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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-11-01 · No. 44. (1.11.1883) · p. Seite 174

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 44. (1.11.1883)
Date
1883-11-01
Page
Seite 174 (sequence 2)
Language
German
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r Furcht sich niaht erwehren konnten, denn, wie der grosse Dichter sagt: Der Aberglaube, imdem wir aafgewachsen, Verliert, weh wenn wir ihn erkennen, ״ Drum doch noch seine Macht nicht aber uns. Und warum sollte etwa die Zahl 13 eher das ^v&eoht haben, als ominös verpönt za sein, als irgend f «ine andere Zahl? Uebrigens aber darf nioht verschwiegen werden, dass diese Sehen vor paarigen T^blgn neu■ in den östlichen Gegenden, in den Eav' phratlhndem, bestand, in den westlichen hingegen, im" - eigentlichen Paltetina, war man so aufgeklärt, sich aber dieses und manches andere mnthig hinweg za aetsem*) Ueberhanpt möchte ich zum Schlüsse noch daran erinnern, dass selbst innerhalb eines Landes, ja sogar innerhalb eines kleinen Umkreises, in Ton and Haitung der Bewohner Unterschiede hervortreten. Es ist dies eine Wahrnehmung, die sich wohl einem jeden von uüs fast täglich aufdrängt. Wie ganz anders benimmt sich der Grossstädter als der Klein- Städter, und dieser wiederum wie sehr unterscheidet er sich vom gewöhnlichen Dorfbewohner! Und wenn mtn weiter hinaus schaut, so macht man die Entdeck ang, dass die Hauptstädte sich am meisten durch ihre feinere, gebildetere Art hervorthnn, dass dann die naheliegenden Ortschaften, welche mit ihnen häufiger in Berührung kommen, am schnellsten sich ihre besseren Manieren aneignen, die entferntesten wiederum am längsten in einem gewissen bäuerischen, ungelenken Wesen verharren. Dieselbe Beobachtang können wir anch bei den Völkern des Alterthume machen; wir wollen sie aber hier nur auf dasjenige Volk einschränken, dem wir überhaupt am meisten heute unsere Aufmerksamkeit zugewendet haben. Wie wir soeben einen Unterschied zwischen dem westliohen Babylonien und dem östlichen Palästina heraaegefnndeu, 80 bemerken wir denselben auqh innerhalb des letzen Landes zwischen der nördlichen Provinz Galiläa nnd dem südlich im Umkreis der Hauptstadt Jerusalem gelegenen Jadaea. Die Galiläer waren ein kräftiger, zäher nnd biederer Volksat&mm, aber sie galten als bäuerisch und ungelenk, als gesellschaftlich wenig gewandt, and geistig nicht sehr geweckt. Ich brauche nur darauf aufmerksam za machen, dass auch dem Stifter des Christenthums ■eine Herkunft aus der galiläischen Stadt Nazareth von seinen Gegnern vorgehalten und dadurch die Schwierigkeiten, die seiner Wirksamkeit entgegentraten, nicht unerheblich erhöht worden sind. Die Galiläer sprechen nicht eine so reine Sprache wie die südlichen Bewohner des Landes; man machte sich, etwa wie wir es heute bei den Sachsen und Schwaben than, über ihren anreihen Dialect lustig, nnd erzählte sich allerlei laanige Schwänke über die sonderbaren Missverständnisse, die sie mit ihrer Sprechweise angerichtet.