Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 45. (8.11.1883)
- Date
- 1883-11-08
- Page
- Seite 180 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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י% — 180 — £ *T Der unermüdliche, gelahrte und fromme Kämpfer gegen den Professor der Prager Archäologie, hat wieder eine neue Streitschrift*) veröffentlicht.Die Veranlassung dam war xanicKst das neueste, in der heutigen Hammer ■ der .Wochenschrift* (unter ,Wien*) bereite erwähnte Libell Bohlisg’e: ,Die Polemik und das Hänschen- Opfer des Rabbinismas“, in welchem der anfcisemi- . tische Bitter ,ohne Frucht and mit Tadel* auf der fasten Basis seiner Unwissenheit die Jaden beschuldigt, dass sie die christlichen Souveräne morden und die unschuldigen christlichen Jungfrauen schlachten müssen. Nachdem Professor Delitzsch in seiner vorletzten. Streitschrift: ,Schachmatt deu Blatlügnero Rohling and Jnstas*, unwiderleglich nachgewiesen hatte, dass -diese beiden grossen Kabbalisten auch nicht ein Wort von den kabbalistischen Stellen verstehen, welche sie zur Erhärtung ihrer Anklagen anfnhren und dass die Blatbesohaldigung, die sie mit solcher eisernen Stirne .«gen die Juden erhaben, nichts als eine Ansgebart ■das Lügen.geistes ist, so war es ganz natürlich,־ dass dieser unermüdliche Kämpfer rar Wahrheit und Gerechtigkeit von Neuem zu seinen sicheren Waffen <ftr Gelehrsamkeit griff, am den Verfasser ,der ״ Wissenschaftlich en Antwort ohne Polemik* oder richtiger der polemischen Antwort ohne Wissenschaft, so zu züchtigen, wie er es verdient. Noch ein anderes Motiv drängte Professor'Franz Delitzsch zur Abfassung dieser neuesten Streitschrift. Es ist dies die Behauptung von Stöcker und Genossen oder Gesellen, dass selbst nach dem Freispruche in ttpin Blutoroce886 von TiSza - Eszlar die Frage des rituellen Mordes bei den Jaden noch immer nicht geklärt und entschieden ist. Uns kann die Unent- ■ ■ahiedenhsit Stöcker׳» and Gehilfen nicht überraschen, da wir nur ein einziges probates Mittel gegen Stöcker and Compagnie kennen, .das ist: der Gendarm mit aafgepflanztem Bajonette! Professor Delitzsch aber thst ee wehe, dass seine christlichen Glaabensbrüder noch immer nicht überzengt sind, dass das Volk, ans dsssen Mitte die Apostel hervorgegangen sind, nicht aus Menschenschläcntem besteht und dass der Gott das Alten Testamentes nicht durch die Opferung christlicher Jungfrauen verehrt wird. Er schreibt in wehmüthigem Tone an Professor Zöckler, an den das flsndnrhrnih^ gerichtet ist: ,Da trauerst mit mir *) Es thut mir hersüch leid, dass mein verehrter Freund Paliteenh die tarnen Regeln iez polemischen Feohtkanst in dieser Streitschrift noch weniger eie in den früheren beobechtet hat, indem er nebensächlichen Dingen zu viel Renm ge- «ährt, Fernliegendes heranzieht, dem Gegner hypothetisch• Qiacesstrwwi 1macht und dadurch den Eindruck seiner Widerlegung und ■emee Angriffes schwächt. 80 heben die Juden- Inge und der Schnlafam Aroch mit dem eigentlichen Thema dieser Streitschrift nichts gemein und thun der beabsichtigten Wirkung derselben grossen Abbruch. Wenn Freund Delitaach s. B. sagt: »In den Rechtsstaat durch die Emanzipation aufgenommen, muss des Judeuthum nothwendjgerweiee eile mit dam Himunitätaprincip coUidirenden Gonaequenzen seiner Re- IigioB, samal in dar tahnudiachen Ausgestaltung, entgehen;“ so erwidere iah ihm rundweg folgendes: ,1, Wir Juden brauchen sieht erst seinen gewiss gut gemeinten Rath abzuwarten, um ־ ns wissen, was wir zu thun heben. 2. Die Juden heben immer und OberaU moralischer an den Christen, als die Christen en dsn Jaden gehandelt, so dass die Enteren mehr als die T-»♦*»--■ן asfzugebau heben. & Der an• Ausnahmegesetzen, Verfolgangen, Niedermetzelungen und Scheiterhaufen bestechende chrisliehe Talmud, deeesn Inhalt mehr eie 1? FoUoMnde ensmeeht, ist doch noch ein gsas anderes Werk .«fa dar babylonische und Jerusalemische znmmmengsnommee. Tn Utterariachen Kriegs nfttst es eichte, den Feind zu umgaben, rr~a—״ men na• um in der HauptEront angreifen nnd sfadpreabfaettera. Die Polemik hat ihre Methode, ihre Kamt■ uhd ihrea Styl, wovon sie nicht abweichen darf, ־wenn seihst ihmn Effect abechwächen und ihr Hauptziel will. über diese Bohling’sche Polemik, welche die Lüge za ihrer Waffe macht and dadurch ihre Ueberzengungskraft aufhebt und das Christenthum in den Augen der Jaden schändet und die Furie dz« Racen hasse», die Bestie der Raubsucht und Blutgier, die Meute der Spitzbuben und Mordbrenner und Mörder entfesselt.* Eine wichtige, nicht zu unterschätzende Beigabe dieser Streitschrift ist ein. Schreiben des Mitgliedes der G esellschaft Jesu, des Herrn J. K nabenbauer, an den Verfasset. Derselbe schreibt wörtlich: ״Hochgeehrter Herr Doctor und Professor! Auf Ihre freundliche Zuschrift and Einladung hin habe ich die beiden in Ihrer Broschüre (Schachmatt) S. 30 und 39 mitgetheilten Stellen in Erwägung gezogen und bin zu der Ueberzengung gekommen, dass diese beiden Stellen ihrem strengen Wortlaute nach die Existenz eines 8. g. Blut- oder Mordrituals nioht beweisen. Das ist, denk־e ich, die Hauptsache. Soweit ioh mir ein Urtheil Zutrauen darf, halte ich Ihre Erklärang der ersten 8telle vollständig richtig; in Betreff der Sonar-Stelle sind mir einige Zweitel und Dunkelheiten geblieben, die aber den Kern der ventilirten Streitfrage nioht berühren.“ Der Schreiber dieses Briefes ist ein ausgezeichneter Gelehrter, dessen Coinmentar zum Propheten Jesaia sehr gerühmt wird. Auf Rohling’8 Seite also stehen die beiden Asiaten Jstöczy und Simony, die Arier Stöoker und Henrioi und er selbst, dessen Abstammung uns unbekannt ist; auf Seite der Juden ohristlioh-theologische Facultäten und die bedeutendsten Professoren in Hebraids an den Universitäten Deutschlands, Hollands, Englands, ein grosser Fachmann, der gelehrte J. Knabenbauer, das Mitglied der Gesellschaft Jesu! Diesmal gehen wir mit den Jesaiten, die jedenfalls klüger, feiner and gebildeter, als die Antisemiten sind. Dr. Ad. Jellinsk *it■ Notizen. 1. Drettn. Der ״Verein Dresdener Bachhändler“ veianstaltet hier eine Ausstellung seltener kirchenhistorischer Manuscripte und Druckwerke auf der Br&hl’schen Terrasse. Da dis Ansstellimg einen interconfessionellen Character hat, so wollen wir einige Nummern des Catalogs besonders hervorheben. No. 37: Das 6. and 7. Bach Mx>8es.aul Holspappe, geschrieben za Wittenberg 1506—1515. Bekanntlich ist dies Werk ein falsches, elendes Machwerk. No. 51: Biblia Sacra Valgata von Johann Gattenberg 1450—1165. Es ist die einzige von den acht Pergament-Exemplaren mit Miniaturmalereien. No. 04: Der erste hebräische, pnnctirte Pentateuch mit Onkelos and Raschi von Ibrahim ben Chaim 1482. Er ist nach den synagogalischen Abschnitten (Sidra’s) nbgetheUt. Na 32: Biblia Hebraioa, Venedig 1545. Handexemplar Mel&nchtons. Der Reinertrag dieser Ausstellung ist für die edle Anstalt das Carofa-Haas bestimmt. 2. Der Anfang einer Bibliographie der Jadenfrage anter dem Titel ״The Jewiah Qaestion“ 1870 bis 1885. Bibliogmphical hand-list, oompiled by Joseph Jacob'»“ eröffnet die neueste Nummer von Tr&bner’s ״American, European and Oriental Literary Reoord“. Jacobs stellt nicht nur alle selbstständig erschienenen Schriften zusammen, sondern auch alle Artikel in Zeitschriften, Flugblättern und dergleichen. Dieeea erste Verzeichnis» enthält 115 Nnmmem mit genauer Angabe der Titel. Unter diesen sind 48 antisemitisch, 64 prosrnaitianh und drei verfolgen Bekahraagsewecke. Von dem Umfang dieser Littmtur kann man sich einen Begriff schon daraus daea diese erste Liste noch nicht den Buchstaben B. zu Ende fahrt. 8. Wenn es nicht einzelne Scheinbeweise gäbe, hätte die Ansicht von dem späteren Allgamemwerden'desTephillinlegens nicht safkommen können. Ich kann die Stelle nicht anffinaen, aber Kundigen wird es nicht nea sein, dass einzelne Kabbalisten ee als Unrecht betrachten, dass Unveraeirathete Tephillm legen. Das sind׳ Enzefanschamragen, welche im Allgemeinen keine Nachachtang gefunden haben. L. mhtiL. Dr. Bahmer, Magdeburg. Brüsk von D. L. Woiff; Magdeburg. Verleg von Robert Frises, Leipsig.