Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 48. (29.11.1883)
- Date
- 1883-11-29
- Page
- Seite 192 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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»*(•biUgBit? ״Der Mensch ist gut, die Liebe wohnt in 1 Henen, sie wird ihm eigentlich nicht aner- ■ogen, sie wird nicht gelernt, sie wird ihm angeboren, der Hass dagegen wird gelernt“ — sagt der- 4 selbe grosse Erzieher and Menschenkenner Diesterweg. - . Ais wir Luthers,'in jüngster Zeit oft erwähnte ■ B—oichnnng der Blntfabeln als ״ Lügentheidnngen und j■־ Marren werk“ 8. 20 wiederholt lasen, dachten wir nn- P ■Willkürlich an die Aeossernng des bekannten ״zweiten Lotber“ hinsichtlich jener Fabeln. Warum überrurhte es die ״V068. Ztg.“ and andere öffentliche Organe, dass derselbe, aen hervorragendsten eran- ,; gahsohen Theologen and Professoren der Jetztzeit ent- (Ümbezüglich mit dem nunmehr entlarvten and ־ 1* * Protestantenand Judenfeinde Rohling t? ־Warum überraschte es sie nicht zach,;:Ödaas der ״zweite Luther“ den ״ersten Lather“ ivoairt? — In einem Anhang giebt das Schriftohen ‘ äfige der unzähligen Aussprüche in der talmadischen . mfl naohtalmudiscnen Litteratar, die von der allamfeaaenden Humanität und hehren Sittengrösse des Jadenthums zeugen, um auch so die Albernheit und den Frevel der Blutbeschuldigungen zu beleuchten Und — um die modernen Judenfeinde za beechäpien. -'־LeUters Absicht halten׳ wir für naiv, für sehr naiv. , ' MWnn denn diese Horde noch Scham empfinden, wenn siah Abscheu vor dem angeblichen Blutritnal ■ erheuchelt und gleichzeitig Blutgier in den Massen *& erregen sich krampfhaft abmüht; wenn sie mit *.'jfem Heiligenschein der Christlichkeit sich umgiebt und v dennoch Niemand das Christenthum und dessen Stifter jemals mehr gelästert hat als sie, welche den ׳T*eligion8ge8etzlichen Gebranch von Menschen- . zum PaBsahmahl den Juden so gern im- Jia&rt, obgleich sie weise, dass der Stifter des?:.'.־Ohriltenthums das Passahmahl in echtjüdischer Weise hielt und überhaupt (nach ‘KB*. 5,17—■19) das jüdische Gesetz ao hoch schätzte?! Uebrigens theilen wir — zumal nach .der offenkundigen Entlarvung des Gauners Verhovay and vieler ihm befreundeter Antisemitenführer in _ und Preussen — die von Prof. Günther ans ,iMüznberg im deutschen Reichstag ausgesprochene Hoffnung, dass die ganze schamlose Bewegung bald wieder dahin gehen wird, woher sie gekommen, in den tiefsten Pfuhl der Verworfenheit. *) Brandenburg. Hp. Rk. ü , Apion. Ein Caltarbild aas dem ersten Christfiohen Jahrhundert. Wien. 1883. Alfred Holder, Hofbaohhandlnng. 161 Seiten. Preis?;■ Der sioh nicht nennende Herr Verfasser, ein? tüchtiger Renner der Schriften Apions und Philo’s,!־־ wie aas dem Buche hervorgeht, hat es meisterlich & verstanden in dem uns vorliegenden Werke die jüdischen Verhältnisse Alexandriens im ersten christlichen Jahr- bändert zur verständnisvollen Anschauung za bringen. ' ~ Es sind geradezu plastisch abgeiundete Figuren, die sich * vor unserem geistigen Auge erheben. Der eingefleischte Jadanha88er Apion, dessen Tücke und Hinterlist wir gleichsam miterleben, ist doch ein ״gewisser“ Jadenfeind neuester Observanz, Fleisch von seinem Fleische; dann die durch den Contrast um so mächtiger auf ans einwirkende lichte Idealgestalt Philo’s, dessen ganzes Leben die erhabensten, sittlichen Ideen verkörperte. Wir sehen, za welch’ unseeligen Handlungen *> In unserer. Besprechung des Bacher’schea Aufsatzes afcä! -Tr-inph Kimchi and Abulwal id, No. 47 d. BL 8. 