Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 39. (29.9.1883)
- Date
- 1883-09-29
- Page
- Seite 156 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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—— für und Studenten, die sich mit dem befassen, ist ee •in willkommenes HenfeM, Dr. lä^Profeeaor und Braunschweigischer Landesrabbiner. FümtHAe in des Sprachliche der semitischen Uraeit, betreffend die Enlstehangsweise der meisten hebräischen WoM^tämme. Hannover. Hahn’sohe Buchhandlung 1883. Nachdem die szenischen Grammatiker den. Streit 'Ober «wei- oder dimbpohstebige ־Wuneln dar hebräisehen Spraohe eröffiiet haben, hat die etyxaologisohe Forschung immer irieder die Thatsache nijter geprüft, dass es Wuneln giebt, welche «wei gleiche oder verwandte Lante haben und deren Bedeutungen einander dMwfcna verwandt sind. Fürst hatte mit merkwürdiger Comhinationsgabe Familien oder Sippen von Stämmen map. Warsein heranssufinden sich!bemüht und dabei aufhellendee Licht auf sonst dunkle Stämme faUen. lassen. Er war aber sn weit gegangen, indem er die semitischen Stämme nach Verwandschaften mit arisohen Stämmen beurtheilte und dies oft in sehr geswungener Weise; andererseits hatte Fürst aber auch Stämme für verschieden, d. h. von verschiedenen Wuneln heretammend erklärt und 80 oft aus einem bisher als nur einem Stamm bekannten Wortbilde & ja 6 oder sieben Stämme gemacht Trotzdem hatte Fürst unstreitig die etymologische Kenntniss um einen grossen Schritt weiter geführt. Man erkannte deutlich durch ihn, dass eine grosse Anzahl von Stämmen gemeinsamen Urwuneln zuzurechnen war, also eine Entwickelung aus TJrwurzeln vor sich gegangen sein, musste. Dass die Wissenschaft sich mit diesem Ermbnise nicht begnügen konnte, lag in der Natur der Sache. War die Hypothese der Entstehung einmal entstanden, 80 musste die Frage entstehen: Nach welchen Hegeln geschah diese Entwickelung? Dass eine so wichtige Erscheinung nicht regellos sein dürfe, dass in der Menge neu gefundener Sippen doch gemein- «awiA Bildungsarten sich offenbaren mussten, ahnte die Forschung und musste sie erwarten. Die Versuche, welohfi Babbinar Hirsch in seinen exegetischen Commentaren machte, waren erstens, weil sie immer nur gelegentlich auftraten, nicht zum System geworden, auch entbehrten sie der objectiven Begründung, wie sie eben für einen nicht blos homiletischen, sondern rein sprachlich-wissenschaftlichen Zweck unentbehrlich ist. Gewiss hat Hirsch darin Becht, dass die zur Bildung neuer Stämme gebrauchten Bildunglaate sicherlieh eine dem Sprachgefühle jener bildenden Zeit wohlbekannte Begriffs Veränderung hervorbringen sollten; aber gerade diese berechtigte Annahme sofort in speci&liairte Behauptungen nmzuw&ndeln, war ein Schntt, den die Forschung auszuführen noch lange Zeit brauchen wird. Es ist eine schon nicht hoch genug anzuschlagende Bereicherung der Etymologie, wenn die Bildung von Stämmen ans Urwurzeln selbst nur äusserlich betrachtet, auf gewisse Bildungsmethoden snrückgeführt werden kann. Und diesen denkwürdigen Schritt, der die Etymologie der hebräischen Sprache in ein ganz neues Stadium führt, hat der in seinem Greisenalter jugendfrisch arbeitende gelehrte Professor Dr. Herzfeld gemacht. (Fortsetzung folgt.) Notizen. 1. Zur CtaKfctehte 4er Jaäea 17M95. In Hagenau wurde die Synagoge amt.lir.h im Februar 1794 geschlossen (in Strassbnrg November 1793); die Schlüssel behielt die Behörde, walche dem Babbiner verbot, diesen Titel zu führen. Sabbath und Festtage sollten abgeechaflt sein. Der Babbiner erstrebte nun die Er- Öffnung einer verborgenen Synagoge — waaJhm freilich leicht den Kopf hatte kosten können. Ein Jade Hamens Samuel Ah gab seine nach dem Hafis gelegene Rübölfabrik daaa her and am Peene ch (April) 1794 wurde, freilich leise, darin gebetet wahrend Jaden eis Schildwachen die Strasse abpetroullirten. Am Sabbath trug man Wochentagskleider und am Jomkippur 4. Oetober) sah man wahrend dea ganzen Tagte Gemeindemitglieder in blauen Blousen und die Beitpeitsche in der Hand, durch die Stadt gehen. Darin lösten sie sich allstündlich ab, und sicherten so die Betenden vor einem TJeberfalle. Die siebenarmigen Sabbathlampen, auf welche die Polizei vigilirte, wurden in einer Art Heerd angezürntet und versteckt. Ins dauerte bis mm Juli 1796 (ab schon daa Dekret vom 31. Februar schon di» freie Beligionsübnng gestattet hatte), oder vom Erew Boeoh Chodesch Adar 5654 bia 19. Tanunus 5666. (Un. in.) 2. Im 3. B. M. Cap. 6 V. 20 macht Baachbam zu D3ST1 die kurze Bemerkung: ו2ר *WTÖ "KMC KT שלא. Der Biur zur Stelle hält den angeführten Grund des Baschbam für durchaus unhaltbar. — Marner Ansicht nach gehören diese Wort* gar nicht zu V. 20. sondern zu V. 22. וכף "Dl כל. Durch ein Versehen der Abschreiber oder Drucker ist sie zu V. 20 gesetzt worden. (Siehe Baschi und Biur zu V. 19). Za V. 29 כל 21ר sind sie am Platze, da eigentlich הכה! ה&ח&א (V. 19y das Fleisch verzehren sollte. Auerbach-Dresden. 3. Einem Werke, das die historischen Stätten Wittenbergs eingehend bespricht, entnehmen wir, dass auf einem Steine an der Ecke unten: dem Deuche der Stadtkirche, eine Sau abgebildet ist, worüber die Worte stehen: ״Babbini Schernhamphoras Wahrscheinlich stammt der Stein aas dem Jahre 1304 in dem die Jaden aus dem Herzogthüm vertrieben wurden. 4. Arch. isr. theilt als Curigsum mit. dass in mehreren Blättern eine Notiz erschienen ist, wonach ein 107 Jahr alt gewordener Arzt sein Altwerden dem günstigen Einflüsse der Erdelectrieität zaschrieb, welche durch die Stellung seines Bette von Nordost (Kopfende) nach Südwest auf ihn eingowirkt habe. Unser College verweist mit Becht darauf dass der Sohalchan Aruch (Orach Chajim 240) die Stellung des Bettes von Nord nach Süd empfiehlt. (Bichtiger wäre aas Citat Talmud babli Berachoth 5 b gewesen. 5. Von dem Pater Perreaa, Bibliothekar an der Deroasiana in Parma ist eine Erklärung hebr. talmndischer, chaldäiseher etc. Abkürzungen (ca- 3000), von Büchertiteln, Namen von Schriftstellern, Grabinschriften gedruckt worden (Arch isr.) 6. אמוץ הלב. Aus einer längeren Abhandlung des Herrn L. Cohen (Bees) über die Stelle יכאמוץ fOT־D TW קבל הלב (cfr. ״Litteratarblatt“ No. 27) theilen wir das, was darin zur Rechtfertigung der von Herrn Dr. Krönet (Brandenburg) angegriffenen Lieseart gesagt ist, hier ausz&glich mit: Herr Babbiner Dr. K. schlägt die Leseart אמץ לבי״“ (für "באמוץ הלב" ) vor ״sei fest, mein Herz!“ Abgesehen davon, dass eine solche Parenthese zwischen zwei Vocativsätzen etwas hart klingt, was verlangt er im Grunde damit anderes, als "אמוץ הלב" Herzensfestigkeit, Selbstermnthigang, Ausdauer zum Ausharren im Gebet und Beruhigung wegen der erwarteten Erfolge. (Cfr. רש״י zu Pa. 27,14.) Ferner Tr. Be rach 32: בל המתפלל ולא נענה יחוור דתפלל של קוד, אל דד תק ויאמץ לבך וב׳; ferner:ריש לקיש אומר כל המאמץ עצמו בתסלה יב־; desgi. p8. 32,26: חוקו ויאמץ לבבכם כל הטיחלים לדל. Beten und hoffen kann, ja soll man הלב and der Vorbeter wird ruhig ע״דדש״ל“ באמוץ הלב recitiren können, ohne sich einer Blasphemie schuldig zu machen, wenn er vorher mit Andacht gebetet hätte קבל שועתי באמוץ ״ הלבNimm anf mein Gebet, (welches ich) mit Herzensfestigkeit (verrichte).*) Ich verzichte hierbei auf die früher von mir gewählte Ueberseteung ״mit Inbrunst“, wenn dieses Wort den Begriff אמוץ הלב nicht vollständig decken sollte. אמוץ הלב ist nur verpönt bei Ausübung des Bösen, bei einer guten That erhöht er deren Werth, ln diesem Sinne beten wir daher auch*» היום תאמצנו *ad in der סליחה anfangend ה׳ אלדד רבת צררוני beten wir: סקשתיך אמצת לבי(**• — Herr Cohen geht hierauf ausführlich auf die Vieldeutigkeit des Wortes pjfl ein, wir werden auch hieraus das Stichhaltige in nächster Nummer mittheilen. (Red.) *) Aber nicht תאמץ לבבנו (Red.) **) Dass die Poötanim keine Gewährsmänner für correcte Sprachformen sind, dürfte Herrn Cohen sicherlich nicht unbebannt sein. (Red.) Verantwortlicher Bedactear Dr. Rehmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wplff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig-