Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 8. (24.2.1883)
- Date
- 1883-02-24
- Page
- Seite 32 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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82־^ 'S 01• TÜMfb des Trzctates Erubin in ihrem V«rhütaia■ nrr X!■«*»!»* kritisch untersucht nebst ftinapn Anhalte: Der Tonzoftätont zu den Miaehnajothe der TracfafCäSabtiathtmdErnbin v.Dr. Adolf Schwär«, Rabbiner in. Karlsruhe. U■ alt. sv» M l Erubin ist als einer der schwierigsten Tractate bekannt. Der Verfasser hat nun mit Geschick den Stm—mmanbang der Mischnas klar und fasslich dar• gmtnllt durchweg den logischen Faden gesucht und den Stoff gründlich durchforscht. Gewiss ,eine sehr dankenswerthe Arbeit. Auch die nicht geringe Mühe, die sich der Verfasser unterzogen, zu jedem Mischna- Paragraphen den betreffenden Paragraphen aus der Tossefta herauazusuohen, trägt gleichfalls zum Verstandnt— der Mischna viel bei Auch darin zollen Wir dem Verfasser ▼olle Anerkennung, dass er den autoritativen Gharacter der,Tossefta im Gegensatz zu der ampligeixten Bonutas an mehreren Stellen hervorhebt, Worauf Referent in seinen Arbeiten wiederholt hin wies. Was aber den Kern der Frage betrifft, das Verhält- ..niss der Tossefta zur Mischna, so hat uns der Verfasser nicht überzeugt. Zügegeben, dass die,Mischna logischer geordnet ist, folgt daraus, dass wir Tossefta in das System der Mischna zwängen müssen. Es ginge der . Mischna nicht besser, wenn Jemand das!System ’ Maimons, der bekanntlich den Tr&ctat Erubin anders gruppirt (vergL die einleitenden Worte in Magid ' Misonna zu Hilchoth Erubin) besser gefiele, als das der Mischna. Sie würde nicht anders wie unser Verfasser es mit Tossefta macht, auseinandergerissen werden. Bekanntlich ist die Ideenassociation bei Verschiedenen ' nicht gleich. Gerade dies nicht strenge logische Band in Tossefta scheint mir auf einem früheren Ursprung hinzuweisen. So gar unmöglich ist die Brücke zwischen den ־einzelnen Sätzen in Tossefta nicht herzustellen, wenn auch zugegeben werden kann, dass einzelne Sitae vor dem Abschreiben an den Unrechten Ort . Immen Um eine solche Verwirrung heraus tel{ellt , Verfasser meint, konnte die Annahme des Zufana ni0kt genügen. Gerade der Punkt ist einer der Nichtigsten. , Ich nabe in meinen Toeseftä-Varianten, die einige 'Perakim in Jebamoth behandeln gerade anf yer_ schieden heit des Systems im Tossefta w]e Mianhna hingffwiesen wie jede einen besonderen Eintheilungsgrund hat und dass eben die Mischna xnehr innerlich, aie Tossefta äusaerlich Anlasse für die Eintheilung hat. Perek 5 im Tossefta hat die Mfachna passend mit den -ersten § des Perek 4 zusammengestdlJt, aber so unbedingt gehören sie nicht zusammen. Das Princip beider ist.ein anderes. In Perek 4 handelt es sich um ein unbestimmtes Erub, woran passend § 3 u. 4 in Tossefta sich anschlossen, die auch von einem bestimmten Gegenstand handeln, welcher § daher nicht von der Stelle gerückt werden müsse, wie Verfasser meint. § 1 im Perek 5 schliesst sich an das vorher- עירב ברנל!•o! denn davon hängt die Contra- ▼erse ab. — Der Verfasser nennt die Sätze der Tossefta seine Noten, ein allgemeiner Ausdruck als Erklärung, weil das deutsche Wort doch nicht so , passt, aber welche Noth er damit hat Sätze als Noten ninzustellen die Nichts erklären, sondern mit einigen! VWänderungen dasselbe sagen, kann man »sich über-! zeugen ans Seite 21, 22, S. 18 u. A. S. 48 sagt der : Verfasser aosdruckliicb, dass der Mischnaredacteur die , ausführliche Tossefta gekürzt hat, also Mischna setzt , Tossefta voraus, aber nicht umgekehrt. Nur die in! Mischna wörtlich herübergenommenen Stellen aus Tossefta fehlen in Tossefta während Varianten dem Sinne I oder der Form nach stehen geblieben sind. Auf das Einzelne können ' wir hier natürlich nicht eingehen. Ln Allgemeinen lässt sich sagen, dass Verfasser zum 4. correcten Text des Tosseftatractats einen guten Beitrag geliefert hat Ich habe in meinem Vorwort zur