Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 16-17. (21.4.1883)
- Date
- 1883-04-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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disehes Zur Beleaektang illcr JndeBtkm ■ad Ja«M i MrcfftnUn IltterarUebM ■r- MheUuge■ mf dem Gebiet« der Pbllo- ■•pk!•* Oeeeblrble, Ethnegrephle, Tbeolagie, Orient«!!», Riege•«, Homiletik, Lltnrgik, Pädagogik. Her&nsgegeben von ־״ Rabbiner Dr. Moritz Rabmer. 0TCag3e6׳tix^, 21. £lpt׳i1883 £׳. 1 Bicher der eUeebligige■ Lltterabir.wdck( der BedceUo■ ngeeaadt werde■, lale■ 1■ dleeew Blatt« eingehende kMpnekiaf. Bel Kiwidiit to■ swel Iweuli■■ Exemplare■ erfolgt einmalige k«n« Gratis-laeertl•■. Das ״Jüdische Litteratur-Blmtt“ erscheint Wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Bucbhandlan^en (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mjfrk. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten and Buchhandlungen 8 Mark koktet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-BLatt“ gratis. — Inserate werden mit א Pf. fllr die gespaltene Petitzeile berechnet und von der Expedition dieses Blattes sowie durch die Central-Annonoen-Expedition von 6. L. DaatM tc Co.» Frankfurt a. M., Magdeburg, Berlin, Cöln, Hamburg, München, Zürich, Wien, Paris befördert Inhalt: Wissenschal tliche Aufsätze: Darwinismus und die Bibel. (Fortsetzung.) — Das Judeuthum als Mutterreligion der Humanität. Von Bezirksrabbiner Dr. Hochstädter in Bad Ems. — Ein Psalm des Jeremias. Voiv Dr. Caro, Pilsen. — Der Messias, Sohn Joseph’s. — Virchow und die Bibel. — Collectanea. Von Dr. Kroner’in Brandenburg a. d. H. Litteraturboricht. Eine Schrift im josephinisdhen Geiste — Ueber Ehen zwischen Blutsverwandten. | Notizen. — Inserate. Nachdruck nur mit •trollex Quellenangabe gestattet. Darwinismus und Bibel. (Fortsetzung.) Verbleiben wir aber bei dieser Vergleichung, so stellt sich doch ein merklicher Unterschied heraus. Der Bildhauer hat eine consistente baharrljche Masse vor sich, die bearbeitet und verändert werden kann, die geformt und gebildet wird, und deren innere Theile zusammenhängend ein Ganzes bleiben. Er tritt hinzu mit kunstfertigen, geübten Händen, und zweckentsprechenden Werkzeugen, bearbeitet den spröden Stein, und haucht ihm ideales Leben ein. Er schafft daran nur von aussen; das Innere, das dem Auge sich entzieht, bleibt unverändert. Wie ganz anders ist die Bildung der organischen Wesen durch :die Natur, oder vom biblischen Standpunkt aus, durejh Gott. Da muss von Innen heraus der spröde Stoff bearbeitet und geformt werden, da kann man sich nicht denken, dass Gott hinzutritt, und daran mit Blanden und Werkzeugen formt und bildet und die ncjthigen Veränderungen vomimmt, um das daraus teilende Ideal zu verwirklichen, und da endlich bleibt der Stoff nicht, kann nicht bleiben; denn er entstehet und vergehet und erneuert sich; er geht von einer Daseinsgestalt in die andere über. Wollen wir uns also den Bildungsäet, wie ihn die Schrift als von Gott ausgehend zeichnet, nur einigermaseen erklärlich denken, um den ausgesprochenen Gedanken zu erfassen, so müssen wir anüehmen, dass Gott den organischen Stoff aus Staub, aus der unorganischen Materie, schuf und ihn zu Zöllen bildete, und zur Herstellung der bestimmten Idee,! der menschhohen Gestalt destinirte. Diese Zellen stattete er dann mit einem ausdauernden, unverwüstlichen Beharrungsvermögen, in der homologen Gestalt aus, dass sie ihre innere Natur behielten und behaupteten, und ihre Eigentümlichkeiten bewahrten, und dass sie diese sogar weiter vererbten und übertrugen auf die neuen Gefüge, die aus ihnen hervorgehen. Er machte sie ferner' bildungs- und variationsfahig, soy... dass sie, ohne ihre innere Natur und eigentümliche Construction aufzugeben, eine veränderte Form und 1 Gestalt annehmen können, um die darzustellende Idee an ihnen hervortreten zu lassen. Das ist nun der Stoffj an dem der Bildungsprocess vor sich geht. Die bildenden Hände und die formgebenden Werkzeuge ü werden nun aber in die Zellen selbst oder in die sie ־״ umgebenden Daseinsnaturen verlegt, dass sie daran _ arbeiten und meissein, und in stillen Einwirkungen- ■V oder heftigen Kämpfen sie bilden und modeln. End- £ j lieh aber damit der Process von Innen heraus vor; sich gehe, mussten die Zellen so eingerichtet sein, dass sie die Einwirkungen aufnahmen, danach sich bildeten, und die Veränderungen in sich verwirklichten, dass sie den Umständen, Lagen und Verhältnissen sich anpassten, danach modificirten, und in den Kämpfen um’s .Dasein sich abschleiften und nmgestalteten. So oft sie in einen unüberwindlichen Widersprach mit ihrer Natur kamen, oder diese Widerstand leistete, entstand ein Rückschlag, bei welchem das Erbrecht sich geltend machte, und Zwischenbildungen traten hervor. Bei dem Stoffwechsel konnte die 'i Consistenz der Masse und der homologen’Gestalt nur in dem Fortpflanzungsvermögen verwirklicht werden. Die Reproduction in immer neuen Wesen und Geschöpfen ward für den Fortbestand von Gott durch die Schöpfung vorbereitet, und bereitete sich . über Alles aus, und so sind auf den verschiedenen• Bildungsstufen bis zur vollendeten Höhe der menschliehen Gestalt die mannigfachen Thierspecies hervorgegangen, indem die Gebilde jeder־ einzelnen Stufe fruchtbar waren, sich vermehrten und fortpflanzteü. Nur etwa in dieser Art können wir die Bildungs- und Schöpfhngsthat ,Gottes uns denken. '׳■;־'־