Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 1. (3.1.1884)
- Date
- 1884-01-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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יי! isehes tu MwlUi ■IHr )•Mrita■ •** Jm4m MnfMai IlMmriHk«• Cr• kMhii« ■1r«w (MM• M W1► Mfkte, MltUi, KtkMfntU*, TkMtod*. Ort«■ Ult», Kxao«, ■Mril«Uk, UU>«tt• M*WC. Herausgegeben ron Rabbiner Dr. Moritz Bahnier. QKaqde&uzy, 3. Banuat, 1884. Kfleh«r41r«UMkli|lg«1 lUt»lT,1wkfct 4er JKe4aettM sayiMaM w«4«, 1141■ 1■ 41— 1 B1atU«l«gflb«14• BmkwIim»• Bet (lll«l4lB1r VM IV•! iMIMif»« foMiplir«■ •rfMIgt claaalb(• kin• Dm ״JMlscke Litteratar-Blatt« erscheisd Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 1 allen Post ans talteif nnd Buchhandlungen I Mark k 88 Pf• für die gespaltene Petitzeile, Heilige■ mi, Buchhändler, welche direct oder durch Robert Wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Bifchhandlunjjfen (in Bark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei!stet) erhalten das ״Jüdische Litteratar-Blatt־* gratis. — Inserate werden mit U Mark, berechnet nnd sind an die Expedition dieses Blattes zn senden. Friese in Leipzig, Inserate einsenden, erhalten 25 jC Rabatt. Inhalt;: W isspn8ehaftliehe Aufsätze: Lnther nnd d t Juden. — Heber die Nationalitäten Enropa’s. Von Vamhöry. — Zur Richtigstellung. Von Dr. Sidon. L itteraturberiebt: Die antisemitische Bewegun; in Deutschland. Von Erich Lehnhardt. Notizen v<pt 8. Spinner nnd Prof. Dr. H. Strack. Nachdruck mt mH voUsi QMlIesangabe!•:itattet Luther und die Juden.! ln dein Leben des grossen Reformators and Bibel- Übersetzers sind bezüglich seines Verhaltens g »gen Juden nnd Judenthum, ganz so wie im Leben des Religions- ■tiRers Maliamed, zwei Strömungen streng zu Scheiden, eine jndenireundliche in den ersten stur!!bewegten manneskrältigen Jahren seines zielbewnssten Auftretens, und dann eine im griesgrämigen Alter des iurch vielfache Enttäuschungen verbitterten Mannt s offenbar in gereizter S^jmmnng zum Ausdruck gelangte j n de nfeindliche. In einem ״Nachwort zur Magdeburger Luther-Feier“, bringt die ״Magdeburger Zeitung“ über diese Doppelstellung Luthers zn den Juden einen Artikel, den wir seiner-Bedeutung wegen ar die Spitze des neuen Jahrgangs stellen. Sie schreibt: ״Die jetzt vollständig vorliegenden Nachrichten über die Feier des 400jährigen Geburtstages Lnther’s bestätigen, dass dieselbe im Grossen.und Gt nzen einen ziemlich streng confessionellen Character behauptet hat; es war ein Fest des protestantischen De itschlands, an dem die katholische Bevölkerung keine: 1 nennenswerthen Antheil nahm, ja dem sie sich zum Theil ■bwebrend and feindselig, gegenüber stellte. Eine Ansnähme machte nur der kleine Bruphtheil der Altkathöliken, welche ihr hochherziger, greif er Führer Döllinger in dem bekannten Briefe darüb er belehrte, dass sie unlteschadet ihres Gewissens die un sterblichen Verdienste Lntber’s um die deutsche Nation sllitteratur und die allgemeine Geistesfreibeit mitfeiein dürften. Ueber das Verhalten der Bekenner einer anderen Confeaaion, nämlich der Jaden, ist bis jstat nichts in die Oeffentlichkeit gedrängen und dock dürfte es ■ich tun 80 eher verlohnen, auch bierübei etwas zu «fahren, als gerade in unseren Tagmt der Narte Luther’s unablässig mit der sogenannten ״Judenfrajge“ in die *liefnächste Beziehung gebracht worden ist Man hat 8®hon seit längerer Zeit von einer gewissen Wüte her mit geflissentlichem Eifer die Meinung verbreitet, welche sehr schnell die allgemein herrschende wurde, dass Luther im Gegensatz zu seinem! fast 300 Jahre später lebenden Geistesverwandten, dem oft mit ihm verglichenen deutschen Denker und Dichter Lessing, ein entschiedener Feind der Juden,gewesen; in der langen Reihe, berühmter Judenhasser Vom Kirchenvater Hieronymus an bis zu dem'.jüngst verstorbenen Dichtercomponisten Richard Wagner herab hat man ihm den allerersten Platz eingeräumt nnd gewissermaassen unter seiner Fahne ist in der Reichehauptstadt der antisemitische Kreuzzng eröffnet worden, der die blutigen Gränelthaten gegen die Juden Russlands nnd Ungarns zur Folge gehabt hat Wir glauben es dem Andfnken des grossen, deutschen Mannes schuldig zu sein,* nicht ohne Weiteres den ihm zugeschriebenen, eingefleischten Judenhass als eine geschichtlich feststehende Thatsache hinzunehmen, halten es vielmehr für nothwendig, die angeblichen Beweise dafür einer erneuten, gewissenhaften Prüfung zn unterziehen. Die jndenieindliche Schrift Luther’s, auf die man sieh beruft, ist von demselben am Spätabend seines Lebens verfasst und zuerst 1543, also 3 Jahrs vor seinem Tode, in Wittenberg erschienen. Luther hatte, wie er einleitend andeutet, seit ca. 20 Jahren sich g&r nicht mehr litterarisch mit den Juden beschäftigt nnd hegte überhaupt die feste Absicht, nie wieder etwas von und über sie zu schreiben. Aber als ihm, dem greisen Glanbenahelden, eines Tages die anonyme Schrift eines, späteren Ermittelungen zufolge, wahr- 8cheinlich christlichen Autors zu Gesicht kam, welche, in die Form eines Dialoges zwisohen einem Jnden und einem Christen eingekleidet, den ihm heiligen Christenglauben scharf angriff, da ergrimmte er in leidenschaftlichem Zorne und schrieb, seinem Vorsitze ungetreu, das Buch ״Ueber die Juden und ihre Lügen“, die Bannbulle des damaligen protestantischen Herrschers der Gläubigen gegen die gesammte jüdische Nation. Viel״ Schlimmeres als in dieser Schrift steht, ist allerdings weder von irgend einem katholischen PapSte, noch seihst von dem sehr jaden feindlichen Gegner Luther’s, dem bekannten Dr. Eqk, ausgesprochen worden. Luther wiederholt darin die stets gegen die Juden vorgebraohten, gehässigen1 Anschuldigungen und unsinnigen Fabeln von Brunnen Vergiftungen, Christenkindermord nnd dergl. mehr. Man möchte zweifelnd fragen, hat denn wirklich Lnther eine solche, seiner unwürdige Schmähschrift verfasst, oder ist sie ihm vielleicht von dem böswilligsten seiner Feinde . fälschlich untergeschoben. worden, um seinen Ruf in der Mit- und Nachwelt schmählich zn untergraben? Wir können es leider nicht ablengnen, dass Luther