Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 43. (26.10.1883)
- Date
- 1883-10-26
- Page
- Seite 172 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Recezurixmen. ־ BeafeM, Dr. L* Professor und Braunschweigischer Landeerabbiner. Einblicke in das Sprachliche der semitischen Urzeit u. 8. w. _ (Fortsetzung.) Als erstes ־Wort erörtert der Verfasser 3$ überaetct es ״Gräne, Frische“, (hinweisend auf Hioh8,12). 3א leitet er von ״ א3בsprossen“ ab und von ihm auch ״ אכלGrasplatz“. - Verfasser nennt diese Ableitung zweifelhaft; aber nach seinem Ableitungsgesetze sicher zulässig. Es bleibt aber hierbei zweierlei zu prüfen. Erstens: Die Bedeutung ״sprossen“. Wenn man den Vers im Hohenlieds 6,11 genau betrachtet ירדתי לראות אל ננת אגוז כאבי הנחל לראות הפרחה הבנק מ und sieht, dass der Dichter von einem Garten spricht, in welchem Baumpflanzungen sich vorzüglich bänden und hierbei רמנים׳ 3פן, אנה mit אכי הנחל zusammenstellt, wenn man ferner H»ran denkt, dass mit אכיב die in reifen Aehren stehende Feldfrucht bezeichnet wird und in Daniel 4,9 אנביה ausdrücklich die Fracht bezeichnet, die reif ist, so wird die Bedeutung ״sprossen* nicht 'genau genug, vielleicht äberhaupt eine unzulässige Bezeichnung der mit א3כ ausgedrückten Art des Wachsthums sein. Wenn in Hiob 8,12 ״ עדנו כאבוnoch grünt es“ übersetzt wird, ist wohl der Sinn der Stehe nicht scharf genug wiedergegeben. Der Dichter wollte wohl mehr den Fall der Frevler so darstehen, dass diese von der Höhe ihres Glüokes plötzlich herabstürzen und dachte bei tM3 mehr an die״־Reife“ wie an das ״Gränende“ Wenn א3כ das Seifen der Frucht bedeutet, dann wird אכל besser mit ״Fruchtfeld“ als mit ״Au“ zu übersetzet! sein. Zweitens: Ist ״reifen“ eine Urbedeutung? Ist אכב ohne Verbindung mit anderen Stämmen? Beides erörtert der Verfasser nicht. Wir wollen eine Antwort versuchen. Wir haben noch ein Wort, mit welchem das ״Reifen“ der Früchte im Hebräischen ausgedrückt wird und das ist בשל und im Hifil הבשיל, siehe Joel 4,13 כי כשל קציר und Gen. 40,10 הכשילו אשכלתיה. Nun ist bekannt, dass mit כשל das durch Kochen oder Braten, also durch Feuerkraft oder Sonnengluth herbeigeführte Garsein des Nahrungsmittels bezeichnet wird. Der Ideengang liegt nun klar vor uns, dass ״reifen“ als ein ״Garmachen durch Sonnengluth“ gedacht wurde. Welche von beiden Beobachtungen die ältere war, also welche Bezeichnung die ursprüngliche, ist schwer festzustellen; vermuthen lässt sich, dass die ״Reife“ eher beobachtet und benannt wurde, als das ״Kochen“. Die Grundidee aber ist ״durchglühen“. Lassen wir uns jetzt vom Begriffe und seiner Entwickelung leiten, so würden wir in א3כ auch ein ״durchglühen“ suchen müssen. Nun wissen wir genau, dass 0״ הב(הsengen, braten“ bedeutet, geradezu für אביב im Targum zu Lev. 2,14 ebraucht wird. Wir hätten also hiermit eine beeutsame Stütze für unsere Vermathung. Es wird aber nicht ansbleiben, dass wir an אפה denken, welches ״backen“ bedeutet und nur in diesem Sinne vorkommt. Stellen wir nun הבהב. אפר* א3כ zusammen, 80 ist ihre Verwandtschaft wohl nicht abzaleugnen. Urbedeutung ist das ״Glühen“. Das ״Sonnenglü nen“ wird ״reifen“, das ״Feuerglühen“ wird ״backen, sengen“. Die Sonne ist die Fruchtreife bringende Gewalt, die ״Gluth“ Sollte nicht ״ אבVjater“ ״Meister“ ursprünglich die Sonne in ihrer Gluth bezeichnet haben, welche ja die alte ־ Welt als männliches, kraftvolles Wesen, den Gatten der Erde, den Vater der Geschöpfe in ihrer heidnischen Auffassung verehrte? (Fortsetzung folgt.) R6nan, Ernst. Jadenthum und Christenthumr ihre ursprüngliche Identität und allmälige Scheidung. 