischen in’8 Deutsche übertragen und mit Anmerkungen versehen von Dr. M. Grünwald, Bezirksrabbiner in Beiovar, nebst einem Nachtrage von S. J. Halberstamm inBielitz. — Verlag von Dr. M. Grünwald, jetzt Rabbiner in Pisek (Böhmen). 1883. 23 S. Preis 60 Kr. Wir sehen von dem italienisch und deutsch gegebenen Dankbriefe des it&l. Ministeriums ab und sehen uns die Beschreibung der 36 Handschriften an, welche oft sehr ausführlich ist. Besonders genau beschrieben ist Cod. 32 Or Jakar von Cordovero, welches kabbalistische Werk 16 Bände mit 11268 Folioseiten in Grossfonnat und mit kleinen Buchstaben enthält. Die Handschrift ist nicht, wie gemeint worden ist, ein Autograph des Verfassers, sondern von mindestens 3—4 z. Th. später lebenden Copisten geschrieben. 1 oder 2 Bände könnten Autographe sein. Manches Interessante dürfte auch Codex fi, ein Sefer Hakabbala 1397 geschrieben und allem Anschein nach ein aggadischer Commentar zum Pentateuch, enthalten. Von biblischen Commentaren ist noch der des Josef Kara zu Neviim Acharonim in Cod. 22 vorhanden. Auch die 13 Bibelmanu8cripte (Ganze oder Theile) mögen noch Interessanteres, als die Malereien bieten, von denen auch diese in Cod. 26 durch ihr Alter (von 1256) beachtenswerth ist. In 26 und 29 sind Esra und Nehemija als ein Buch behandelt. Von Maimonides findet sich das Sefer haprokim von Nathan hathati übersetzt (30) und Seder Noschim, Kduscha und Haphlooh aus dem Jad. in 73. Nennen wir noch das unvollständige Sefer haschorosohim von Kimchi (78) und ein Midraschbrucbstück«>H1 äson Miscellanea enthaltenden Cod. 58, so dürften wir das Bedeutendste hervorgehoben haben. Gebetbücher, Machsorim (darüber Cod. 80 vor 1385) sind 7 Nummern. Spas8haftes bietet Codex XT1T, Sefer Jeshod Olam, 1310 Rabbenu Ascher gewidmet von Jizchak ben Josef, dessen Anhang die Gemeinde Toledo in Schutz nimmt, welcher 1334 nachgesagt worden ist. dass sie an den beiden ersten Pessachtagen keine Mazzoth gegessen habe. Schade ist, dass die Fehler nicht sofort verbessert, sondern stets durch Nachträge und Anmerkungen erst recht an’s Licht gestellt werden. L. Notizen. gyar-2 1. Das Februarhaft des ״Magyar-Zsido Szemle“ — Ung Jüd. Revue, herausg. von W. Bacher und J Bänoczi — enthält folgende Beiträge: A. Hochmuth, Judenthum und Christenthum in den ersten zwei Jahrhunderten (Schlussartikel). J. Goldzih.er, Die biblische Wissenschaft und das moderne religiöse Leben. A. Kohut, Mitatiön-Mithra. J. Löw, Besprechung einer neuen ung. Psalmübersetzung. Jüdische Katechismen, chronologisch geordnete Liste von 156 Lehrbüchern der jäd. Religion. Litterarische Miscellen. Vier Psalmen, metrisch übersetzt. L. Kaufmann, Vom jüd. Katechismus, lieber unsere Autonomie. L. Palsczy, Der Zustand der Bildung in Ungarn, mit besonderer Rücksicht auf die Juden (zweiter Artikel). Ausser diesem Inhalt der ersten drei Rupriken (Wissenschaft, Litteratur, Gesellschaft) bietet dieses 80 Seiten] starke Heft auch in seinen weiteren Rubriken viel Interessantes! u. A einen Brief des Grafen Stephan Szöchenyi an diel Pester Gemeinde aus dem Jahre 1847. I 2. Demnächst wird in Paris, von der Alliance subventionirü das ספר השלמה (auf den Rif zu Nesikin) zum ersten Malel edirt werden. Der Verfasser ist Rabbenu Meschullam voal Lunel (Enkel des R. Meschullam des Aelteren). Sein QnkeJ der ״Rösch von Lunel“ lebte circa 1240. Der Inhalt des Buche■! ist nach der Weise des Alfasi, kurzer Auszug des Talmud-I Abschnittes und der Endentscheidung — auch alle die Diniml die der Rif fortgelassen, bringt er; beantwortet auch öfters di■ Angriffe des R. Serachja halevi — manchmal erhebt er selbst Einwendungen gegen die Ansicht des Alfasi. So er nicht■ Neues vorzubringen hat, lässt er den Abschnitt ganz fort, wi■ er denn sich der grössten Kürze befleissigt. Er nennt: den Gao■ R. Jizchak, Rabbenu Chananel, Rabbenu Nissim, die Scheeltot des R. Achai und die andern Gaonim, Alfasi, Raschi, Rabbenal Chananel, Raschbam, Rambam (den er als Sefer Haflooii anführt) Rabed, seine Vorfahren und Verwandten u. 8. wi Das Manuscript ist sehr alt — ein Verkaufsbrief desselben datidl von 1376 —doch ist es nicht das Handmanuscript des Verfasser■ (öfters ist dieselbe Zeile doppelt geschrieben, was doch nu■ einem Abschreiber passirt) Das Manuscript stammt aus de■ Bibliothek des Baron Günzburg. Der Herausgeber ist de■ Rabbiner der polnischen Gemeinde, Herr Jehuda Libezky, de■ auch einen Commentar beigegeben hat. I Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L, Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig•