Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 1. (6.1.1883)
- Date
- 1883-01-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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'•t Jfdisehes Jshrg. XH Kir MMcIMai illw JidiithiB ail JUm MnltalM arische» Kr- •eManirM laf 4m Gehlst« 4er Philoj H^Uc, Gtsrhleht«, Eth»Ofraftlr, Theo- [■legis, OrleataJta, Exegrae, Homiletik, Utargfk, Pidsgegik. Herausgegeben ▼on Rabbiner Dr. Moritz Rabmer. 0TCla<j9ebw.tc;, 6. Sanwai 1883. Birk« 4w eiuck liftges Utlmli,! der Ititgtln iifMudl werde*, I [■ dlnta H<ltHli|dM4i 1 IM IlmUn, nt ■ wtl Kxndpltrea trfklirt tlwaull«» ka flntfa-lanftlw Das „Jldlsche Lltteratnr-Rlatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis hei allen BaoUiuidlangsq (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Hark. Abonnenten der .Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich1 bei. Sen Postanstalten und Bachhandlungen 8 Hark kostet) erhalten das „Jüdische Litteratnr-Blatt“ gratis. — läse rate werden mit ■ Pf. für die gespaltene Petitzeile berechnet und Von der Expedition dieses Blattes sowie durch die Central-Annoncen-Exped jtion G. L. Baabe £ Co., Frankfurt a. M., HagdebVg, Berlin, Cöln, Hamburg, München, Zürich, Wien, Paris befördert Inhalt: fissensohaftl. Aufsätze: Das Lied vom braven Mann. Von Dr_ Schriebet, Gummbinnen. — Dio Zilianft des Judenthums. — Nachträge. Zn dem Artikel:;,Zur antisemitischen Pseudowissenschatt. Ritter aturbericht. Tödoh Wessinoroh II. und Lewandowaki. Von M. Rosenhaupt. — Die grammattische Terminologie des Jeliuda b. David. Von Prof. Dr. Wilhelm Bacher. Nachdruck nur mH -voller Quellenaejibe gestattet. Das Lied vom braven Mann. )r. Lteopold. Ritter von Sacber-JMasooh zum 25. Schriftstellerjubiläum gewidmet schwillt die Fluth, sie wächst in dumpfen Grollen -Der Glaubenshass, dortin der Menschheit Schooss— schwacher Strom dem Wahne einst entiquollen, f'Og später ihn die Bosheit eifrig gross, ad näher zieh’n die unheilsschwang’ren Wogen ad hier und dort hört man ihr „Wehe!“ dröhnen; lern gilt ihr Droh’n, was hat sie hergezogjen? — ist das Häuflein dort von Jacob’s Söhnen. Pann fand’ der Hass, wenn Wurzel er geschlagen, Sicht auch den Weg, der ihn zum Opfer leitet, Tann hörte man den Wahn nach Gründen fragen, Senn Bosheit ihn nach Kräften ausgebentjet! Ins Beiden strömt des Hasses trübe FülleJ. schäumt und gischt zum Hohne der Coltur, Jo in der sittlich fein polirlen Hülle Soch weiter schleicht des Mittelalters Spur. em alten Hans’, dem Jacobshause, seht, km drängt die FInth im wilden Brausen zu, Jnd ringsherum der grosse Haufe steht Und schaut das Schauspiel an in guter Ruh’. Hans, das seihst der Zahn der Zeit geehrt, schonend manches Tausend liess durchleben, sieht es, weil es schwach und unbewehrt, wilden FInth des Hasses preisgegeben. Jnd Viele, selbst mit bess’rem Herzen, sehen en Frevel wohl, nnd fühlen menschlich Ihn, .Joch fehlt der Muth, für „Juden“ einzusteh’n, |Wo And’re sie zu stürzen sich bemüh’n. fle falsche Scham, sie zwingt das bess’re' Fühlen, |»n steht von Ferne, sieht dem Wogen zn, Jnd hilft man auch nicht mit heim bösen Wühlen, bleibt man doch dabei in träger Ruh’. Doch plötzlich theilt ein Mann die kalte Menge, Tritt kühn hervor, im Aug* den edlen Mntb, Er schaut das Hans, er schaut es im Gedränge Und wiedrnm dort die wüste, wilde FInth. Er kennt, er weiss das Unrecht, das hier waltet; Dass Mitgefühl hi^r gänzlich fremd geworden, Und Menschenlieben fast so sehr erkaltet, Wie dort der Hanch im öden, rauhen Norden. Es lässt ihn nicht*—,in’s Blut ist’s ihm gegossen, Der Wahrheit stets ihr heil’ges Recht zn gehen; Es lässt ihn nicht, wenn auch von Hohn umflossen, Das warme Wort für „Juden“ zu erheben. „Es ist nicht anders“ — hört man’s spottend tönen „Es ist ihr Blut, gewiss, er stammt von ihnen, Wie käm’ er sonst zum hochverdienten Sehnen^ Wo Hass am Ort, mit Freundschaft so zn dienen“J?) Wie kleinlich dies, den Menschen so zn schätzen, | Nnr nach der Masse, die der Zufall schafft, Und And’ren so sich selber gleichzusetzen Ihm abznsprechen ganz die eig’ne Kraft; Dass er, wo Viele denn vom Wahn befangen, i1' Mittasten müsst’ auf dunklem, krummen Pfad, j Dass auch in ihm nicht blitze das Verlangen Zu prüfen, oh denn Alles wahr nnd g’rad. Und doch, er thnt’s. Verklärt vom Dichtergeist, Der eigen ihm, der ihn berühmt gemacht, Entrollt er das, was „jüdisch Wesen“ heisst, In Bildern hell, so wie er sich’s gedacht, j , Wie eFs erkannt, wie eFs geschaut im Leben, Wie ’s ihm so tief nnd echt sich eingeprägt, Verstand der Meister wieder so zn gehen, Als hätt’s die Wahrheit selbst hineingelegt. Was dort im Schooss des Judenstammes weilt An Tngendglanz, und auch an dunklem Schatten, — Die Beide ja noch niemals ungetheilt Den Platz bei einem Volke inne hatten. — ' Das zeigte er im freien echten Walten Nicht Jenen gleich, vom Vorurtheil verführt, Die stets des Jnden Wesen so gestalten, Dass dann in ihm der Mensch nnr carrikirt. Der Jnden Ehre suchte er zn retten, An der der Hass bis jetzt sich so ermüdet; Versucht zn sprengen so die alten Ketten Des Vorurtheils, in finst’rer Zeit geschmiedet *> Man wird sich erinnern, wie Sacher -Masoch ftffänUhfc erklären musste, dass er nicht Jude sei