Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 8. (21.2.1884)
- Date
- 1884-02-21
- Page
- Seite 32 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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j&&&fP׳ 32 — * ע ע iip Gegensatz zu den. Evangelien belastet der Talmud das Judenthum in Bezug auf die Justifioirung Jesu. Hat dieses Räfchael keine Lösung? In Folge des' Irrthnms — dargelegt von Derenburg und Joel — dass man Ben-Satda (Tosephta Synh. X, 11; j. T. VH, 16; b. T. Sabb. 104 b) mit Jesus identificirte (b. T. Synh 67 a) ist auf Jesus Alles übertragen worden, was von Ben-Satda berichtet wird: Das gleiche Motiv der Verartheilung, die Justificirung durch das jüdische Gericht, gleichwie Jesus nach talmudischer Erzählung seine Schule in Aegypten durohmacht*), ganz im Einklänge mit dem Bericht über Ben-Satda, dass er die Zauberei aus Aegypten gebracht hat, jToeephta Sabb. XI, b; j. T XII, 4; b. T. 104 b). Was zweifellos nicht stattgefunden hat — die Evangelien bürgen dafür in vollster Uebereinstimmung, dass die Hinrichtung von Pilatus ansgegangen — wird auf jüdische Rechnung gestellt; und das ist nicht selten der Fluch des Irrthums, dass er fortzeugend die verhängnisvollsten Irrthümer nach sich zieht. Durch den Irrthum, Ben-Satda mit Jesas zu identificiren, geräth der Talmud noch obendrein mit sich selber in Widerspruch, denn nach talmudischer Nachricht (Sabb. 15 a) — auch anderweitig bestätigt — war dem Synhedrion 40 Jahre vor der Tempelzerstörung das jus gladii entzogen, wonach jedenfalls Justificirung jüdischerseits ausgeschlossen ist. Das wären die Folgen des schweren Irrthums, wo liegt aber dessen Ursache? Ich glaube, dass es nicht schwer ist, diese zu finden. Den Talmudlehrem späterer Zeit — denn es unterliegt keinem Zweifel, dass sämmtliche Angaben bis auf einen Punkt, den wir besonders erörtern werden, aus sehr später Zeit stammen — erschien es höchst auffallend, dass in den halachischen und agadischen Quellen keine urkundliehe Aufzeichnung über Jesus anzutreffen ist. Nun fand man einen ungewöhnlich klingenden Namen, dessen Träger als ״Mesith“ (Verführer) hingerichtet wurde, und man konnte der Annahme nicht widerstehen, in Ben-Satda Jesus entdeckt zu haben. So wurde dann die Urgeschichte des Christenthums aus den Berichten über Ben-Satda herausgelesen,**) da es an einer sichern Ueberlieferung gebrach, die sich dieser Construction geschichtlicher Thatsachen entgegengestellt hätte. Es sei• nur noch erwähnt, bevor wir in der Erörterung der angeführten Stellen fortfahren, dass die Schwierigkeit, die Joel bezüglich der von den Evangelien angenommenen ״ Gotteslästerung (Giddnf) aufwirft (8.65) dass ja nach der ausdrücklichen Bestimmung der Mischnah (Synh. VII,:) Giddnf buchstäblich zu nehmen sei, was doch sicherlich im Process Jesu nicht vorfallen konnte,™hinsichtlich der ״Verführung“ insofern auch zutrifft, als nach der Definition der Mischnah (Synh. VH, 10) der Mesith nur dann straf bar ist, wenn er zum Götzendienste verleitet ***) (Fortsetzung folgt.) Die semitischen Völker und Sprachen, als erster Versuch einer Encyclopädie der semitischen Sprach- und Alterthums-Wissen8chaft von Fritz Hommel. Enter Band: Allgemeine Einleitung (die Bedeutung der Semiten für die Kulturgeschichte). — Erstes Buch: Die vorsemitischen Gulturen in Egypten und Babylonien. Mit 3 Karten. Auch der beste Wein ist als Most nicht Versandfähig. Wer ihn in diesem jugendlich unreifen Stadium *) Der Bericht im Matth, über, das Weilen Jesa in Egypten ist wesentlich verschieden. **) Die Häufung der Sünden: DTII ntCT כשף erinnert an die Aufzählung der MW.hna.h (Synh. VII, 10 u. 11). **•) Vielleicht wird in der That deshalb כשף vorangestellt. trinken will, muss sich in’s Weinland