Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 45. (8.11.1883)
- Date
- 1883-11-08
- Page
- Seite 178 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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vergessen sollten, zum zweiten Male ihn einzuladen, denn eine einmalige Umladung kann seinem Selbstbewusstsein nicht genügen. Ja, er setzt sich nicht einmal mit dem ersten Besten auf dasselbe Stück Papier, so muss er zuvor wissen, wer ausser ^ihm sich noch unterschreibt, das übliche Wort ״Zeuge“ fugt er überhaupt seinem stolzen Namen nicht b^i, dazu fühlt er sich zu vornehm, um als etwas auf dem Blatte zu fangiren, wozu jeder gewöhnliche Mensch brauchbar ist.*). Sie sehen, der grossstädtische Kastengeist und exclusive Weltstadtsdünkel ist durchaus kein Privilegiurn unserer Zeit, vielmehr scheint er im Alterthümnoch üppiger florirt zu haben, als in unseren Tagen.!Der Jerusalemit wusste auf diesem Gebiet schon etwas Erkleckliches zu leisten. Sie wissen, dass es Brauch und Sitte bei den Monarchen ist, ans ihrem Palaste zur Zeit ihrer Anwesenheit eine Fahne wehen und zur Zeit ihrer Abweseneit wieder einziehen zu lassen. Die jerusalemischen Patrizier fühlten sich alle in dieser Hinsicht als Könige, ein weisser Streifen, der über der Eingangspforte flatterte, kündigte an, dass der Herr zu Hause sei, bereit Gäste zu empfangen, bemerkte man es nicht, so wusste man, dass er anderswo weile oder wenigstens keine Neigung verspüre^ Bekannte jetzt bei sich zu sehen. — An der Thür seines Hauses sah man auch öfter den Griff des Schlosses nach der verkehrten Seite gewendet — die Beschaffenheit der alten Schlösser muss das wohl gestattet haben — dadurch gab er zu erkennen, dass er bereits Jemandem sein Erscheinen zu einer Festlichkeit zugesagt hatte und von weiteren Einladungen 'verschont bleiben wolle.**) (.Schluss folgt.1 Eindrücke einer Reise durch Indien von einem Israeliten.***) Das Nachfolgende wird Ihren Lesern vielleicht eine willkommene Ergänzung zu den Artikeln: ״Die Jaden in Indien“ bieten. -Ich habe eine zeitlang in Mitten der Israeliten von Bombay und Calcutta gelebt; habe nicht allein ihre Tempel und Schulen besucht, sondern, Dank der Gastlichkeit der Israeliten, ihr hängliches Leben des Oefteren beobachtet. Die jüdische Bevölkerung Bombay’s besteht aus zwei Elementen, die scharf von einander gesondert sind. Es sind die aas Bagdad Herstammenden und die Beni Israel. Die Letzteren sind seit Jahrhunderten, die Ersteren seit etwa */, Jahrhundert im Lande. Die Bagdadis sind die Mitglieder der Familie Sassoon, ihre Angestellten nebst Anhängsel. Durch Wohlthaten innerhalb und ausserhalb der jüdischen Kreise hervorragend ist das in Indien weilende Oberhaupt dieser Familie, Mitglied des Stadtrathea. Wie denn die hervorragenden Mitglieder der Gemeinde der Bagdadis eine Rolle in der vornehmeren Gesellschaft Bombay's spielen. Man kann sie von den europäischen Christen höchstens durch den schönen orientalischen Typus der Damen unterscheiden, denn die Schönheit der Bagdadis zu dienen, ist -eine ganz besonders aasgezeichnete. Natürlich kleiden sie sich auch europäisch, was den Damen besonders nicht zum Vortheil gereicht. *) Qittis IX, 8. **) Die Stelle ist etwas dunkel, manche erklären ״er kehrte die um“, *■ Üommentar z. 8t. *•*) Nach *Aroh. ier.