Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 51. (20.12.1883)
- Date
- 1883-12-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 51. Jahrg.XlI; Jüdisches Zur Belnektiif 111«r JidiatkiM!■4 /■4«n ketnfflidea IlttonrUek•• Er- ^nufn uf 4m G«klat« 4«r PBUo* M^blti ftMcktckt«, Etkao0T»9feJp• Tk»• 4«WV OrlraUlU, Kzego», j|?n(l«iuk, . Llta1|ik, Pl4af0|lk. Herausgegeben k TO& Rabbiner l)r. Moritz ,Böhmer. 9Tt<nj3c-6 w/t<j, 20. 2Wc-m׳£>ex 1883. Biektr 4«r elucklifigoa Utt<r1t1r,y<lkkt 4« Bk4«ctl«1 n|«an4t 11411 ,■»4»י 11 4i«M■ Blatt« •i!f«k«a4• Bttfftek—f> R«l Hbw14ii9 m iffil Btcmlm» erf11|t •iiaill!« kVM Gntk*U1c1ti«•. - Das ,*Jtdiache Lltt6ratar-Bl*tU< erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; *Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang{ 8 Hark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bet allen Postanstalten und Bachhandlungen 8 Hark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — laserate werden mit 25 Pf. für die gespaltene Petitzeile berechnet and von der Expedition dieses Blattes sowie durch die Central-Annoncen-Expedition ן von 6. Im Daabe k Ce., Frankfurt a. M.. Magdeburg, Berlin, Cöln, Hamburg, München, Zürich, Wien, Paris befördert, j X Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Die Beschuldigung der Juden wegen Rindermord im Mittelalter. Von Ml Mannheimer in Darmstadt. (Fortsetzung.) — Collectanea Von Rabbiner Dr. Krön er. Brandenburg a. d. H. j Litt&raturbericht: Ausgrabungen bei Jerusalem. VonGuthe. (Schluss.) — Lehrbuch der neuhebriischeji Litteratur von Herrn. Strack und Carl Siegfried. Karlsruhe and Leipzig. Notizen. 1 Nachdruck nur mit ■voller Qustlcnangabe gestattet. ־י*ד■ Oie Beschuldigung der Juden wegeli Kindermord im Mittelalter. Von M. Mannheimer in Darmsjtadt. (Fortsetzung statt Schluss.*)! Zu den sehr richtigen Gedanken Sphröckh’8 habe ich noch Folgendes hinzuzufügen. Die Kreuzzügler hatten Tausende von Jnden niedergemetzelt, und zwar, wie sie selbst sagten, zur Ehre Ghrilsti; wie hätte nun, im Gegensätze hierzu, das unwissende, zur Verfolgtmg geneigte Volk der ihm von schlauen, fanatischen Priestern, oder auch von getauften Juden, die, um sich bei den Christen beliebt za machen, Hass und Verachtung gegen ihre ,früheren Glaubensgenossen an den Tag legten, insinnirten Mähr, die( Jnden hätten einen Christenknaben gestohlen und beschnitten and wollten ihn am Passahfesten zur Schmach des Erlösers, wie sich Matth. Paris ahsdrückt, kreuzigen, keinen Glauben schenken sollen?1 Und dennooh trägt auch diese Angabe das .Kainszeichen einer ersonnenen Läge an ihrer Stirn. Die Beschneidnng war zu allen Zeiten den Jnden ein hohes Heiligthum, und mit einer solchen heiligen Handlung hätten Jnden den frechen Spott treiben und das Sacrilegium begehen sollen, einen Christenknaben zu beschneiden, bloss in der Absicht, ihn alsdann za kreuzigen! Das war sicher nie der Fall. Für einen so[ abscheuliohen Gedanken hat das jüdische Ohr kein Verständniss, er klingt Ihm zn absurd. Es ist sehr zu : bedauern, dass es sogar den jüdischen Theologen vcjn jeher an der Wahrfaehmung nnd Kenntniss des j^esichtspanktes fehlte, von welchem ans die Israeliten die über sie gekommenen grausamen Verfolgungen und harten Bedrückungen za betrachten