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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-04-14 · No. 15. (14.4.1883) · p. Seite 60

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 15. (14.4.1883)
Date
1883-04-14
Page
Seite 60 (sequence 4)
Language
German
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dar Bezeichnung תג השבמיח wird, welche zu der eigentlichen Bedeutung de« Festes *ds ,Tag der Erat- Enge* oder ,Fest der Offenbarung" in gar keiner P—lehmig steht. Doch lässt sieh bei den Namqp der Hauptfeste noch eine gewisse Entwicklung beobachten. Sie Änderten, sich wie auch di$ Festideen andere wurden, die man der Feier der Feste zu Grunde legte. Mit der Vertiefung des Denkens in Sinn und Bedeutung des in dem Monat Nissan feilenden Hauptfestes musste man die biblische-Bezeichnung von חג המצות schon unzulänglich finden und es trat dafür eine andere, die von -חחחנו ]Ct ein. Ebenso ging es ja mit dem, eine blosse Kalenderbestimmung darstellenden Namen חג השמעות, dem die andere, die historische und ethische Bedeutung des Festes klar kennzeichnende Benennung von זמן מרק תורתנו an die Seite gestellt ward. Bei פורים vermissen wir eine solche Entwickelung, der Name ist geblieben. Der Tag ist ja nicht von 80 umfassender Bedeutung wie jene Haüptfeste, darum empfand man. wohl nicht einmal das Bedürfhiss nach einem anderen, die Bedeutung des Tages klarer ansdrückenden Namen; wie man aber auch über das Fehlen einer anderen Beziehung bei Purim denken mag, am wenigsten sollte man den (ans den Persischen stammenden) Namen durch die deutsche Bezeichnung ,Loos-Fest“ ersetzen woben. Denn dem deutschen Wort Loos-Fest sieht man es doch nicht gleich an, dass es ein Fest bezeichnet, zu dessen Vorgeschichte auch das Werfen der Loose vor Haman gehört hat; eher ist man bei diesem Namen geneigt, an ein Fest zu denken, dessen Feier heute noch darin besteht, Loose zu werfen. Dagegen lässt sich mit dem biblischen Namen Parim noch eine Art von eminenten Begriff verbinden, indem man annimmt, dass mit ihm nach Art politischer Sohlagwörter die nachfolgenden Ereignisse ״vom Looswerfen bis zur Errettung“ gleichsam mitbezeichnet werden, *) in welchem Falle der biblische Nainen Purim durch jede Uebersetzang nur abgeschwächt werden würde. T. Litte raturbericht, Recensionen. Sabbath Predigten zn den WoSienabschnitten des fünften Baches Mosis, von Dr. Adolf Schwarz, Stadt- und Conferenz-Bahbiner in Karlsruhe. Karlsruhe. O. Bielefelds Verlag, 1883, 434 S. 8. Eine angenehme gesellschaftliche Empfehlung, meint ein bedeutender Schriftsteller, ist«• es, wenn man einen weithin bekannten Namen, oder wenigstens ein ״von“ vor dem Namen hat, wenn schon, die Visitenkarte für den Menschen Propaganda macht. Den Gegensatz hierzu bildet jenes Welthistorische: Was kann Gutes aus Nazareth kommen? — Mit dem letzten Vorartheil hat der Verfasser des nunmehr in fünf Theilen vollendet vorliegenden Werkes nie zu kämpfen gehabt. Die angenehme Empfehlung hat er Allem was seinen Namen trägt, längst errungen. Leugnen kann es Referent nicht, dass er sich nicht gefragt hat: Wird Form und Inhalt dieser Beden zu empfehlen sein, sondern: Welche der Beden wird den Preis davontragen? Und davon braucht nichts zurückgenommen zu werden. ,Er ändert sich nicht, von Anfang bis Ende ist er sich völlig gleich geblieben“ — gedanken- *)Man könnte ,Loose-Fest“ auch in der Bedeutung nehmen: Da* Feet, welches zeigt, wie Gott über die ״Loose“ (Geschicke) der. Menschen wacht. tief und formsnsohön hat der Karlsruher Rabbiner seinen,'die ganze Tora umfassenden Redecyclas gestaltet. Einer einzelnen Bede kann eigentlich die Palme nicht anerkannt werden. Auf gleicher Höhe stehen No. n, IV, VI, VII, IX (״die Religion als Bnnd, zugleich Festpredigt zn der Doppelfeier der silbernen Hoohzeitsfeieraes Grossherzogs und der Vermählung der Prinzessin Victoria“) und XIL (״Der Tod Mosis.