“״ ül -1 •׳ nii'rtilWtiri ״ . ■ «-■ 1 ־1־ Das orientalische Costüm der Männer unterscheidet sich nur wenig von dem des Arabers, and ist der Kopf des kleinen, rothen Fes immer blau, und der um den Fes geschlungene Turban ist von einer besonderen Art mit der Hand gedruckten indischem Cattnns. Die Damen tragen eine länge, seidene Robe, bis zum Halse mit Knöpfen besetzt, von welchen die obersten oft von Gold sind. Die Aermel sind bis zum Ellbogen sehr schmal und von da sehr gross. Die Brust ist mit einer Art Leibchen von aussen bedeckt, welches über das Kleid gelegt ist und welches gewöhnlich mit dem sehr dichten Goldschleier, und Keuehel heisst, gemacht wird. Ueber dem Goldschleier ist ein durchsichtiger, mit Zeichnungen gezierter Stoff gebreitet, welcher etwa die Mitte zwischen Gaze und Spitze hält. Der Kopf ist gewöhnlich bedeckt mit einem schönen Tuche von brodirter Seide; aber an Festtagen krönen diese Damen ihre prächtige H&artour mit einer runden Sammethaube, die ganz besäet ist von Spitzen in Gold. Von der Haube hängt eine goldene Eichel herab, die durch eine Goldschnur befestigt ist. Man kann eine kokettere Haartracht sich nicht vorstellen. Sämmtliche mit Gold umsäumt vollenden diese liebliehe Zusammenstellung. Doch all’ dieses erscheint uus bekannt und artet im Vergleiche zu der ia Burga fast unbekannten Race der Beni Israel, von welcher so viel ungereimtes Zeug erzählt wird. Ich will mich begnügen das zu sagen, was ich gesehen habe In Betreff der Physiognomien habe ich grosse Verschiedenheiten unter den Individuen gefunden. Mehrere waren nicht dunkler, als ein spanischer Hidalgo und glichen im Typus allen Israeliten. . Aber die meisten Beni Israel glichen stark sowohl in Farbe, als in Figur den eingeborenen Hindis. —- Jede Seote, jedes Volk in Indien hat seine eigene Art, sich zu kleiden und besonders die Haartracht unterscheidet die verschiedenen Bevölkerungen. Die der Beni Israel ist ein Turban von weissem indischen Zeuge in komischer Form. Wer diesen Unterschied in der Kleidung nicht beachtet, vermag die Beni Israel von den gewöhnlichen Eingeborenen nicht zu unterscheiden. Auf der Strasse ist der Beni-Israel ein Heide, er spricht höchstwahrscheinlich nur Maharattisch, aber in der Synagoge ist er ganz ein sephardischer Jude, nur dass man die Schuhe vor der Synagogenthür ablöst. (Hieran schliesst der Verfasser eine Betrachtung über das Gefühl, welches die merkwürdige Thatsache hervorruft, dass man mit sonst in allen Stücken so fremdartigen Wesen im Wort und def^-WeHfe-des Gebetes und de? Gottesdienstes so ganz übereinstimmt. (Schluss folgt.) Bemerkungen zu Prof. Dr. Bacher’s Arbeit über die Agada. Von Rabbiner Dr. Gl^ldfahii. (Fortsetzung > Nicht bekannt dürfte es aber sein, dass der Okeanos und das todte Meer auch sonst wiederholt mit einander verwechselt worden, sei es, dass man irrigerweise einfach die Namen mit einander verwechselte, sei es, dass man das, was ursprünglich nur dem todten Meere gegolten, verallgemeinerte und auf den Okeanos übertrug. Die Nichtbeachtung dieses Umstandes hat schon 80 Manchem, namentlich aber Herrn Oberrabbiner Dr. Alex. Ko hat, einen üblen Streich gespielt. Vor längerer Zeit kam mir nämlich durch Zufall No. •r> % 2. 1872 der von Kayserling nnd Kohn in Budapest früher redigirten ״Ungarisch-jüdischen Wochenschrift“ ia die Hände. In einem Aufsätze mit der tJebersohrift: ״Die Mythe vom Okeanos“ will Herr Dr. K. über alle Zweifel erhoben beweisen, ---