Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 18. (5.5.1883)
- Date
- 1883-05-05
- Page
- Seite 72 (sequence 4)
- Language
- German
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_ Recensionen. - '! Die AnlmHatiOB der Jaden von Be risch. Ooldenberg. 8*. 12 S. Tamopol 1888. Nnn hat sich auch bei uns in Galizien und aus unserer Mitte einer — gerade einer der Unberufensten — erhoben, um sich in dieser so hochwichtigen־Frage vernehmen zu lassen. ־Wem die Gelegenheit nicht geboten ist, dieses recht winzige Sehriftehen zu lesen, wird sich wohl sagen müssen, dass ein Veriasser, der mit wenigen und gehaltlosen Worten sich so breit macht, wie auch ein Brochärlein, welches über eine so bedeutende und gründlich zu erwägende Frage mit fast nichtssagenden Schlag Wörtern, hohlen Phrasen und armseligen Citaten aus dem Talmud zu entscheiden sich erkühnt, wohl nicht ernst zu nehmen sind. Man höre aber, welchen Rath Herr Goldenberg uns' ertheilt, um des Hasses der Antisemiten sich zu erwehren, und halte ihn nicht für einen Aprilscherz. Um nicht von den böswilligen Antisemiten gehasst zu werden, oder keine Antisemiten auf kommen lassen, müssen wir drei Dinge befolgen; erstens, strenge nach den strengen Gesetzen dbs — von den AntisemiteUj oder wie all die Judenfeinde sich sonst nennen, bestgehassten — Talmud leben; zweitens, uns stets vergegenwärtigen, dass die versprengte Notiz im Talmud ,Arinuth steht dem Juden schön“ massgebend ist für alle Zeiten, alle Umstände, und alle Lebensphasen, und drittens: ״Erhebet keine Ansprüche auf amtliche 1 Anstellung“. —Wie der Verfasser dazu kommt, der MischnasteUe אל תחודע לרעידת solche Gewalt anzuthun, um diesen Sinn herauszubringen, ist mir unerfindlich. Hätte Herr Goldenberg mich nicht persönlich und dringend um mein Urtheil ersucht, ich hätte über Bein jächriftchen Verdientermassen lieber geschwiegen.*) Tamopol. A. S. Weissmann. ״ הערוך השלםTargumisches, talmadiscbes and midrasisches Lexicon“ von Oberrabbiner Dr. Alex. K o h u t. IV. Abth. 1. Heft. Nachdem sich der gelehrte Herr Verfasser in seiner neuen Stelle zu Grosswardein festgesetzt hat, arbeitet er wieder an der Fortsetzung des durch Fleiss und Umsicht bedeutend vervollkommneten und verbesserten Arnch; und auph dieses neue Heft zeugt von dessen vielseitiger Kenntniss. — ■ Auch hier gelingt es ihm, schwierige Fremdwörter im Talmud, w z. B. beim Artikel ״) חליפדZuckerbäcker od. Conditorladen“), anstatt gezwungener Weise aus dem Griechischen, viel leichter und verständlicher aus der von den Talmudisten gesprochenen persischen Sprache abzuleiten. — Andererseits leitet der Verfasser manche chaldäische Ausdrücke mind'ernöthig aus dem Arabischen ab, w. z. B. das Verhältnisswort TOTO ״wegen, aus Absicht“ (v. ״ חמאsehen“), welches darum — ähnlich dem hebräischen ״ מבורwegen, im Wege“, (v. ״ עבודWeg“) — immer mit einem Vorbuchstaben erscheint. — Bei der Anführung talmud. Gelehrten zeigt der Verf. ein selbstständiges kritisches Urtheil. So bei ר חוצפית, in *) Wir müssen gestehen, dass wir in der Brochüre unter vielem oonfhaen Zeug doch aa«h manches beherzigenswerthe Mahn wort gefunden, haben. Der Vorschlag z B., dass eine einznberatende Rabbiner-Synode ״diejenige Stelleif im Talmud and anderen rabbiniechen Schriften, welche in Bezieharg za den Hädbtjnden eine Zweideutigkeit oder aach nur ein Missverstandaiae mlwrr. genau bezeichnen and eine kanonische Interpretatioa denselben beifügen ■olle“, St als ein von starr ortnodoaer Beite ausgehendes Zugeständnis; wohl za beachten. (Bed.) dessen Namen die Mischna (Jr. Schebiith X., 6.) lehrt: ״ כותבת (פרוזבול) לאיש ע׳ל נכסי אשתוdass man einem Ehemann e mittelst gerichtlicher Verschreibung die Immobilien seiner Gattin sicher stellen kannindess die Tossefta (cf. i. VI1L) umgekehrt in dessen Namen dasselbe zur erblichen Sicherheit der Ehefrau lehrt (כותבי] לאשר, על נכסי מלה)! Dennoch fragt die jerusalemisch Gemara zu )euer Mischna, wie es sich im letztgenannten Falle verhalte? Daraus folgert Herr Dr. Kohut, dass demgeniäss die Ansicht des neuen Herausgebers der Tossefta, wonach diese' gleichsam die mischnaitische Grundlage desjerusalemischen Talmud gebildet hätte, nicht haltbar sei u dgl. m.! Dr. H. Notizen. 