Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 27. (7.7.1883)
- Date
- 1883-07-07
- Page
- Seite 108 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Zn meiner Beeension der 18. Lief, der Bibi. rabh. _ In No. 25 des Litteratnrblattes S. 99 kommt Herr Dr. Fürst. auf seine an der J 8. Lieferung von' Wünsche’s Bibi, rabbin. zu S. 331 Z. 12 nnd 15 S. 388 gemachten Bemerkung über die Worte מדכרין ומנידק und מדכרק וסשחקין aarück, indem er die in jener Note angeführten Gründe in Inhalt und Ton der Beweisführung wiederholt. Er findet die Lesart סדחין für incorrect und liest ppTWD nioht mit Schin sondern mit Sin und übersetzt ״man tadelt“. Dass טרוק incorrect sei, sucht Dr. Fürst erstens sachlich au beweisen, indem er sagt: ״der Nachweis dass רדק& heisse, man wünscht Seelenruhe, ist nicht au erbringen, diese Uebersetzung ist willkürlich und unberechtigt“. Nun der Erklärer ם״כ weist auf die bekannte Formel hin, die man bei Erwähnung eines verstorbenen Frommen anwehdet ינוח בשלום; hinauzufügen ist die Formel דחו לדן; zu p. 32* in Wajikra tabb. fugt 3דכ noch die hinzu UITI fTOTU Dass also bei Erwähnung verstorbener Frommen eine Wunsch forfuei mit dem Worte ITC angewendet wurde, hat also ט״כ erwiesen und ist allgemein bekannt. Dass ebenso bei Erwähnung verstorbener Frevler eine Wunschformel gebraucht wurde, die hebräisch ימח שטל und aramaeisch *שחיק פסי lautete, ist von מ״כ ebenfalls angeführt und allgemein bekannt. Wenn nun der Midrasch sagt, dass die verstorbenen Frommen auch ihren Ahnen ein נחת רוח, das heisst ein Angedenken zum Segen, ein dankbares Wünschen von ל״ם VTO' veranlassen, ,umgekehrt die Frevler ein Angedenken jeder Schande und ein gegentheiliges Wünschen und aus diesem Grunde bei den Namen der Frommen wie der Frevler die Namen ihrer Väter angeführt seien, so ist damit ein logisch ganz klarer Gedankengang im Midrasch enthalten. Die Parthie ist gar keine schwierige und sowohl sachlich wie lexikalisch ganz einfach. Die Lesart in Tanchuma beweist gar nichts, denn sie ist hebräisch ,טזכירין וב während die im Midr רמהל aramaeisch 48t, ausserdem ist sie zweifelhaft, denn im ילקוט p. 411 lautet sie ומניחק pO». Die ausführlichste Lesart dieses Midrasch ist wohl die Stelle in Wajikra rabb. p. 32; auch diese hat מנידק und ebenso giebt sie der Jalkut wieder, -sowohl zu der Stelle in Wajikra, als auch zu der bei Achan im Buche Josua, wie zu der Stelle in Samuel. Mir liegt leider ein Midrasch Schmuel augenblicklich nicht vor; aber ich habe wohl Grund anzunehmen, dass. die von Herrn Dr. Fürst angeführte Stelle selbjrt; corrumpirt ist; denn der Hinweis auf מריס findet sich in keiner der Parallelstellen, die mir vorliegen, und passt auch gar nicht in den Gedankengang. Aber eine ähnlich lautende Stelle״ kommt in allen Parallelatellen vor, welche auf Amalek hinweist. וכור את וב■ למלה♦ Das passt auch gut, hier ist ein וכיד bei Frevlern aber zur Schande. Grammatisch ist auch keine Schwierigkeit, dass man מגיח und משחק bildete, um damit das Atftsprechen der Formeln aus- -zudrücken. Wohl aber fehlt der Beweis, dass שחק ״tadeln“ heisst und dass es mit ״Sin“ im Aramaeischen in dieser Bedeutung gebraucht worden sei Sollte Herr Dr. Fürst aber משחקק mit ״Schin“ lesen und doch ״tadeln“ übersetzen, dann wäre ja die Derivation von שחיק טטיא zugestanden und kein Grund, die des Wortes מדלק von דל abzuweisen. Mit dem Schlusssatz des Herrn Dr.' Fürst bin ich auch ganz einverstanden, nur bitte ich ihn; selbst davon Anwendung zu machen. f Notizen.! 1. Im Litteratur-Blatt No 16■—17 versuchte es Herr Rabbiner Dr. Kroner (Brandenburg), die ihm corrumpirt scheinende Machsorstelle: ״■ ,קבל שולתי כרודן יבאמוץ הלבeiche auch Heidenheim, Lettens u. A. recipiren, zu erklären nnd folgerte, dass die Fassung אמץ לבי *Ol יקבל die richtige sei. Es ist nnn aber nichts leichter, als auf den ersten Blick die Richtigkeit der ersten Fassung zu erkennen. Wir brauchen nur die Worte ברצון ובאמוץ הלב attributiv statt adverbial za nehmen and die Schwierigkeit ist sofort gelöst. Also: Nimm auf mein Gebet, (welches ich) willig und mit Inbrunst (verrichte). Auf der Rückseite des Titelblattes eines מחזור ח״א Frankurt a. O. ת״ם hat das Gebet des שליח צמיר folgende Fassung: ...