**) ~ Ganz anders waren die Bewohner Jadaea’B. Sie befleissigten sich *V *) Peaachim nUW ל* ק®־ K315Ö3 ־•*> Brahin ÖS. einer reineren and gewählteren Sprache and legten auf die Gewandheit und Urbanität im Verkehr einen hohen Werth; ihr Gesichtskreis war ein weiterer, Ton nnd gesellschaftliche Formen viel freier, 80 dass sie beispielsweise, während anderswo nach orientalischer Manier Bräutigam und Braut nioht ohne Anwesenheit Dritter mit einander verkehren durften, darüber nioht so rigoros dachten and gegen eine Unterhaltung tötei-tete unter vier Augen beim Liebespaare nichts einzuwenden hatten!*) (Schluss folgt.) Ein genealogisches Schreiben.**) 2. ßabbt Lowe ben Bezalel.***) Der weltberühmte Prager Oberrabbiner war ein Feind des Morenatitels, seine Grabschrift lautet demgemäss folgendermasseu: ״B. Löwe b. Bezalel, weiland Landesrabbiner in Mähren and Posen, segnete im siebenandneanzigsten Lebensjahre das Irdische als Oberrabbiner Prags am 18. Elul 5369.״ Bei ihm ging Gelehrsamkeit nnd Frömmigkeit, .Glanz und Beichtham Hand in Hand. Eine dauernde aufrichtige Sympathie Kaiser BadolPs, die er gewann, verursachte, dass man das mastergiltige Beispiel der aufrichtigen Freundschaft des Dioskurenpaares im Talmud, die des Kaisers Antoninas und Babbi Jehuda, des Heiligen, auf ihn an wendete. Zu der erklecklichen Anzahl seiner Schriften, die 'grösstentheils bekannt sind, ist naohzntragen, dass er den Talmudtext za den talmudlosen Theilen der Mischna (Seraim und Taharoth) znsammenstellte, bestehend aas Analecten von den übrigen vier Theilen des Talmuds, dazu einen Commentar beifügte zur einfachen Enanciation des Sinnes, wie der Basehi’s, and einen pilpnlistisohen Theil wie die Tosafoth. Aach verfertigte er ein Compenditun decisiver Art über die Halacha im Talmad; ebenso besass er eine reiohhaltige Sammlung No vallas und Besponsen eigener Handschrift. Dies Alles wurde ein Banb der Flammen, beim verheerenden Brandeim Jahre 1689. — Schreiber dieser Zeilen sah anch noch bei seinem Vater, 866L Angedenkens, eine Venediger Talmadaasgabe von 1520 mit Marginalien dieses illustren Autors — die Schrift herrübrend von der Hand seines Schwiegersohnes B. Isaak Cohn, mit Zasätzen von Scribenten versehen — mit staunenerregendem Aufwands von Scharfsinn und Gelehrsamkeit, die leider aber abhanden gekommen, nnd nur zwei Tractate, Sukkoth nnd Erabin, blieben im Besitze meines Bruders David Perles. — Um etwas aus seinem Leben zu erzählen, folge ich schlioht den wahrheitsgetreuen Worten meiner Eltern. B. Löwe heirathete seine Lebensgefährtin erst im zweianddreissigsten Lebensjahre. Die Ursache war die: er *) ibid. und Ketaboth I., 5. **/ In den Notizen No. 37 dieses Blattes wird mein .genealogisches Schreiben“ in No. 33 besprochen and gerügt, dass es .nicht Weniger als neu“ and ״ungenau übersetzt“ sei. Hinsichtlieh letzterer Beschuldigung muss ich erklären, dass ich dem Originale, das mir vorlag, folgte, and alles möglichst wörtlich wiedergegeben habe. In Bezug auf das Erstere aber dürften selbst die Varianten, die der geehrte Schreiber jener Zeilen aas der Zeitschrift “)E7X1 anführt, zum Beweise dienen, dass ich die-, selbe nicht gesehen habe; ebensowenig das Bach משה m9Q, welches höchstens einen bibliographischen Werth hat. - ***) Im obigen Artikel habe ich alles was R. Löwe anbetrifft. — ausgenommen einige CariositUen — treu dem Manuscripte nach wiedergegeben. In Betreff seiner Deecendenten aber, wollte ich den Leser mit einem Register von Namen, die von geringem Interesse sind, verschonen, weshalb ioh sie nar resumirena angab.

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