1. Am 21. März int der schon in diesem Blatte angedeutete Bericht ׳über den Fund einer Synagogenmosaik in Paris in der Academie der Inschriften verlesen worden. 15 Kilometer von Paris, einige Meter vom Gestade »des Meeres hat der Kapitain de Prudhomme die Fundamente eines Haases gefunden, welches im 1. nachchristlichen Jahrhundert als Stätte religiöser Zusammenkünfte gedient hat. Der grösste 9 Meter lange, 4 Meter breite Raum hat den Fussbodenniosaik fMt ganz bewährt. Hier scheint eine Einfassung 4 Theile zu um8chliessen, 2 Seiten und 2 Mitteltheile. Der untere Mitteltneil stellt einen Springbrunnen mit spritzendem Wasser dar, an dessen Rand zwei Pfauen trinken Der obere Mitteltheii ist halb zerstört. Das Erhaltene zeigt übereinander Liegende Fische; neben dem Einen derselben ist etwas Rundes, das durch Querlinien bezeichnet ist und ein ßrod darzustellen scheint. Eine Inschrift in barbarischem Latein, — auch die Form der Buchstaben zeigt auf das Ende des 4. Jahrhunderts hin — ist von Herrn P. Delattre copirt worden und bot Herrn Renan Stoff zu interessanten Auseinandersetzungen. Eine Frau Julia oder Jaliana nennt sich Dienerin des Herrn und hat zu ״seinem Heile“ (salut) auf ihre Kosten den Mosaikboden des Gebäudes anfertigen lassen, welches sie ״die heilige Synagoge“ nennt. 7-armige Lampen, die man aut jüd. aber auch auf christl. Monumenten findet, begranzen die Inschrift. Eis ist hier eine seltsame Mischung von Emblemen und Inschriften. Die Lampe, das Wort ״Synagoge“ und in der zweiten Inschrift ״Ai-chisynagogus“ zeigen auf das Judenthum hin. Dagegen Fisch und Brod sowie der Ausdruck ״zn seinem Heile* scheinen christlichen l'rsprung zu erweisen. Renan hält ae trotzdem für jüdisch. Die zweite Inschrift erzählt, dass Asterius, Sohn des Rusticus, der Archisynagogns, den Mosaikfass),oder! eines Theiles des Vorhofes habe nersteilen lassen. Die 3. ist in einer Art von Alcoven zweimal und ist entziffert ״Instrumente Deines Dieners N . . .“ Renan meint, dass mit ״Instrumenta“ die Bücher des alten, wie des neuen Testaments bezeichnet worden seien. (Aroh. isr.) 2. Herr Dr. Süsskind bricht in Nr. 12 eine Lanze für die Ausspräche des Cholem in süddeutscher Manier. (Ueber das Zereb spreche ich nicht, weil da wenigstens die schlimmsten Uebelstände nicht hervortreten.) Er meint, dass nur Norddeutschland alias Polen ״au“ sprechen. An Frankreichhat der geehrte Herr nicht gedacht. Doch nicht die weite Verbreitung ist der richtige Maasstab für richtig oder falsch. Bewusst, dass ich nur eine Aensserang des Rabbiners Wogne, Redakteurs des ״Un. isr.“ reproducire, bestreite ich kühn die Richtigkeit der Aussprache des Cholem mit einem Laute, der die Mitte hält zwischen oh tmd au. Es stehen sich gegenüber die portugiesische und die deutsche alias polnische Aassprache. Erstere ist auch von den Nichtjudon recipirt Die ״süddeutsche“ Ausspräche ist ein Kunstprodnkt modernen 1'!־Sprunges, indem (wie ich hörte) eine Lehrerversammlung, an der der sei. Stein, sowie Herr Klingenstein theilgeneinmen haben sollen, den Beschluss gefasst und durchgeführt haben, diese 2 Vocale ״portugiesisch־ za lesen. Nun spricht der süddeutsche Jude das Cholem nicht als einen Laut zwischen oh und au — sondern pure, wie oh. Das Komez ist ein sehr überflüssiger Vokal geworden, and der Lehrer sieht sich — zumal beim grammatischen Unterrichte — einem vollständigen ״Oh“-Wirrwarr gegenüber Mir will es nicht in den Sinn, dass solches zwecklose Flickwerk wirklich eine Besserung bekundet. Würde die Annahme der ״portugiesichen“ Aussprache lieliebt, dann würde aach ich mich nicht 4er Mühe entziehen — aber entweder deutsch •der portugiesisch, nicht halb und halb. Lewin-Coblenz. VscMtwortUcfcsr Bedaczear Dr. Kahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.