קבל שולת רצון אמוץ לבבי. Rees am Rhein. L. Cohen, Lehrer. 2." Erwiderung. Auf die vorstehenden, behufs meiner Ansichtsäusserung mir gefälligst übermittelten Bemerkungen des Herrn Lehrer L. Cohen verfehle ich nicht, das Folgende zu erwidern: Die qu. Machsorstelle erschien nicht allein mir, 8ödem auch selbstverständlich den von Heidenheim abweichenden, von mir genannten nnd nicht genannten Machsoreditoren, corrumpirt Diesen wurde es nicht so leicht, wie Herrn Cohen, die Richtigkeit der Fassung קבל שולתי ברצון ובאמוץ הלב zu erkennen; selbst nicht dem rühmlichst bekannten Grammatiker and Lexikographen Phöbus Sifri, in desen Machsoraasgabe von 5565 מומוץהלב gänzlich fehlt. Einmal steht die attributive Deutung des ברצון der zweifellos adverbialen Constraction desselben in den gleichen Gebetsformeln: קבל ברחמים וברצון את תפלתנו und ותפלתם באהבה תקבל ברצון entgegen; ferner heisst אמוץ הלב gar nichts anderes als Herzenshärtigkeit, was ich erwiesen, Herr Coheu aber zu widerlegenunicht einmal ״versucht“. Angenommen indess — nicht zugegeben — אמוץ הלב hiesse in dem Gebet für den Yorbeter Inbrunst; wäre es nicht geradezu absurd, ja blasphemisch, wenn ebenderselbe in der alsbald folgenden Widdui um Vergebung bittet: ״■ לל חטא שחטאד לפניך באמוץ הלבegen der Sünde die wir begangen mit Herzenshärtigkeit (oder auch ״mit Inbrunst“)? Es ist wohl ״nichts leichter“, als dies einzusehen. Ferner hat Herr Cohen die unverkennbare — den Paitanim bekanntlich auch sonst sehr geläufige — Akrostichonform des Gebets völlig ignorirt, mittels deren sich die Ursprungliehe Fassung, die in der Dyhrenfurter und der sofort zu erwähnenden Machsorausgabe annähernd richtig 8ich vorfindet, leicht reconstruiren lässt. Herr Cohen widerlegt sich auch selbst: Die von ihm angeführte Frankfurter Machsorausgabe von 5460 — die mir nicht vorliegt — hat ja angeblich nicht יאמק הלב sondern אמוץ לבכי (richtiger אמץ!)■ Was קבל שולת רצק (statt שולתי) betrat, so erinnert uns das nnd manches Aehnliche an die in v ielfacher Hinsicht beachtenswerthen Worte Heidenheim’s in dem ״Vorbericht“ zu seiner Machsorausgabe: ״So wichtig und interessant das Machsor an und für sich ist, so nachlässig verfuhr man bisher damit. Es wurde zwar zu allen Zeiten, ott und auf mancherlei Art neu aufgelegt; aber eben dies ist’s, was es so sehr verunstaltet hat. Alle Fehler der ersten Editionen sind in den nachfolgenden mit aufgenommen und noch mit einer Menge neuer angehäuft worden, so dass man mit Recht behaupten kann, dass in den jetzt vorhandenen Machsorim selten eine einzige fehlerfreie Zeile anzutreffen sei. Durch diese Verunstaltung ist sehr oft Unsinn, falscher Sinn und nicht selten sogar sind חיורופי0 תילופיט entstanden“. — Wenn unter solchen Umständen Heidenheim selbstredend Mancherlei entging, sollte da etwa die moderne Kritik nicht befugt und verpflichtet sein, die von ihm übersehenen fremden nnd eigenen Irrthümer zu berichtigen? Dass übrigens רצק wie רצה, mit einem eulogischen Sub- : stantiv verbunden, im' liturgischen und biblischen Schriftthum , Gott (nicht dem Menschen) attribuirt, bezw. von ihm prädicirt wird, mögen noch einige Beispiele darthun: חנה ... בלמך ישראל ובתפלתם sowie P8. 19,15 und in unserem Gebet für den יהיו לרצק אמרי פי :ש״ץ- Brandenburg a. d. H. Dr. Ph. Krönet. ח Berichtigungen. In No. 26 Seite 103b Zeile 6 v. u. muss es statt ״drarn. Beliebtheit richtigerweiso ״Dramatische Belebtheit“ heissen. 1 S. 104 Z. 13 v. u. statt ״Scheinberger“ richtiger ״Rheinberger“ und Z. 8 v. u. ״Obercantor“ statt ״Oberlehrer Verantwortlicher Redactenr Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig■;