Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 47. (22.11.1883)
- Date
- 1883-11-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten and Buchhandlungen I Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratnr-Blatt־‘ gratis. — laserat• werden mit M Pf. für die gespaltene Petitzeile berechnet and rim der Expedition dieses Blattes sowie durch ine Central-Annonoen-Expedition von G. L. Dsabe A Ce^ Frankfurt a. M.. Magileba^g» Berlin, Cöln, Hamburg, München, Zürich, Wien, Paris befördert. Inhalt: 11 Wissenschaftliche Aufs&tze: Das Instit^tum | Judaicum in Leipzig. Von Dr. Ad. Jellinek. — Rahdbetnerkungen zur Pesikta des R. Kassaua. Von Salomon Spinner. — Collectanea. Von Dr. Eroner, Rabbiner in Bikndenburg a. d. Havel. ׳ Litteraturbericht. Recensionen. HerzteldL Dr. L. Einblicke in das Sprachliche der semitischen Urzeit־־ n. 8. w. ^Fortsetzung.) — Joseph Kimchi et Abulwalid Mjervan Jbn Gaenach, par G. Bacher, prof. kl’öcole. rabb de Budapest. Extrait de la Revue des Etüde• juives. Notizen. , 1"—•- Nachdruck zur mit rroller QeeHenssflibe ןe»tagtet Das Institutum Judaicum in Leipzig. ״Wahrheitsgemässe Kenntniss des ChristjBnthums unter den Jaden and wahrheitsgemässe Kenntniss des Jadenthams unter den Christen za verbreiten“, das ist die Aufgabe eines Vereins, der aas den Staflirenden aller Fac ul täten in Leipzig besteht, unter den Ajaspicien “des ausgezeichneten and hochgeachteten Professors Franz Delitzsch sich gebildet hat, den Namen ״Insti• tatnm Judaicum“ führt and za der Hofinung berechtigt, dass er auch an den anderen Universitäten Deutschlands Nachahmung finden wird: Eine preiswürdige and segensreiche Aufgabe ist es, welche dieses ״Institut“ übernommen hat; es w^llan die Stelle der Qehässigkeit Ver ständniss, der Feindseligkeit^Annäherung, des Vorartheils Frieden and Versöhnung setzen, an dem Aufbau eines Werkes arbeiten,־ das bestimmt ist, Jnden und Christeü durch wahre Nächstenliebe and echten Brudersinn mit einander za verbinden. Es erinnert mich selbst!an eine der schönsten Blätter in meinem Leipziger! Leben, dessen Inhalt ich in meinen ״Eindrücken and, Erlebniesen “ näher angeben werde. Es war im Jahrje 1848, im Jahre idealer Begeisterung, da hatte ich in Yerbindung mit meinem unvergesslichen Freunde, dem edelsinnigsten, vorartheilslosesten' und liebevollsten Vertreter der Kirche, der mir je begegnet ist, mit Dr. Zille, einen kirchlichen Verein in8׳ Leben gerufen, dessen Zweok es war, dnrch die Betheiligung von Mitgliedern aller Confessionen, dnrch öffentliche Vorträge und durch die Besprechung von religiösen i Tagesfragen die herrschenden confessiohellen Vorurtheile and Missverständnisse za zerstreuen. Das ״Institutum Judaicum“ hat sich allerdings kein so hohes Ziel, wie der erwähnte kirchliche Verein gesteckt, sein Zweck ist aber doch ein so edler, wahrhaft religiöser und mühenswerther, dass dieses ״Institut“ die Aufmerksamkeit von Juden and Christen verdient and gerechten Ansprach erheben kann, dass vorurtheilslose Männer in der Kirche wie in der Synagogo es unterstützen. Sein Programm umfasst eine zwiefache Arbeit, welche Math, Ausdauer, Hingebung, Liebe zur Wahrheit and Gerechtigkeit erfordert. ״Unter den Jnden 8011 eine wahrheitsgemässe Kenntniss des Christenthums verbreitet werden“. Dm ist die eine Hälfte der Aufgabe, deren Lösung (Im ״Institut“ auf sich genommen bat. Sowohl dem .verehrten Gründer wie den eifrigen Mitgliedern des Institnt’s wird es bekannt sein, dass die grosse. Masee des jüdischen Volkeg, besonders in der Gegenwart, keine Veranlassung hat, diejenigen, welche zum Christenthnm sich bekennen, in einem günstigen Lichte zu betrachten und dass nur die höher Stehenden unter den Jaden kalte Objectivitat genug besitzen, zwischen dem Christenthnm and den Christen, dem Evangelium and den Evangelischen, den schönen Parabeln Jesu und der rauhen Interpretation seiner Bekenner zu unterscheiden. Welche Meinung 8011 die jüdische Menge z. B. in Russland und in Ungarn von jenen Namenschristen haben, welche ihre friedliehen Wohnungen nächtlich überfallen, sie aus dem' Schlafe reissen, mit thierischer Wuth Werthsachen zerstören und mit grauenhafter' Habsucht fremdes Eigenthum mit sich fortschleppen? Hier hat dM treffliche ״Institut“ eine sehr wichtige, aber durchaus nicht sehr schwierige Arbeit zu vollbringen. Es mass den Jnden gezeigt werden, dass das wahre und echte Christenthnm nicht von einem königlich preussischen Hofprediger vertreten wird, dass ee den Antisemitismus mit allen seinen Auswüchsen und Ausbrüchen als anmenschlich, irrreligiös, gotteslästerlich verabscheut, dass es den Namen Jesu entweihen heisse, wenn man seine Lehren der Liebe mit den bluttriefenden Fahnen 1