“) Zn No. I ist in der Gegenüberstellung der Könige und der Propheten nicht beachtet worden, dasB die Richterzeit, die diesen Kampf nicht kennt, wahrlich keine Zeit sittlicher und religiöser Erhebungen gewesen ist, hei No. XHI wollte uns schon der Titel: ״die religiöse Wirkung des Ackerbaues“ nicht munden. Die Nummer HI hat eine dichtorisch schöne and aus trefflichen Gedanken gewebte Einleitung, welcher leider eine zweite Einleitung im ersten Theile folgt Doch das Streben, möglichst unparteiisch zu sein, droht uns ungerecht zu machen und .uns den Genuss zn verkümmern, den das Lesen dieser Predigten uns bereitet hat Es bedarf nicht der pietätvollen Widmung dieses Bandes, ״dem allznfrüh heimgegangenen Collegen Dr. W. Les8er weil. Rabbiners in Bielitz“, um dem Leser den gemüthreichen und geistvollen Redner zum Freund und verehrten Lehrer werden zu lassen. Jeder Satz kündet’s, dass er nicht allein gesprochen, sondern zagleich gedacht und gefühlt ist mit der wahren Klarheit, die keine Scheidung von Theorie und Praxis ermöglicht•. — d — Notizen. 1. DieNotiz in Ihrem Litteraturblatte über die falsche Acoeuteiv Steilung in Daniel 2,3;(אנת מלכא מלך מלכיא) veranlasst mich zn einer ähnlichen Bemerkung über die Accentuation in Jesaja 40.26, wo bekanntlich die Aethnachta erst beim letzten Worte •שאו טרום עיניכם וראי מי ברא אלה המוציא במספר צבאם steht, während es schon früher nach dem Fragesatze ברא "JJ- אלה stehen sollte. Sowohl Zuuz als Herxheimer kehren, sich darum mit Becht nicht an diese falsche Accentenstellung; sie lassen mit המוציא die Antwort beginnen. Hochstädter. 2. נוג ומגוג♦ Bekanntlich büdet der Abschnitt von Gog und Magog ׳Ezech. 3«) die Haftaravorlesung am Sabbat Chol Hamoed von Snccot. Es liegt darin die Weissagung von den Kämpfen und Duldungen Israels welche seiner Erlösung und Wiedererhebung, der Wiederaufrichtung der umgestürzten Hütte David’s, vorhergehen werden. Gog und Magog gelten als die Feinde und Bedränger Israels. Ohne Zweifel sind dies Name« ehemaliger mächtiger Fürsten, wie die Beherrscher ihrer .Reiche ד ראש משך ותובל unbestreitbar das heutige Russland, Moskau und Tobolsk, die ja gegenwärtig noch zu den Drängern und Feinden Israels gehören. Auf Israels Boden, sagt der Prophet, d. h. im Kampfe gegen Israel, wird ihnen Niederlage- und Sturz bereitet werden. Aehnlich wie dem Haman geweissagt wird: Wenn dein Gegner, vor dem du begonnen hast zu fallen, vom Stamme Israels ist, so wirst du vollends vor ihm zu _ Sturze kommen (Est. 6,13). Gog, Magog und allen ihren Anhängern im Kampfe gegen Israel wird 8turz und Niederlage nicht erspart bleiben; nicht an der politischem Macht Israel» wird ihre Macht gebrochen werden, sondern weil sie gegen Freiheit und Gerechtigkeit kämpfen, gegen Civilisation und Humanität mit Gewalttätigkeit und Ungerechtigkeit re- — נ.!! -׳■•• י - י Feinde der Menschheit, welche mit öewalt und Ungerechtigkeit es bedrücken und die Herrschaft der Civilisation, — da« Reich Gottes, wo Gesetzlichkeit und Bildung, Becht nnd Gerechtigkeit, Liehe und Bannherzigkeit, Qlaube und Treue, auf Wissenschaft und Erkenntniss gegiündet, regieren soileD, verhindern. — Israel vertritt das Princip des Rechts und der Freiheit, der Humanität nnd Toleranz, seine Existenz nnd Stellung bilden den Maassstab für dessen Anerkennung und Herrschaft ant Erden Nur dieienigen Staaten und Reiche, welche diesem Principe huldigen• bestehen, diejenigen, welche dauernd dagegen ankämpten, geben unter. R.—A. *) ראש äls Ländername. Verentwortliafaer BedactenrDr. Ra hm er,'Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese,, Leipzig

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