begeben. Dort wird einige Wpchen nach der Lese Most verzapft. Was aber weiter hinausgeschickt werden soll, muss ausgegohren haben, muss Wein geworden sein. Voll anstaunender Bewunderung der stupenden Gelehrsamkeit, der Geistesschärfe und Klarheit des Herrn Verfassers, dürfen wir doch mit jdem Bedenken nicht hinter dem Berge halten, ob es nicht selbst zu einem ״ersten Versuche“ einer solchen Encyclopädie zu früh gewesen ist. Herr Hommel spricht es wiederholt selbst aus, wie in einigen Jahren die Kenntniss und Erkenntniss der prähistorischen Zustände Babyloniens eine ganz andere wird geworden sein, als jetzt. Es sieht sich genöthigt, nach wenigen Seiten das von ihm Gelehrte zu modffiziren. Er sucht das Neueste zu bringen, indem er Bürstenabzüge der Tagesforschungen benutzt. Das Alles aber sind die Vorzüge und Schwächen tüchtiger wissenschaftlicher Joumalartikel — aber in einer Chestomathie darf man es nicht finden. Was die Forschungsergebnisse selbst anlangt, so wäre es ja wunderbar schön, wenn das Kulturvolk der Chititer und die grossartige Bildung der Sumerier• zu geschichtlicher Anerkennung gelangen möchten (die Bileamepisode würde z. B. dadurch eine ganz eigenartige Beleuchtung erhalten). Allein auf wie schwachen Füssen steht (noch — die Echtheit der Täfelchen einmal zugestanden — die Deutungskunst der räthselhaften Zeichen י Und diese Echtheit? Referent hat zufällig in Baumgarten’s Orient die köstliche, humoristische Skizze ״Der unentzifferbare ScarabaBus “*) vor Kurzem gelesen. Wenn Aehnliches bei egyptisehen Denkmälern, dem dürren Holze, geschieht, was ist erst vom grünen Holze, den akkadisch sumerischen Keilinschriften zu erwarten?! Was der Herr Verfasser über Bibelkritik sagt, zeigt ihn als ernsten besonnenen Forscher, obschon er sich noch nicht genügend von den Fesseln der Elohisterei-Jeliovisterei frei gemacht hat. Besonders interessant sind die Streif blicke, welche von den egyptisehen Bilderschriften auf die Urzeit der Hebräer geworfen werden, z. B. das Bild des Aufnahme in Egypten erbittenden Südpalästinensere. (Haben die Kleidfransen etwa Aehnlichkeit mit den Zizith?) Der Verwerthung der biblischen Völkertafeln nähert sich endlich der Erkenntniss des wahren Werthes dieser historischen Dokumente. Gern hätten wir die kurzen Bemerkungen zur Judenffage in dem 80 ganz wissenschaftlich gehaltenen Werke vermisst. Herr Hommel hätte sich den kleinen antijüdischen Stossseufzer, ebenso wie die Versicherung der Verehrung für die echten Semiten und die jüd. Gelehrten sparen können. Seine Unparteilichkeit ergiebt sich unanfechtbar aus der ganzen Haltung seines Buches! Um abzuschliessen — gesicherteres und vollständigeres Material wünschen wir dem gelehrten Verfasser, dann wird er in erster Reihe berufen und befähigt sein, der Welt ein Werk zu liefern, das mehr, als ein. Versuch, das in Wahrheit eine Encyclopädie der vorsemitischen Sprach- und Alterthumswissenschaft sein wird. Coblenz. L e w i n. — - " ־ —■ . I|| Berichtigende Notiz. Unsere zu dem ersten Artikel in vor. No. gemachte Anmerkung'enthält einen Irrthum, den wir, da er einen Verdacht gegen einen Ehrenmann enthält, uns mit dem Ausdruck grössten Bedauerns zu berichtigen beeilen. Nicht Herr Prof. Dr. Noeldechen von hier, wie man uns angedeutet, sondern Herr Prof. Dr. E. Nestle in Ulm ist, wie dieser selbst mit dankenswerthem Freimuth uns mittneüte, der Verfasser der mit den Initialen E. N. gezeichneten, ihrer Schlussworte wegen höchst bedauerlichen Becension des Herzfeld’schen Buches im ״Litt. Centralbl.“ No. 3. (Bed.) *) Die nach einer Vorlesung von Emil Guimet gezeichnet ist. Verantwortlicher Bedacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. "Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.