Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 42. (19.10.1883)
- Date
- 1883-10-19
- Page
- Seite 167 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/6492408-6488246-8756058--0241-4855628- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Arbeiten, wie vortrefflich sie auch waren interessirten doch nur einen kleinen Kreis von Fach: nännem und Gelehrten, — und der Mann der ־Wer (statt wurde neben dem Glanze der Häuser der älterei 1 Brüder bald unbeachtet und vergessen. Poggendorf*) nennt als Nathan’8 äui sere Lebensmomente: Mechanikus in Berlin 1808--1813, dann 167 in Schlesien und Liegnitz und Forvon er &h8 Berlin am Dr. Beer in im Hofrath . Auch Nathan Landwehroffizier bis 1821, Industrieller bis 1828, darauf Steuereinnehmer in Glatz und seit 1836 Revisor der Hauptstemp« 1 mular-Magazin-Verwaltung in Berlin. Von Instrumenten lieferte er: Eide Kreistheil masohine 1810, die erste in Berlin, Luftpumpen mit Glasstiefeln, grosse Waagen, Sextanten ~ Kreise u. s. w.**) Ausführlicher und öfter berichtet von il im Alexander von Humboldt. Gleioh nach seiner Heimkehr der amerikani sehen Reise schreibt 22. April 1806 an den Jugendfreund Glogau, den er in frühester Jugend Herz’schen Hause kennen gelernt hatte: Mendelssohn ist hier und hat sich zu einem trefflichen Menschen gebildet.“ — Humboldt, der auf seiner Reise vollauf’ Gelegenheit hatte, den י Verth 'astronomischer, geometrischer, physikalischer Instrumente zu prüfen und zu würdigen, war von der Vortrefflichkeit der Instrumente Mendelssohu’s ganz besonders eingenommen und empfahl sie angelegen tlichst. ,Unter den mannigfaltigen Ursachen sagt er ausfohrlich***), welche im nördlichen Deutschland den Fortschritten des ausübenden Theils mathematischer Wissenschaften entgegenstehen, ist eine der grössten die Schwierigkeit, sich genaue astronomische und geometrische Instrumente zu verschaffen. Ic 1 schmeichle mir in dieser Hinsicht, dem arbeitenden Theile des scientifischen Publikums einen nicht unangenehmen Dienst zu erweisen, wenn ich demselben t nzeige, dass sich ein vortrefflicher Künstler, der in London und Paris unter vorzüglichen Meistern gebildet, Herr Nathan Mendelssohn (Sohn des berühmten Moses Mendelssohn), in Berlin niedergelassen hat. Sene Arbeiten bedürfen meiner Empfehlung nicht, und ich begnüge mich, in dieser Anzeige nur die Gegenstände zu nennen, auf welche dieser junge Künstler bereits in dem gegenwärtigen Zustande seiner Werkstatt Be- Stellungen annehmen kann. Seine Adresse, fahrt Humboldt fort, ist: an.den Mechanikus Nathan Mendelssohn zu Ber in, Behren- Strasse No. 60. Auf Verfertigung ausschlijesslich sögenannter meteorologischer Instrumente i (Barometer, Thermometer und Hygrometer) wird erj sich nicht einla88en, um so weniger, als ein allgemein geschätzter hiesiger Künstler, Herr Renard, dieselben vorzüglicher Güte liefert. Auch Bestellungen von physikalischen Apparaten, z. B. Elektrisirmasnhinen, können nur dann angenommen werden, wenn dieselben von beträchtlicher Grösse nnd vorzüglicher Genauigkeit gewünscht werden“. Soweit Humboldt’s Anzeige von Mendelssohns Instrumenten, f) Auf Humboldt’s Vermittelung erhielt Mendelssohn eine Staatsunterstützung zur Herstellung jBiner Kreistheilungsmaschine, die nach Poggendorf 18JL0 vollendet *) Biogr. litterar. Handwörterbnch zur Geschichte der exacten Wissenschaften. **) Gilberts Annalen der Physik und Chemie* Band 22, 40. ***) Gilberts Annalen, Band 22, Seite 362. ן t) In einem Vorträge über die Entwickele ׳ nischen Kunst in Berlin sagt Herr Dr. Loews* Polytechnischen Gesellschaft): ״Die mechanische rlin ent Anfänge unseres Jahrhunde: i deutung. verdient. mechanische^. wurde. Auch hat e! Zeitschrift herausgegeben, die aber nicht fortging. (Schloss folgt,) Das Institutum judaicum. der mechaerz (in der anst gewann einige Be- Nathan Mendelssohn war der Erste, dfr Erwähnung Unter der speciellen Fürsorge and Protection des von Christen wie Juden gleioh hochgeachteten Professors Franz Delitzsch bjesteht seit einigen Jahren an der hiesigen Universität ein sog. ״Institutum judaicum“. Dasselbe wird aus ungefähr ' 30 bis 40 Mitgliedern, d. h. Studirenden aller Fakultäten, gebildet nnd befindet sich gegenwärtig unter der Leitung des Sekretairs W. Fa ber, welcher ebensosehr durch die gründliche Belesenheit in der jüdischen Lifcteratur als ein würdiger Schüler seines Meisters Delitzsch sich bewährt. Das vom Institutum aufgestellte und vertretene Programm ist ״wahrheitsgemässe Kenntniss des Christeuthums .. unter den Juden und wahrheitsgemässe Kenntniss des Judenthums unter den Christen zu verbreiten“. Und trotz seines kurzen Bestehens besitzt es bereits eine stattliche Bibliothek , von grösseren und kleineren,. diesem Zwecke dienenden Werken, welche erst kürzlieh dnreh eine Anzahl von zwanzig verschiedenen hebräischen Grammatiken, ein Geschenk von Professor Delitzsch, eine wesentliche Bereichernng gefunden hat. Im Institutam judaicum weilte vor wenigen Wochen auf seiner Reise nach einem anderen Erdtheil einer der Angeklagten des Tisza-Eszlarer Falles, Hermann; Wollner. Ans seiner Keimath, wie er selbst erzählte, sammt Weib und Kind mit Gabeln vertrieben, fand' er in den Räumen dieser Anstalt eine herzliche Aufnähme und ein freundliches Willkommen. Schon beginnt die Anstalt ihren Einfluss bis über Deutschlands Grenze hinaus geltend za machen. Die zum; Lutherfest Deputirten der schottischen and irisoben, Kirche besuchten dieselbe nnd verliessen sie hoch befriedigt; der berühmte Arabist und Theologe Professor Caspäri aus Christiania und Seine Magnifioenz Professor Dr. Cremer, Rector der Universität Greife*,: walde, nebst unzähligen anderen bedeutenden Gelehrten; der verschiedensten Länder unterliessen nicht, sich] persönlich, in Leipzig von ihrem Wesen und Wirken f zu unterrichten. So entstanden rasch auf verschiedenen , Universitäten, wie Berlin, Breslau, Halle, Greifswalde,; Christiania mit denselben Principien gleiche Kreise,! nnd bald werden andere Hochschalen deren Beispiele .j folgen. Nach dem Vorgänge von Professor Deditzsch, j der für die Mitglieder dieses Instituts aas der jüdischen Litteratur, wie Leket Zebi, Milli n derabbanan, u. 8. interpretirt, haben auch in Berlin Professor Strack; und in Halle Professor Schlottmann ähnliche Vorlesungen für die Studirehden eingerichtet. Abgesehen ׳ aber von dem Gewinn, den die einzelnen Mitglieder aas dem Studium der jüdischen Volkskunde ziehen, sind diese Kreise zugleich ein Damm gegen den־Antisemitismus, welcher zum Theil aus den zwischen־ Jaden und Christen bestehenden nnd anfUnkenntniss beruhenden Vorartheilein seine Nahrang zieht. Auch auf litterarischem Gebiete hat das Insti-’ tutum judaicum zu Leipzig bereits seine Thätigkeiti eröffnet. Soeben ist seine erste Schrift im Selbstver- ( lag unter dem Titel ״Hersohel Augusti, eine abenteuer■^ liebe, wunderliche and doch durchaus wahre Geschieht»! erzählt von Pastor Wesselhöft“ erschienen. Die kleine^ Brochüre ‘ von 47 Seiten schildert die wechselvollent Schicksale eines frommen nnd gelehrten Judenchristen.; (Hersohel-Augasti war der Grossvater des als Professor] der Philosophie, orientalischen Sprachen and Theologie i an verschiedenen Universitäten Deutschlands wirkenden^ Christian Wilhelm Angnsti.)