Tossefta gesagt dass ich selbst da, wo mir der Text des Erfurter Manuscripts fehlerhaft schien, mich dennoch von meiner subjectiven Leitung nicht leiten liess. Dass das Erfurter Manuscript relativ das beste ist, wird sich aus diesem Tractat ergeben. Eine glückliche Emendation scheint S. 32 § 1 des 4. Capitels zu sein. Allerdings konnten die Erklärer zu einer solchen Emendation nicht greifen, weil sie gegen den Talmud ist, der die Boraita oder vielmehr diesen Satz der Tossefta als einen Gegensatz zur Tossefta auffasst. Nach dem Talmud ist die Erklärung Pardas plausibel. Ob das רצי אין nicht aus תנ"א entstanden ist? Die Amoraim haben gewiss diesen Passus nach dem Begriffe Barera 80 aufgefasst (vergl. meine Abhandlung; über den Begriff Barera in Frankel Grätz Monatsj schrift 1869). — Wir sind jedenfalls dem Verfasser) für seine gründliche Arbeit dankbar, denn sie regt, j zum Talmudstudium an. Möge das Werk viele Leser oder Lemer finden. Zuckermandel. Notiz;. Die Jaden Indiens. Den im ״Litteraturblatt“ jüngst ver-! offentlichten Mittheilungen über die Juden Indiens aus den ו Reiseberichten Saphir’s lassen wir auch noch zur Ergänzung j auszugsweise die Berichte Schlagintweit’s folgen, welche sich in dessen ״Indien“ (Leipzig, Schmidt u. Günther 1881) linden. Jnden wohnen an der Westküste Indiens von Bombay bis! Travancora. Die Vermuthung, dass diese Jnden Nachkömmling» ׳ und Ueberreste der 10 Stämme seien, wird auch hier ausgesprochen. Die ersten Ankömmling.* dieser Juden nannten sich Bei Israel. Nach ihrer eigenen Tradition ist ihre Einwanderung i viele hundert Jahre alt. Das rechte Gesetz, sagen sie, sei ] ihnen abhanden gekommen, die Thora ist ihnen fremd, nur 1 theilweise feiern sie Sabbath und von den Festen nur Passah,■] Sie tuhren jüdische Namen und daneben Hindnnamen; •Be-1 schneidung und Foligamie ist bei ihnen üblich; sie sind. 3 Soldaten und treiben Ackerbau. Auch in Malabar finden sich J Jaden, sogar in einem starken Prozentsatz. Es fanden noch; vielb Nach Wanderungen und Niederlassungen statt;. der König! über liess ihnen Gebiet. Im 17. Jahrhundert waren auch diaj indischen Juden Verfolgungen ausgesetzt, welche meistens.] durch Christen entstanden, die ihnen die Rechte ihrer eheineicj Privilegientafel bastritten. Unter englischer Oblmt sind siel geschützt. Benjamin von Tadeln gibt dis ersten Nachrichten, j Aach schwarze Juden tinden sich dort, welche eine Vermischung4 erstrebten, die aber perhorrosart wurde. Die meisten Jude») kommen von occidentalischer Einv iwan lerung her; sie tragen I Pios-Locken. ln der Handelsstadt Cotszsin, mit deutschem] Consulat and zwei Synagogen, herrschen die schwarzen Juden , vor, die äasserlich den Hindus gleichen. Hier finden sich-, Thoraroilen, die aber mangelhaft sind; Leviticus nnd eiaf Theil von Deuterononium fehlt. Die Rollen sind von rothem j Ziegenfell und die Schrift hat rabbinische Charaktere. E»j kommen auch noch sonstige Abweichungen vor, doch nicht inj Menge und von Bedeutung. Eine solche Rolle befindet sich! auch in Cambridge. In Bezug auf das Schlangenbild und den j Schlangencultus l>ei Moses wird hier erzählt: Die Schlang*■! gilt als heiliges Wesen, als Bild des!,eben» und der Un-1 Sterblichkeit; einen Todtencultus kennen die Jnden Indiens•] ebenfalls. Scblangenbilder tinden sich deshalb häufig, aberl nicht als Fetischdienst, sondern _ das Bild, aus Thon oderj Messing gemacht, gilt als Heilmittel. Am Neujahrsfeste de Juden wie Muhameaaner Indiens, wird auch Schofar geblasen welches gleich dem unsrigen geformt ist» Sie haben auch einen:] Gebetcylinder, mit auf Pergament geschriebenen Gebete»,! welcher abgedreht wird und dieselbe Geltung hat, wie wenn ■ die Gebete gesprochen werden. Eine solche Einrichtung über• ■! trifft noch 'den Rosenkranz der Katholiken, welcher übrigen•־^ auch aas Indien stammt. R• -*• יי»»Uieher Kedaceeur Dr. Rahmer, Magdeburg. Drack ▼o* D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig• r n.*’l it^.i 11- * .