Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 10. (6.3.1884)
- Date
- 1884-03-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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jt. L jpn N1״•* Jüdisches — Litteratnr-Blatt Zar Beltithtasg aller Jadenthasi and Jaden betreffende■ Jitterarisrfce» Er* Mbelnaajreti aaf dem Gebiete der Philo» •ophle, Geschichte, Ethnographie, Theo» logle, Orientalin, Exegeae, Homiletik. Mtargik, Pädagogik. Herausgegeben roo Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 01ta<j3e£w׳Kj, 6. 0TLä1^& 1884. Bicher der eUKhIigign LitWr.t.r, welch, der Bedutlo■ x.geuadt werde■, hite in dieeem Blntte eingehende Beepreehnng. Bel Bineendnng ron nwei Beceniiene- Exen.pl.ren erfolgt einHnlige knrne Grntie-lnecrti.n. Das ,^fldische Litteratnr-Blatt« erscheüajt wöchentlich in einem halben BogenJ^PreLs hei allen Bachhandlangen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Hark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten nnd Buchhandlungen 8 Hark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt■* gratis. — Inserate werden mit U Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 11 Hark, berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes zn senden. DH׳ Buchhändler, welche direct oder durch;Robert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten '25 yi Rabatt. 9־! -1- Inhalt: Wissensch aftliehe Aufsätze: Ein Specimen antisemitischer Wissenschaftlichkeit. Von Rabbiner Dr. Kroner, Brandenbürg a. d. H. — Collectanea. — Von Rabbiner |Dr. Kroner, Brandenburg a. d. H.! Litteraturberichte: Joel, Rabbiner Dr. M., Blicke in die Religionsgeschichte. (Schluss.) — Rawicz,j D. M. Der Traktat Megilla nebst Tosafat (?) vollständig j in’s Deutsche übertragen. — Purim-Almanach. — Worte aer Erinnerung an Seine Eminenz den in Oott iahenden Erzbischof Dimitri. — Catalog der hebräisen Handschriften der königl. Bibliothek zu Modena. Von S. Jona, Oberrabbiner zu Modena. Notizen.! Ein Specimen antisemitischer Wissenschaftlichkeit. Motto: Ihnen die Wahrheit j zu gestehen, ich bin kein Freund allgemeiner , Urtheile über ganze Völker. — Sie werden meine Freiheit nicht übel nehmen. — Ich sollte glauben, dass es unter allen Nationen gute und böse Seelen geben könnte. Lessing, die Juden, Schluss des 0. Anftr. Wissenschaftliche Falschmünzerei isf allerdings keine Novität; die ungestüme, blinde, plumpe Leidenschaft jedoch, mit der unsere Antisemiten sqlche Falschmünzerei treiben, darf den Ruhm der Neuheit — 8i qua est ea gloria — beanspruchen. Wir!veranschauliehen heut diese Leidenschaft au der antisemitischen Behandlung des Ausdrucks מערופיא, welcher, wie wir in der folgenden No. XVI. unserer Collept. darthun, zuerst und mehrmals von R. Gerschom; ben Jehuda gebraucht wurde und zweifellos nichts; anderes als ein Privileg zum Erwerbsbetrieb bedeutet. Nun aber liest der von Unwissenheit strotzende Dr. Justus im ״Judenspiegel“ das Wort Magerupia und erklärt es durch schinden, fortgesetzt betrügen, nicht aus den Klauen lassen! Hiernach hätte also ein Mann von der unbestrittenen hehren Sittengrösse eines R. Gerschom gar dem )Betrug Vorschub geleistet! Welchen Grund führt , denn Herr Justus für seine Auffassung an? Nun, was bedarf es eines (Grundes! Stat pro ratione voluntas: Herr Justus will Magerupia lesen und er will —j■ ״betrügen“ übersetzen, und das genügt. Es ist ״ dies derselbe Justus, der durch sich selbst und durch!Herrn Prof. Dr. Delitzsch’s ״Schachmatt“ eine wenigj beneidenswerthe Unsterblichkeit erlangt hat; es ist dies aber auch derselbe Justus, den im Jüdenspiegej-Process zu Münster ein dortiger Universitätslehrer vjöllig rein zu waschen sich bemühte; derselbe Justus, jan dem der Herr Prof. E. Nestle in Ulm, der tendenziös-kritische Rhadamanthus, — nach dem berüchtigten Schluss seiner Beurtheilung des Herzfeld’schen Buches (8* No. 7 d. Bl. 1. Art. und No. 8 die ״Berichtigende Notiz“) und Anderm zu urtheilen — seine Herzensfreude hat. Diese Freude . müssen wir zu unserm Bedauern Herrn Nestle trüben, da wir nicht umhin können, folgende Fragen an ihn zu richten: Ist jenes - unqualifizierbare ״betrügen“ etwa auch ״semitische Unverfrorenheit?“ — Kennt Herr Nestle die Broschüre ״Luther gegen Luther“, die wie der ״Judenspiegel“ , im Verlag der Bonifaoius-Druckerei (1882) erschienen ist? Konnte er sie lesen — sei er Protestant oder Katholik —, ohne tiefen Ekel vor dem darin sich kundgebenden geistigen und sittlichen Miasma zu empfinden? Ist dieses Schandbüchlein auch ein Erzeugniss ״semitischer Selbstüberhebung“? — Kennt Herr Nestle das mit Genehmigung der geistlichen Oberen 1875 erschienene Buch Rohling’s über den ״Antichrist“? Konnte er es lesen, ohne tiefen Abscheu vor der darin gewagten Beurtheilung des Protestantismus zu fühlen, die ohne dringende ,NothWendigkeit zu wiederholen schon der.litterarische Anstand verbietet? Ist dieses Schand- und Schundbuch, dieses ״elendeste Zeug“ auch ״von. der semitischen Unverfrorenheit grossartig auf den Büchermarkt geworfen“, ja ״weit verbreitet“ worden? — Kennt Herr Nestle einen vier-k füssigen Speisvogel aus der Bibel? Höchstwahrscheinlich! nicht. Auch wir und alle andern ״Semiten“ hatten nie' etwas von einem solchen Naturwunder vernommen. Siehe, da bot. im Jahre des Heils nichtsemitischer Wissenschaftlichkeit, anno 1881 — ein ״von Osten ' ( kommender jüdischer Jüngling?“ — nein, ein prote- 4 stantisch ״arischer“ Gelehrter auf dem litterarischen Markt dies Wunder feil und zwar in dem ״arischen* Buche mit dem ״grossartigen“ Titel ״Grundzüge einer y vemunftgemässen Auffassung des Chnstenthums “. — Doch, wann würden wir zu Ende kommen, wollten wir nur das ״elende Zeug“ aufführen, mit dem ״Arier“ ״ in neuerer Zeit den Büchermarkt unsicher gemacht haben. Eine nicht allzukleine Blumenlese solchen ״Zeugs“ findet Herr Nestle in unserer Schrift: Der vierfüssige Speisvogel und die zweifüssigen Spassvögel“. (Löbau, We8tpreussen, Skrzeczek’s Verlag.) Diese Blumenlese müsste Herrn Nestle die Schamröthe in’s - Gesicht treiben, wenn er dort' constatirt sieht, was' die holden ״arischen“ Geschwister Fanatismus (gegen Juden, resp. Katholiken und bezw. Protestanten) und Ignoranz der Wissenschaft bieten, und wenn er dies mit dem qu. Recensionsschluss zusammenhält. Uebrigens möchten wir den Herren Nestle und Justus bemerken, dass wir ihnen ihre Herzensfreude