188 a. ist Z. 6 v. u. und statt ״uns“: Z. 20 v. n. allerdings Hp. Bk. die Hetzerei führt und wie sohliesslioh die Wahrheitden Sieg über Gemeinheit und Falschheit gewinnt- Wir lernen den sittlich abgestumpften Apion verachten and ein bleibendes Interesse erweckt in uns das erhebende Bild Philo’s, ״denn“, 80 sagt Philo selbst einmal in einer seiner Schriften, ״die ununterbrochene Betrachtung vorzüglicher Muster regt mächtig zum Naoheifem an, sodass man sioh also der Hoffnung eines gemeinsamen Gottesreiches mit Zuversicht hingeben darf, in welchem sioh mit dem einsten Streben aller Menschen nach dem Göttlichen die ungestörte,, äussere Ruhe und Glückseeligkeit, die hierzu erforderlich ist, verknöpft wird. Das Werk verdient die weiteste Verbreitung, nioht allein als Lectüre für jüdische Leser, sondern ganz besonders auch für unsere Mitbürger christlicher Confession. M. S. Notizen. 1. Bei Erörterung der Streitfrage in den Nummern 38, 42 und 45 d. Bl., ob in früherer Zeit das Tefillingebot streng־ befolgt oder vernachlässigt worden, sind zu unserer lieberraschung die zur Klarstellung der Sache entschieden geeignetsten Belege unseres Schriftthums unberücksichtigt geblieben: wir meinen Tos. zu Sabb. 49a, Stichw. כאל״שע ב״כ bezw. Ssbb. 130a. Aus qu. Tos. heben wir nur den einen Passus hervor: זאק דדמה דל מה שמצור, דאת(מצות תםילק> רפויה בידינו שנם בימי חכמים היתד, ךפויה, Dieser Passus lässt wohl an Klarheit und Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig, ebenso die ganze Tosafotetelle resp. der dort angeführte Beleg aus Sabb. 180a. Brandenburg a. d. EL Dr. Pb. Krouer. 2. In der schönen Oronemann’schen Arbeit über den ״Anstand, und die Etiquette im jüdischen Alterthum“ findet sich (No. 43) die Bemerkung, dass von einer Geburtstagsfeier nirgends in den jüdischen Quellen die Bede sei. Ich möchte jedoch auf die Stelle in Moed Katan 28a hin weisen: *־, בר שיתק עביITI יוסף כי “t ,להו לרכק יומא &בא Demnach feierte R. Joseph thatsächlick seinen sechsigsten, resp. einundsechsigstea Geburtstag. Allerdings hatte, wie aus den Worten אמר נפליי לי מכרת erhellt, diese Feier einen lediglich religiösen Charakter, aber immerhin ist damit constatirt, dass Gronemann's Bemerkung nicht so ganz bedingungslos zu verstehen ist. Schlimm. Dr. H. Tietz. 3. Auffallend scheinen רש״י und באור *u den Worten־ ותחם עליך Samuel I, 24, 11. Es soll nach denselben zu dem Verbum ותחם des Subject fehlen und durch נפשי oder ־עיני supplirt werden. ' Nach oberflächlicher Betrachtung ist das- Subject aber ganz bestimmt durch das im Verse vorausgehende Wort כידי ausgedrückt, -Wie dies auch aus den folgenden Versen resultirt. Die Deutung ״Und sie (meine Hand) schonte dich“ scheint demnach ganz einfach und natürlich. Rees a. Rhein. L. Cohen, Lehrer. ' 4. Der Ibn-Esra zu 2. B. M. 13, 13 ־ י״א תכח1ב WOT דל ערפו קודש widerlegt die Ansicht Einiger, dass לדרפתו heisst: ״man soll auf dom Rücken des Thieres das Wort ״heilig“ schreiben“ mit dem Hinweis aufHosea 10,2 und 6. B. M. 21,4, wo דרף abbrechen, den Nacken durchschlagen, heisst. Woher die Meinung der Sadducäer oder Karäer, dass Araf ״schreiben“ p Siehe Chosohen Michpat 158 Söif 5. Hagaba VTV אלם לו דכ״ום מדרופיא entnommen ans Mordechai zu Alfasi Baba batra Perek lo jachpor. Was heisst מדחפיא? Der unwissende Justus im ״Judenspiegel“ S. 89 Ges. 24 liesst Magerupia, d. h. schinden, fortgesetzt betrügen, nicht ans den Klanen lassen. Tischbi zu דרף bemerkt, dass aas Wort auch die Bedeutung ״erkennen" habe. Daher מדליפייא sin guter Kunde, Bekannter. Er führt an, dass in einem Targnin zu Ruth 8, 2 ״Halo Boas ־modatanu“ es מדרפננא heissen 8011. Auch im 2. B. 13, 13 ודרפתו soll es nach Einige■ die Bedeutung haben von ״erkennbar machen“, da das Thier nichts verschuldet hat- Siehe Raschi zur Stelle. Wie wäre nun Sifri zu 5. B. M. 32, 2 ידרף zu verstehen? Dort heisst es nämlich jaarot ist in der kaufmännischen Sprache zu nehmen: ,פרוט לי סלד זו אק א״ל אלא דחף לי וכר Das Beispiel scheint nicht zu passen zu den Worten Rabbi Jehuda’e. Das Gleichniss in Jälkut zur Stelle ist richtiger. Um Aufschluss in dies. BL bittet Auerbach-Dresden. Dr. Rahmsr, Magdsburg. Druck von D. L. Woilf, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.