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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-01-17 · No. 3. (17.1.1884) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 3. (17.1.1884)
Date
1884-01-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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7.mr Bel6achtaag aller Jadaathoai and Jaden betreffenden lltterarleehen Gr- •ehelnanGen anf dem (J*feiet? der Philoeephle, Gearhlrhle, Gtha״nraphle, Theolegte, Orientalin, Gxegeee, Homiletik. Lttorgil, Piilagoglk.! Herausgegeben TOD Rabbiner Dr. Moritz R&hmer. I •-'-'1״״־ 17 Sanuat 16^4. Richerdeijetaechfigigea Lltteratnrfwelehe der Redaetioa lageaandt werden, ■ndea in dleeeat platte eingehende Beepreehaag. Hei Rlnaekdang ron iwel Berenelenal.'xemplaren erfolgt-einmalige karae- ’ OratU-laaertlen. Dan ״Jfldlsche Litteratnr-Blatt« erscheint] wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei'allen Bachhandlungen (in eipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei len Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark kbstet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt־* grajtis. — Inserate werden mit I Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 16 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden, uchhändler, welche direct oder durch Roberj Friese in Leipzig, Inserate einsenden, erhalten 25 yC Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Süskind von Trimberg. Von Dr. A. Le wi n-Coblenz. — Referat des Dr. Herzfeld über sein Buch. — Kritische Bemerkungen zu Wüpsche’s ״Die Räthselweisheit bei den Hebräern“. Von D. O. Btraschun. L itteraturhericht: Weiss, J. H. לדורשיו “)Tn דור* Zur Geschichte der jüdischen Tradition. (Schluß) — 1. Der Antisemitismus. Von Julius Lippert. 2. Die Teufelskralle. Eine_ düstere Erzählung von Früher für Jetzt.! Süskind von Trimberg. Von Dr. A. L e w i n - Coblenz. Eine räthselhafte Erscheinung ist und bfeibt dieser jüdische Minnesänger. Wenn von der Hagjen (Minnesänger IV. S. 536) den Hinweis versucht,] dass sein Name vielleicht einen getauften Juden!bezeichne, (״Also schon damals führten die Juden, sonderlich die getauften, solche gezierten Namen“) so ist das ver- Unglückt, denn ״Suezkint“*) ist ein bei Juden durchaus nicht seltener Name, der als Vulgaertiamen für Alexander und Schneor (senior?) erscheint. ] Dass also in Würzburger Regesten ein Jude Süspkind von St. Aegidien 1218 mit Bewilligung des D^mpropstes ein Grundstück kauft, ist durchaus nicht] genügend, um darin unsern Sänger wiederzufinden, penn Süsskind ist ein Vorname,**) dem durch den Beisatz ״von Trimberg“ erst die engere Begrenzung auf eine bestimmte Person gegeben wird. (Da diej Juden fast durchweg keine Familiennamen hatten,!)^zeichneten sie sich nach altbiblischem Brauche alsj A., Sohn des B., aus X., daher der Gebrauch von) Ortsals Stammnamen.) Also Süsskind von Würfe bürg und Süsskind von Trimberg können, ja sind wahrscheinlieh zwei ganz verschiedene Juden. Daran ändert auch das Gemälde der Manessischen Handschrift nichts. Denn abgesehen davon, dass es ein Phajntasiestück späterer Zeit ist, waren alle Juden im )späteren Mittelalter einem Herrn zu eigen, mochte dies ein weltlicher oder geistlicher Herr, Kurfürst! oder Graf oder auch nur eine Stadt sein, sobald nur i der Kaiser das Privilegium ״Juden zu halten“ ihneü verliehen hatte. *) Daher die Schreibart "D'pDIl, während דסהינד de!• Aussprache folgt . : **) VergL Sü88kind Alexander Wimpfen (1218) bei Graetz S. 181.. Zunz: Namen der Jaden 68. Ueher die Lebenszeit des Süsskiud geben also die von Hagen angeführten Momente keine Auskunft. Darüber kann allein die Spräche des Sängers entscheiden, welche Untersuchung ich einem Specialforscher anheimstellen muss. Graetz’ Gesch. VI. S. 257 hebt hervor, dass Süsskind nicht von dem ״Judenflecken“ spricht. Doch ist darauf zu achten, dass er drei Zeichen für das Leben in alter Jaden Art giebt: den langen Bart, den langen Mantel, ״tief unter einem Huete* — also einen hohen Hut besonderer Art. Dagegen ist die Meinung, Süsskind habe seine Sonderstellung und ungewöhnliche Bildung mit der Taufe erkauft, vollständig abzuweisen. Denn nicht allein, dass kein Hinweis auf Christenthum, christliche Sitte, christlichen Glauben oder kirchlichen Brauch zu finden ist, stimjnen alle seine Aeusserungen mit den im Kreise der Jütten lebenden Ansichten uberein. Was Graetz mit seinem genialen Blicke auch hier richtig gesehen, dass die Lieder des Süsskind Kenntniss des Gebetbuches und bekannter Theile der Bibel bekunden, dass erweitert sich ' bei genauerem Zusehen dahin, das fast das Meiste, was uns von ihm erhalten ist, anklingt an im Kreise der mittelmässig gebildeten Juden damals, wie jetzt als religiöses und Bildungsmaterial Verbreitetes; dass Nachklänge dessen, was er als Kind in Schule, Synagoge und im häuslich religiösen L$ben gelernt, ihm eigen geblieben ist, ohne Wechsel oder Aenderang oder Vermischung mit Nichtjüdischem zn erfahren. Wäre er ein getaufter Jude gewesen, so würde er sicher mit Vorliebe die christlichen Glaubenslehren, besonders Dreieinigkeit and Mariencult. erwähnt und seinen Glauben an sie betont haben. Auch dass Süsskind Arzt gewesen, oder wenigstens medicinische Kenntnisse besessen habe, muss zu den unerwiesenen Möglichkeiten gerechnet werden. Das Gedicht über die ״Tugend» Latwerge wenigstens kann dafür nicht als beweisend erachtet werden. Er zeigt überall Sinn und Geschick, und weder Sprache noch Inhalt würden den Juden verrathen, ob-, schon auch nichts den Christen. Dieses Urtheil von der Hagen’s ist vollberechtigt. ״Süsskinds fünf jambische Weisen sind kunstgerecht gebaut und ihre drei Theile

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