Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 8. (24.2.1883)
- Date
- 1883-02-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches .. t Jahrg. XII. Zu Miwktui aller Jiiciikim ul Jb4m feetreffMdea lltteraiiaekea Br* mMiurm uf 4tm Gebiete der Phile* MfU«, Geschickte, Rthaegraphle, Theo* ***•, OrieatalU, Exegese» Hevlletlk, Mtargik, PMagOftt. Herausgegeben Ton Bjabbiner Dr. Moritz Kahmer. 9T£ag9e-6m^, 24. <Fe6zuaz 1883. ■Seher der ducUi(laaa UtUntar,« der Bedeetlra legneett weedee, I la dieeea Blatte etageheade 1 Bei claseadaaf rea a wei BeeeeialeM Enarlma ertMpt eiaaullta kan» Üratla-Iaeertlia. Das „JMische LlttermtBr-BUtt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Baohhandln Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang B Mark. Abonnenten der „Israelitischen Wochenschrift“ (die vierte^' allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark kostet) erhalten das „Jüdische Litteratnr-Blatt“ gratis. — Iaaerate _ ___ SS Pf. für die gespaltene Petitzeile berechnet und von der Expedition dieses Blattes sowie durch die Central-Annoncen-BxpeÖto( von 6. L. Baabe & Co., Frankfurt a. M., Magdeburg, Berlin, Cöln, Hamburg, München, Zürich, Wien, Paris InA(S£ Inhalt: | Wissenschaft!. Autsatz: Rabhiner I)r. Lef>p. Stein. Von Joseph Klingenstein. Litteratnrberichte. Reuss, Eduard. Die (Geschichte der heiligen Schriften alten Testaments entwerten. — Die Tossel'ta des Tractates Eubin in ihrem Verhaltniss zur Mischuah kritisch untersucht. Hotiz. Nachdruck nur mit -voller Quellenangabe gestattet. Rabbiner Dr. Leopold Stein.*) Gönnen Sie mir, geehrter Herr Redactenr, Raum für ein Wort der Erinnerung an j einen Mann, dessen ganzes Leben, Denken und Dichten der Verherrlichung und Hebung des Judenthüms geweiht war. Ich weiss, dass Sie eine andere Richtung vertreten. Aber "ich weise auch, dass Sie jüqische Männer von der Bedeutung dessen, dessen Staub iam Rüsttage zum Chanukkafeste zu Frankfurt a. Jjl. der Erde übergeben wurde, vorurtheilsfrei zu würdigen wissen, wenn Sie auch auf anderem Wege dasselbe Ziel zu erreichen suchen: Die Verherrlichung des: Judenthums. Wohl selten hat ein Mann gelebt, der! mit solcher Begeisterung und Liebe dem Judenthumj anhing, als Stein, den man mit vollstem Rechte flen Denker und Dichter, Lehrer und Verkünder der Reform des Judenthums neunenj kann. Sein ganzes, grosses und edles Herz war erfüllt von dieser Idee, von dem Gedanken an die Regenerirung des Judenthums. Er wollte ihm frisch pulsirendes Leben einhauchen, er wollte wachrufen die Schlafenden, ermuntern die Zurükgebliebenen. Wohlj haben viele unserer Brüder und Lehrer zu allen Zejiten dasselbe erstrebt; viele in anderer Weise und auf anderen Wegen, wie heute noch. Welches auch! die Richtung sei, das Zie 1 ist ein gemeinsames. Ijarum. werden aber auch alle diese, alle Freunde des Judenthums, alle wahrheitsliebenden und überzeugungstreuen Mensohen gerecht werden müssen dem, Jessen ganzes Leben den Stempel lauterster Ueberzeugufig. charakterfesten Wollene und Strebens trug, dpr die Fülle seines erleuchteten Geistes, die Kraft seines grossen Herzens dem einen Ziele geweiht hattei! Wir mögen cs bedauern, dass Stein’s Lehen und Thun in unserer Zeit um deswillen nicht so voll wirksam wurde und *) Unliebsam verspätet, weil das am Schluss folgende ^Bücherverzeichnis« uns nicht früher zuging. 1 (Red.; darum der Verlust bei seinem Heimgange nicht, so gewürdigt wird, wie er es verdiente, wie seine be-> deutende Persönlichkeit verhiess, weil er die realen Verhältnisse „und die beregenden Kräfte im Lehen , und in den Personen unserer Zeit nicht genug be-' achtete, und ach, weil er kein Körnchen Streberthum hatte, das in unserer Zeit des Scheins die Menschen fordert, die sich in den Vordergrund drängen!. Er war eben nicht nur Lehrer und Prediger, Meister des Wortes, sondern auch „Dichter von Gottes Gnaden“, 1 der seinen hehren Idealen lebte. Bei ihm war der ] Idealismus so ausgebildet, die Kraft des Heisens so j mächtig, dass er die Hindernisse, die sich der Verwirklichung seiner schöpferischen Ideen entgegensetzten, nicht erkannte. Man musste ihn als Freund und Mensch, als Rabbiner und Lehrer, als Dichter ’V und Reformer so nehmen, wie er war, — oder nicht! Bei ihm gab es kein Biegen, — nur Brechen! Darum wird dem grössten Theile unserer Zeitgenossen sein Leben und die Entwicklung desselben nie begreiflich sein. — Aber nicht so seinen Freunden! Alle, die ihn näher kennen zu lernen Gelegenheit hatten, Werden sich glücklich preisen in der Erinnerung an unvergessliche Stunden, die sie mit diesem wahrhaft idealgesinnten Menschen verlebt haben, werden sagen:■- Stein war und lebte, wie er nicht anders konnte; sonst wäre er eben nicht Stein gewesen! Wie er voll heiterer Gemüthsruhe seines ersten Lehramts gedachte und erzählte, dass er damals vierteljähriieh „tausend Sechser in zehn Rollen (100 fl.) als Gehalt bezog — und er hatte eine zahlreiche Familie, - ein Haus voll herrlicher Kinder -— so heiter und ruhig vertraute er seinem'Gotte, als er sein schönes Amt in Frankfurt a. M. niederlegte und sich eine neue Existenz gründete. Und als man sein gutes Aussehen;' in jener Zeit pries, in welcher seine Freunde für seine Zukunft bangten, sagte er: „Von Zores wird man dick!“ Gerade in iener Zeit schnf er ein grösseres'; humoristisches Gedicht: („Das Parlament der Volks-; getränke“), das freilich in seiner Pointe den Grund- -. gedanken seines Lebens verherrlichte, die Humanität. ’ Für Falschheit und Hinterlist für Gemeinheit und alle ihre Geschwister hatte er kein Verständniss. Sein Zorn konnte wohl mächtig auflodem; aber, wenn man ihm ins Auge sah, war anch wieder Alles vergeben und vergessen.“ — % „Indessen schritt sein Geist gewaltig fort, Ins Ewige des Wahren, Guten, Schönen, . . Und hinter ihm, in wesenlosem Scheine, . >„ Lag, was uns Alle bändigt, das Gemeine.“