pflegten.; Sie erblickten in denselben nur Heimsuchungen dnd Prüfungen Gottes, ihnen zugesandt, um sie auf ,ihren Lebens• •wandel aufmerksam za machen, sie von Sünden zu reinigen, zu läutern, zu bessern und auf eine höhere Stufe sittlich-religiöser Vollkommenheit za' erheben. Auch in den traurigsten Lagen blieben sie durch ihren Blick in eine hellere Zukunft wahre Optimisten. Dieses können wir aas allen Martyrologien heraasleaen. So wenig aber auch die Erzählungen des Matth. Paris, der absichtlichen Erdichtung oder dem blossen Hörensagen entnommen, der Wahrheit d. h. dem wirklich Geschehenen entsprechen, mögen, so viel steht jedooh sicher nnd wird auoh aas anderen Quellen bestätigt: vom 13. Jahrhundert an haben sich -die Beschuldigungen der Jnden wegen Hindermords und die Anklagen, dieselben gebrauchten das Kat zur Zauberei und zur Heilung der Krankheiten, die damals auch unter die Kategorie der Zauberei fiel, oft wiederholt. Wenn wir nun. erwägen, wie es gerade zu den glänzenden Seiten der mosaischen Gesetzgebung gehört, dass sie die verschiedenen Arten von Aberglauben ausza; rotten suchte und auf die angeblichen Künste der Zauberei und Wahrsagerei die Todesstrafe setzte, so weise man wahrlich nicht, ob man all die Priester nnd Mönche, welohe jene Anklagen gegen die Juden wegen Zauberei gewöhnlich vorbrachten, mehr der Unwissenheit und der Unbekanntschaft selbst mit dem Neuen Testament, dessen Grundlage doch die mosaischen Institutionen bilden, oder mehr der 'absichtlichen Ent- Stellung der Wahrheit-und der boshaften Erdichtung der Lügen zeihen soll.*) Einige Stellen ans den 5 Büchern Mosis sollen darthun, wie in der mosaischen Gesetzgebung jede Zauberei and was mit* ihr verwandt ■ ist, mit der grössten Strenge verboten wühle: ״Es soll nicht unter Dir gefunden werden, der seinen Sohn darch’s Feuer führt, der sich mit Zaubereien abgiebt, ר fr vor. Nummer Seite 195 b Z. 5 v. Staat*' st. ״Rechtsstand“, und Z. 24 v. . u. st. ״Verschwörungen“. . liess .Rechts- ,Verfolgungen“ 1 1 *) Anmerk. Wie die Kirchengeschiohte bezeugt, wurde den damaligen Geistlichen von manchen häretischen Meten der Vorwurf gemacht, sie verständen nicht hinlänglich das Lat eimache und seien deshalb selbst (mit den Schriften de• Neuen Testaments . nicht genug vertraut. Die Waldenser liessen *u Anfang des 113. Jahrhunderts die Bibel in die ProvencaJsprache übersetzen, um, wie sie sagten, zur Beschämung der Geistlieben die Bibelkunde unter den Laien za verbreiten. Und wae den sittlichen Zustand der damaligen Geistlichen an belangt, so'können wir aus dem, was die Aebtissin Hildegard, die als eine Heilige verehrt wurde, über sie sagte, entnehmen, zu welchen schändlichen Handlungen gegen die Jaden sie fähig waren (afr. Neand. Bd. V., S. 289): ,,Den Geistlichen hielt sie (Hildegard) nachdrückliche Strafpredigten wegen ihrer Sittenverderbniss, ihrer Herrschnnd Habsucht, wegen des Handels, den sie mit heiligen Dingen trieben, wegen ihrer dem geistlichen ■, Berufe nicht angemessenen Beschäftigungen, wie mit den' Waffen \r. i] nnd dem possenhaften Gesang.Sie seien durch Veraach- /־ , I lässigang des Religionsunterrichte und durch ihr böses Beispiel ■. ׳ i Schuld an dem Verderben der nach ihren Lüsten lebenden Laien.* 3- ׳