1883. 30 S. 8*. Der sensationelle Vortrag, über welchen wir seiner Zeit, als er zu den bedeutendsten, das Jadenthum berührenden Tagesereignissen gehörte, ausführlich in der ״Wochenschrift“ berichtet haben, liegt nunmehr in einer guten und würdig ausgestatteten Uebersetzung vor. Der Gedankengang ist damals richtig wiedergegeben worden. — Die Bedeutung, welche die Bibel für die ganze Welt gewonnen hat, erweist die Wichtigkeit des Stadiums des Judenthums. Wer das Ghristenthum ergründen will, muss das Judenthum studiren. Dieses Judenthum begründet Ränan nun freilich nicht mit Abraham, auch nicht mit Moses, sondern erst mit Jesajas. Hier ist’s ein chronologischer Dissens, den wir mit dem berühmten Verfasser haben. Was wir vom Sinai (circa 1400) datiren, macht er um 600 Jahre jünger — sonst stimmen wir überein: ״Die Moral ist in die Religion eingekehrt, die Religion ist zur Moral '־־’־־' "' * ־ ־ 'י יי״ bar eines Gottes“ bemerkenswerth ist) und dem I. Kapitel des Jesajas nachgewiesen. Die Propheten im Kampfe gegen den Gottesdienst der Opfer für den Gottesdienst, der in dem reinen Ideal der Moral und des Guten beruht, werden abgelöst von den alexandrinischen Verfassern der sibyllinischen Gedichte Und diesen folgen die ersten Begründer des Christenthums. Diese wussten sich in der Gemeinschaft der jüdischen Familie. Sie glaubten, das ׳Gesetz zu erfüllen, nicht aber, es aufzuheben Selbst Paulus hat sich niemals von der jüdischen Kirche zu trennen geglaubt. Ganz jüdisch aber sind die Epistel St. Jacobi und St. Judae, die Apokalypse Johannis (68 oder 69). Und die von jüdischem Patriotismus erfüllten Bücher (Judith, Apokalypse des Esra, des Baruch — 75 oder 80) verlieren sich bei den Juden und werden nur von den Christen aufbewahrt. Die Evangelisten sind ״zweiseelig“ — strenge, ״bisweilen ungerechte Worte“ gegen die Pharisäerbrauchen sie und doch beurkundet selbst Lucas, dass Jesus alle Ceremonien des Gesetzes erfüllt hat. Der Brief des römischen Clemens (gegen 100) zeigt, dass die Scheidung nicht im Geringsten vollzogen war. Der Gnosticismas ist der Feind des Judenthums und er erstand erst 100 Jahre nach dem Tode Jesu. Die orthodoxe Kirche dagegen weis 8 auch im II. Jahrhundert sich innig mit der Synagoge verbunden. Papias ist ein Judenchrist, MeUton (100) holt den jüdischen Kanon, das Testament der 12 Patriarchen und besonders der Hirte des Hermes sind jüdische Werke, letzteres eine ״wahre Agadah“. Die Scheidung vollzog sich erst in der Zeit Marc Aurels, doch noch zeigt der Roman, dessen Held Clemens Romanos ist, dass man das Judenthum als eine gleichartige Form des Christenthums ansah. Die alexandrinische Schule ist die Erbin eines gemilderten Gnosticismas and deshalb Feindin der Juden. Doch selbst, als das Christenthum Staatsreligion geworden, im 3. Jahrhundert (nach 380), ging das Volk in die Synagoge, dort feierliche Eide zu scfewören, weil dort ״das Gesetz und die Propheten“ sich befinden, oder das Osterfest zu feiern. — Aus dem Schlussresunfe sei nur noch der Satz verzeichnet: ״Ja, die Welt ist jüdisch geworden, indem sie sich zu den Gesetzen der Milde und Menschlichkeit bekehrte, die von den Schülern Jesu gepredigt wurden“. Es ist Vieles gut und schön darin gesagt — und wenn auch nicht Alles neu ist, durch R4nan verkündet, wird es erneut wirkungsvoll. L. Verantwortlicher Bedacteur Dr. Bahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Bobert Frie ae, Leipzig.