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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-09-15 · No. 37. (15.9.1883) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 37. (15.9.1883)
Date
1883-09-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Zur Beleachtaag •Iler Jadentham and Jide! betreffenden lltternrtachen Er* 1eh«l111|n •af den Gebiet« der Philo• sophle, GeaehleMe» Ethnographie, Theo• logt«, OrieitslU, Exegeae, Homiletik, LItargU, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahmen 91£a<j 32414. kj, 15 S2pt2m4ct- 1683. H&ther der einschlägige■ Llttemtary«eiehe der Bedertlon iifeMidt werden, Anden In diene* Blatte eingehende Beepreelpnag. Bel Blnseadnng tob sw ei Beeensions» Exemplaren erfolgt einmalige kmrse ׳ Gratis-lnserti•■. Das ״Jidlsche Lltteratar-Blatt» erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (in' Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Hark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 3 Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 85 Pf. für die gespaltene Petitzeile berechnet und von der Expedition dieses Blattes sowie durch die Central-Annoncen-Expedition* von 6• L. Daube t Co., Frankfurt a. M., Magdeburg(, Berlin, Cöln, Hamburg, München, Zürich, Wien, Paris befördert Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: R. Israel Nagara, dlar letzte würdige Repräsentant der spanischen Poetanim. Von Dr. M. H. Friedländer. (Schluss). — Der Splitter und Balken im Auge. Von Dr. Sidon in Wersebetz. 1 Litteraturberichte: Wünsche. Dr. Aug. Der Midrasch Ruth Rabba etc. Von Dr. Kroner, Erfurt. (Schluss). — Briefwechsel einer englischen Dame über Judenthpm und Semitismus. — Der Freitag Abend. Unterhaltungen im häuslichen Kreise über die Wochenabscbnitte etc. Von Rabbiner Dr. S. Dankowitz, Birnbaum (Posen), i Notizen. R. Israel Nagara, der letzte Repräsentant der spanischen Poefanim des 10. Jahrhunderts. Von Dr. M. H. Friedländer, Rabbiner in Jenikau. (Schluss.) Israel Nagara, der um 15G0 zu Gaza als Rabbiner wirkte, und dessen Vater R. Moses Nagara eia Mitglied des Rabbinats-Collegiuras zn Safet, das von R. Joseph Karo prasidirt wurde, gewesen ist, war der letzte würdige Repräsentant der spanischen Poetanim. Er hatte sogar einigedergenanntenDichter der spanischen Schule, welche seine Vorbilder waren, in vielen Be- Ziehungen ׳ übertroffen; denn die Dichtungen der Spanier drückten zumeist den tiefwurzelnden Schmerz über die verlorene Herrschaft Israels mit einer Innigkeit und Wahrheit aus, die wahrhaft rührend sind, wiewohl in ihrer Rückkehr zur ursprachlichen Reinheit schüchterne und unfreiwillige Rückschritte manchmal noch gefunden werden. Israel Nagara aber, welcher mit geschickter Handhabung der mannigfachsten Metra die älteren Poetanim überfliegelt, ist schon durch sein selten gewordenes Werk ״Semiroth Israel“, ״Gesänge Israels“ in der hebräischen Litteratur rühmlichst bekannt. Die Semiroth Israel zerfallen in drei Abtheilningen, die erste ״Olat Tamid“, 225 Gedichte für die tätliche Andacht enthaltend, die zweite ״Olat Schabbat“, 54 Stücke, an den Inhalt des jedesmaligen pentateuchischen Wochenabschnittes anknüpfend, die dritte ״ Olat Chodesch“ für Neumonde und Feste. 67 Gedichte, darunter mehrere umfangreiche, so für Chanukah eine eposartige Versifikation der Megillat Antiochus, ebenso für Purim die Ester-MegiUah in Reimen, etwa in der Form des Adon Chasdeclia von R Jehuda ha-Lewi, und für den Sabbath vor Pesach die Geschichte der Erlösung aus Egypten. Einige Stücke der ״Smiroth Israel“ hat der sei., 11m die jüdische Litteratur hochverdiente Dr. M. Sachs in’s Deutsche übersetzt. Den zweiten Theil seiner ״Gesänge' Israels*, welcher sich handschriftlich auf der k. k. Hofbibliothek zu Wien befindet, habe ich noch als Student im August des Jahres 1858 in Wien unter dem Titel ״Pismonim“, ״Hymnen des. R. Israel Nagara“ zum ersten Male veröffentlicht. Die Hymnen des R. Israel Nagara, welche nach dem *erkennenden Ausspruche seiner Zeitgenossen fast den Psalmen angereiht zn werden vollkommen würdig seien , entsprechen sowohl dem religiösen Bedürfhisse, als sie in poetischer Beziehung allen Anforderungen der Dichtkunst genügen. Dieser Ansioht wird zweifelsohne Jeder beipfliehten, der Gelegenheit gefunden hat, seine bereits erwähnten Gesänge ״Semiroth Israel“ zu lesen, welche von den letzterschienenen Hymnen dieses religiösen Dichters um Vieles noch übertroffen werden. Ein erhabener Geist dnrehzieht sie und belebt die Kraft des Glaubens an die göttliche Allmacht und die Ergebung in ihren heiligen Willen.*) Nicht minder durchweht dieselben ein Hauch von tiefer Wehmuth, der eine stille Trauer weckt und die .Gefühle schmerzlich bewegt. Doch verleihen-sie auch Kraft durch Trostverheissungen, wie sie zugleich erschüttem, wenn sie von der Macht Gottes in. einem Bilde der Naturereignisse, z. B. vom Donner, eine Schilderung entwerfen. Die gewählten Bilder seiner Dichtungen sind zwar nicht originell, denn man findet dieselben häufig in der Bibel, dennöch aber sind sie als gewählte Texte zu den Dichtungen als vortrefflich zu bezeichnen, indem er ein Bild. aus den gewöhnliehen profanen Lebensverhältnissen zur religiösen *) Sachs äusserte sich über Nagara in folgender Weise: ״Als die Zeit des Oesanges längst - entschwunden und die in Spanien and der Provence von edlen Geistern lange gepflegt» Kunst aus der Mitte der Juden entwichen schien, entstand ihr im Oriente ein eifriger Pfleger in R. Israel Nagara, der die Verstummte Zionsharfe wieder von den Weiden nahm und ihr liebliche Töne entlockte. In einer edlen Form, In künstlich verschlungenen Rhytmen, mit Inbrunst und frommer Hingebung sang er den alten Meistern nach, und die Sehnsacht, die in ihnen glühte, stimmte auch ihn za bald klagenden, bald hofinangareichen Klängen; auch er umwand Sabbath und Fest mit Kränzen und goldenen Schnüren, an’, denen die Perlen poetischen Empfindens aufgereiht waren. Spannte er auch keine neue Saite auf das alte klangreiche Psalter, das schon so vielfache Melodien getönt, so wusste er mit kunstfertiger Hand es in alter Weise erklingen zu lassen, — kein ursprünglicher schöpferischer Genius, aber ein kundiger Virtuos, voll Talent, Uebnng und Ernst“. (Busch Jahrb. ö. Jahrg. S. 233). Auch Asulai im Sch. Hag spricht sich änsserst günstig über Nagara’s Dichtungen ans: Die Gesänge Nagara’s, sagt er, sind so erhaben, dass selbst der gefeierte Kabbalist R. Isak Luria seiner Zufriedenheit mit denselben dadurch Aasdraok gab, dass er von ihnen sagte: ״Nagara’s Lieder sind des Himmels würdig“.

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