Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 34. (25.8.1883)
- Date
- 1883-08-25
- Page
- Seite 136 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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cfuroh seine Weisheit den Streit der beiden Frauen fc. Tim des Kind entscheidet. Aber sie appellirt auch an E י die Liebe. Denn die rechte Mutter wird nur an der 1■ Liebe aßenbar. £8 giebt (eben keine andere Lösung!״׳ aller Voilksfrägen, Staatafragen und Rechtsfragen wie lv die Liebe. Fehlt diese — so hat Shylock 80 gut Jtaoht, wie seine Gegner. Wenn Shylock-Saalus Aberwunden werden soll, so kann er es nur durch Liebe. Der kleine Roman zwischen Lorenzo, dem Freunde Antonio’s und der Jessica, der Tochter Shylook’8, hat ■ ■war derbe unhistorische Färbung, ist aber nicht minder von grpssem Reiz. Der Dichter lässt schon seine Zeit fahlen, in welcher Kraft alle Besonderheiten auf- :-gehoben werden. Das Judenkind wird bekehrt durch «na herzliche und reine Liebe. Die Verschiedenheit von Geschlecht und Bekenn tniss löst sich in der einen Empfindung auf; die menschliche Liebe ist hier nur das Abbild der göttlichen Liebe, die altes und neues . Testament versöhnt. Litteraturbericht - Recensionen. Mendel, Jules. Ueber Tödtung der Schlachtthiere ««/di israelitischem Ritus. Wien 1883. Alfred Holder. Herr Mendel betheuert, dass er kein Antisemit sei Dies gehört ebenfalls zu den Zeichen der Zeit, .dass jeder Christ, der kein Antisemit ist, glaubt, dies erst betheuem zu müssen. Indess schenken wir Herrn Mendel in diesem Punkte um so eher Glauben, als uns sein Name wie einzelne Stellen seiner Schrift darauf hinzudeuten scheinen, dass er nicht ohne alle Beziehungen zum Judenthum und zu Juden ist. Uebrigens that dies der objectiven Besprechung seines Sohriftchens unsererseits keinen Eintrag. a) Auch hier steht die fatale Methode des Nieder- Werfens in den Vordergrund. Wir leugnen ja die Missstände nicht, welche damit verbunden sind, wissen sohon von eingeführten Verbesserungen und sind weiteren zugänglich, weil dafür keine andere religiöse Volbchrift vorhanden ist, als dass das Niederwerfen des Thierea. mit Schonung und ohne Verletzung geschehe. Kämen solche Verletzungen vor, wie der Verfasser sie anfuhrt: Horn- und Rippenbrucli, so könnte das Thier dadurch leicht unbrauchbar zum Genüsse und zum Schlachten werden. Dies ist der beste Beweis dafür, dass der Verfasser übertreibt, denn die Juden dürfen eine solche Methode nicht wählen, welche das Thier derartigen Gefahren aussetzt. Kommt es ausnahmsweise vor, so ist es am wenigsten unsere Religion, welche es 80 vorschreibt oder auch nur gestattet. h) D®r Verfasser leugnet, dass das Thier durch, den Halsschnitt alsbald bewusstlos werde, denn das Bewusstsein schwinde erst, wenn das ganze Leben geschwanden sei. Dieser Ausspruch ist physiologisch f ÜiAaltbar, und wäre es so, dann würde auch die Schussquake nichts nützen, denn ganz todt ist das geflnhnssrmr Thier nicht in allen Fällen. Man weiss dies, denn man will nach dem Schüsse ja noch die Schischtung durch Blutentlehrung vornehmen. Bei vollständigem Tode hört aber die Blutcirculation auf, wie jeder Versuch zum Aderlass nach eingetretenem Tode kund that; der vergebliche Aderlass ist sogar ein Beweis für den bereits eingetretenen Tod. c) Auch der Verfasser spricht'davon, dass dürch die Nackenadern dem Gehirn noch Blut zugeführt werde. Wir haben bereits oben erwähnt, dass dies nur so lange geschieht, als Athmnng und Herzschlag fortdauern. Diese hören aber alsbald nach dem Schnitte auf. Es kann also von Erhaltung des Bewusstseins durch andauernden Blutzufiass ins Gehirn mittelst der Nackenadern trotz Dnrohschneidung der Halsadern