Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 30. (28.7.1883)
- Date
- 1883-07-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Zur Btlnehtaag aller Ja«catk■■ n< Jadn kdnfnen Utterartaclie■ Er• trMaiiln aaf de■ «ekleU der Pfcllo- »ephle, Swklekte, EtkMfnfkle, Theo־ logle, OrieaUlla, ExefMC,. Hoalletlk, Lltarglk, Pidagegik. Heransgegeben Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 28. clwfi 1883. Kieker der eiaaehligigea Utteratar,welche der Kedaeltea aageeaadt werdea, tadea la dleae■ Klatkeelageheade ■eepreahaag. Bel Rlaeeadaag roa awel Beeeaeteae- Exeaplarea erfolgt daMallge karae ■> Sratlf-Iaaertlea. י.-- Bas »Jüdische Litterator-BlattM erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis hei allen Bachhandlangen (in L eipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark» Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei fa Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate ־werden mit ״ ispaltene Petitzeile berechnet and von; der Expedition dieses Blattes sowie durch die Central-Annoncen-Expedition von 6. L. Danke * Ce., Frankfurt a. M., Magdeburg» Berlin, Cöln, Hamburg, München, Zürich, Wien, Paris befördert. M Pf. für die gespaltene Petitzeile Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Die Neuchristen auf der Insel Mallorca. Von Dr. Lewin in Coblenz. (Fortsetzung.) — Shvlock. Von Dr. Paulus Cassel. (Fortsetzung.) — Collectanea. Altes in neuem Gewände. Von Dr. Kroner, Brandenburg a. H. — Gegenerklärung. Von Dr. Fürst. Litteratnrbericht. Unbeschränkte Volksvermehrurjg oder Sind viele Kinder ein Segen? Von J. Stern. (Fortsetzung) Notizen. Nachdruck nur mit -voller Quellcnaniabe gestatte(. Die Neuchristen auf der Insel Mallorca. Von l)r. Lewin-Coblenz- (Fortsetzung statt Schluss.) Als 1808 der Kampf gegen die Franzosen begann, traten die Leute de la Calle patriotischen Sinnes ׳in das Heer ein. Trotzdem geschah das Grässliche» Am 22. Februar sollte eins der beiden Provinzialbataillone nach dem Festlande hinübergefuhrt werden. Die Soldaten weigern sich. Da ruft Einer: Die de la Calle haben den Krieg verschuldet! Sofort werfen sich die von unbekannter Hand geleiteten Aufrührer auf diesen Stadttheil, verwüsten, schlagen — kurz machen es, wie 1882 die Rassen den Juden. Nachdem Alles zu Trümmern geworden, kam Schatz. Mehr als acht Tage noch musste eine Schutzwache die Strassen hüten. 4J 1 Als nach kurzem Freiheitstraume 1823 die Franzosen die spanische Freiheit erwürgt hatten, kam am 5. November der Befehl, die Nationalmiliz, in der auch die Judensprossen dienten, sollte die Vaffen abgeben. Am 6. ward von Banden unter dem : Rnfe: »Viva Fernando, Viva la Fe“ in der la Calle geplündert. Mitleidslos wurden Kostbarkeiten, Bücher etc. in’s Feuer geworfen, während die Frauen der Beraubten vor den heiligen Bildern auf den Knieen läget! lind um Erbarmen flehten. Eine Episode sei verzeichnet: Als die Unholde ein Crttzifix in’s Feuer zu ,Werfen ho Begriff waren, setzte eine neuchristliche Donpa ihr Leben ein, indem sie mit dem Rnfe: ״Nein, eher mich, als dieses“, den Glaubenshelden das Kreuz entiiss! 300 Familien sollen es 1691 gewesen sein, waren es etwa 6000. Von der sie berührenden G esetzgebung sei Folgendes erwähnt. Die Inquisition sc. lliesst die Wiederaufgenommenen, ihre Söhne bis £ *weiten und ihre Töchter im ersten 1850 zum Geschlecht von allen Ehrenstellen aus. Die bürgerliche Gesetzgebung forderte im Allgemeinen die Taufe. 1247 ordnete D. Jaime I von Aragonien in Huesoa an, (es erstreckte sich dies anch auf Mallorca), dass jeder Getaufte seine Güter behalten und nicht mit Schimpfnamen belegt werden dürfe! 1263 erweitern die Leyes de Partida dies dahin, dass die Getanften die ungetauften Eltern beerben and dass sie alle Aemter und Ehren erhalten dürfen, wie alle anderen Christen. Im 16. und 17. Jahrhundert tauchen überall dagegen die ״Limpieza“ genannten Gesetze gegen die Abkömmlinge der Jaden auf Einzelne derselben blieben bis 1860 in Kraft, wo die Cortes einstimmig das ״limpieza de sangne“ aaf hoben; 1859 war Allen der Eintritt in’s Kadettencorps gestattet worden. Als 1776 die Uni*, versität Mallorca sie ansschloss, sandten die Leafee de la Calle Depntirte an den König D. Carlos TTT, nm dagegen za protestiren und zugleich ihre traurige Lage zu schildern.*) Sie betonen, mit welcher Geduld sie die Ausschliessung aus allen Ständen, Aemtern, Ehren, und Vortheilen in geistiger und weltlicher Beziehung getragen haben, obschon sie alle Dienste und Abgaben geleistet hätten. Seit 1435 wären sie der Kirche treu gewesen, ausser Einigen, deren Bekehrung eine er» zwungene gewesen sei (!). Sie erbitten ein Gesetz, dam alle Christen, anch wenn sie von Ungläubigen herstammen (sie sind’s im 34. Grade!), die gatgesittet und rechtlich leben, in alle Körperschaften, Räths, Innungen, Zünfte und Aemter eintreteü, auch ,ihrer Abstammung wegen nicht beschimpft werden dürfen. Geistlichkeit, Universität, Stadtrath protestirten gegen die Erfüllung dieses Wunsches. Eine Deputation des Staatsrathes begab sich an Ort und Stelle, und nack neunjährigem Hin und Her erliess D• Carlos T782 (erweitert und erneuert 1785 und 88) die Bestimmung, dass hinfort die Leute de la Calle überall wohnen dürften und in allen Stücken gleichgestellt sein sollten. Strenge Strafen wurden auf ihre Beschimpfung gesetzt. Sie dürfen Heeresdienst zu Land und zu Wasser than, alle Künste und Handwerke treiben, denn der König- - . -ici ■ ״'la ■1K A *) Cfr. Manifiesto entregado' ä 108 Bennoree del Real y Supremo consejo en defensa del Memorial presentado al Rey 1a'■• D. Carlos UI en 1773 (gedruckt .1777). ateua