doch nicht die Rede sein. Dagegen spricht mit mehr Recht der Verfasser von den Blutklumpen, die von dem schnell gerinnenden Blute gebildet werden and das Abfliessen des Blutes hemmen. Er sagt, deswegen sei eine Entfernung der Klumpen, also ein fortwährendes, schmerzliches Nachschneiden und Wiederöfihen der verstopften Blutgefässe nothwendig. Diese Blutklumpen lassen sioh jedoch leicht mit der Hand entfernen, und der Gebrauch des Messers ist dafür nicht erforderlich. Uebrigens bilden sich diese Klumpen erat, wenn die Strömung des Blutes nachlässt, und es lässt sich alsdann mit um 80 grösserer Sicherheit annehnfen, dass Bewusst- und Empfindungslosigkeit eingetreten sein werde. Und wenn der Verfasser meinv dass die Empfindung mehr in den Nerven, als im Blute ruhe, diese aber, weil der Schnitt die Wirbel- Säule unberührt lasse, nicht verletzt werden: 80 ist zu beachten, dass die Nerven von der Ernährung und dem Zuflusse des Blutee abhängig sind. Sobald demnach die Circulation des Bluts aufhört und vollständige Blutleere eingetreten sein wird, werden auch die Nerven ihre Thätigkeit eingestellt haben Wo dies nicht der Fall ist und nachträgliche Nervenzuckungen noch Vorkommen, kann die Blutentleerung noch keine so vollständige sein, wie sie die richtig vollzogene jüdische Schlachtweise zur Folge hat. d) Eine weitere auffällige Bemerkung ist, dass durch einen Kealenschlag auf oder einen Schuss in das Gehirn das Nervencentrum erschüttert oder verletzt und in Folge dessen das Leben vernichtet werde, also auch Gefühl und Bewusstsein aufhören Dass jede Erschütterung oder selbst Verletzung des Gehirns den augenblicklichen Tod zur Folge habe, ist weder physiologisch richtig, noch wird dies durch die Erfahrang bestätigt. Es ist vielmehr bekannt, dass ganze Theile des Gehirns in Folge von Verletzungen auslaufen und fehlen können, ohne dass das Leben wie Bewusstsein und Empfindung auf hören; nur gewisse Thätigheiten und einzelne Funktionen - des Gehirns erleiden dadurch Schaden. (Schluss folgt.) Notiz. Eine grobe Fälschung. Wie wir in vor. No. vermutheten, stellt sich der neue 8 h ap ir a’sche Fund (vergl. ״Londoner Briefe“ in vor. No. d. Bl.) als grandiose Fälschung heraus. Die ״Times“ bringt eine lange Zuschrift von dem französischen Orientalisten Clermont-Ganneau, worin die von dem Antiquar Shapira aus Jerusalem nach England gebrachten auf Ziegenfelle geschriebenen angeblich uralten Manuskripte aus Moab, welche Theile des fünften Buches Mosis enthalten und für welche Shapira nicht weniger als eine Millionen Pfund Sterling verlangt, als das Machwerk eines modernen Fälschers bezeichnet werden. Clermont-Ganneau behauptet, dass die schmalen Lederstreifen von einer Thora oder Gesetzesrolle, wie dieselben in Synagogen in Gebrauch sind, herrühren und nachdem dieselben mit Abschnitten des fünften Buches Mosis in phönizischen Schriftzeichen bedeckt worden, mit Chemikalien geschwartet werden, um ihnen das uralte Ansehen zu geben. Clermont-Ganneau ist derselbe Gelehrte, welcher vor zehn Jahren entdeckte, dass die von Shapira der deutschen Regierung verkauften moabiter Töpfererzeugnisse Fälschungen seien. Wie die ״National-Zeit.“ mittheilt, waren diese beschriebenen Ziegenfellstreifen bereits vor Wochen von dem Antiquar Schapira in Jerusalem der Berliner königl. Bibliothek zum Kauf angeboten worden, aber die unter dem Vorsitz von Professor Lepsius zusammengetretene Commission, bestehend ans den Herren Dillmann, Erman, Sachau, Schräder und Steinschneider hat die betreffenden Manuscripte einstimmig für unecht erklärt. irortttehsr Bediiatear Dr. Bahmer, Magdeburg. Druck von D• D. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig•