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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1882-12-20 · No. 51. (20.12.1882) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 51. (20.12.1882)
Date
1882-12-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Abonnenten der „Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteb&hrnch bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 B»rk kostet) erhalten das „Jüdische Litteratnr-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 88 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet] and von der Expedition dieses Blattes sowie durch die Central-Annoncen-Expedition von 6. L. Daube tc Co., Frankfurt a. M., Magdeburg, Berlin, Cöln, Hamburg, Münohen, Zürich, Wien, Paris befördert. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: .Sacher-Masoch. — Kappoport and Lnzzatto. (Fortsetzung.) Litteratarbericht. Die Religionsphilosophie des Saadia, dargestellt uml erläutert von Dr. J. Gutt(nann. (Schloss.) — Der Talmudjude von Dr. Jellinek. — „Auf der Höhe“. Inserate. Nachdruck nur mit Broiler Quellenangabe gestattet. Sacher-Masoch. Unter denjenigen tüchtigen Romanschriftstellern nnd Novellisten der Neuzeit, die mit „Wahrheit“ ohne „Dichtung“ Charakterbilder ans dem jüdischen Leben zeichnen, und auch durch längere, eigene Anschauung, wirklich existirende Tyjjen des Volkslebens dem Leser vorzuführen'berechtigt nnd zugleich befähigt sind, ragt bekanntlich SachAr Mas och als erste Grösse hervor. Die deutsche Kritik hat sich oft an dichterische and litterarische Erzeugnisse aufkeimender junger Talente, wenn solche besonders französischer oder gar slavischer Herkunft sind, die Sporen verdienen wollen, und nicht nur die reaktionäre Schmutzpresse, die von halboffiziiiser Seite auch secundirt und alimentirt wurde, sondern auch manche echt germanisch-ehrliche Seele vermeinte die fruchtbare schriftstellerische Laufbahn dieses neuen „galizischen Turgenew“ durch ungerechte Ausstellungen hemmen oder wenigstens verdunkeln zu können. Mit nichten! Der sogenannte kritische Areopag von Kleingeistern, die aus verschiedenen tjnd zum grossen Theil recht kleinlichen Motiven zu; einem Richterkollegium über sie überragende, ° neue Bahnen brechende Talente constituirten, ging in die Brüche, und die eminente Begabung Sacher Masoch’s fand trotzdem, oder vielleicht gerade dadurch, mehr und mehr Anerkennung und was er schrieb — viele Lesert Doch wir wollen nicht als Panegyriker^Saoher-Masoch’s auftreten, sondern nur dessen Beziehung zu Juden und Judenthum hervorheben. Von dem realistischnaturwissenschaftlichen Standpunkt Sacher-Masoch’s aus lässt sich unmöglich erwarten, 4ass eri bei aller seiner fast „angeerbten“ „Judenfreifndlichkeit“ stets die guten Eigenschaften und blossen Lichtseiten des polnisch-galizischen Juden in seinen Schilderungen ’idStLV— .---jL.. x - - ..ö. herausliebe. Als wahrer Zeichner gegebener Zustähde und Verhältnisse, historischer Figuren und leibhafter Natürlichkeit, kann und darf er nicht die mit photographischer Treue gemalten Lebensbilder und Charakterköpfe durch unochte Retouche' verunstalten. Sacher-Masoch ist, wie der Literaturhistoriker Rudolf Gottschall mit Recht in einer seiner Recensionen hervorhebt, nicht nur Dichter, soncTem auch Philosoph von der neuesten naturwissenschaft^ -?- liehen^ Richtung. Mit dem lebhaftesten poetischen Gemüth nnd einem vollendet farbenreichen Erzählungsffi talent begabt, vereinigt Sacher-Masoch in* hohem ’ Grade eine tiefe, oft originell auftretende phisosophische’' Anschauungsweise, die nicht in veralteten Formen, sondern in neuen glänzenden Ausprägungen gefundener i Goldklumpen .in blanken, gangbaren Münzen dem Publikum präsentirt werden. Der gemüthsvolle, edle Dichter wird oft durch den schroff, aber wahr, mit unerbittlicher nüchterner Logik und Oonsequsas auftretenden philosophischem Pessimismus eines Schoppenhauer-Hartmann verdrängt, und so wirdiifc der humanistisch durchwehet« Dichter vom eisig kalten Denker übertrumpft. — Wir nannten die Judenfreundlichkeit Masoch’s, die sich in fast allen seinen Schriften und- , litterarisohen Skizzen manifestirt, eine „angeerbte“.' Aus folgenden biographischen Notizen wird der Leser . diesen Ausspruch begründet finden. Der Stammbaum der Familie Sacher-Masoch reicht bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts hinanf, und nach den Urkunden soll der Ahnherr, Don Matthias Sacher, als Rittmeister unter Kaiser Karl V. 1547 in einer Schlacht sich ausgezeichnet haben und geadelt worden sein. Der Urgrossvater unseres Autors war als p Gubernialrath in Galizien in den ffitterstand erhoben. Der Grossvater war Professor und Decui der Lemberger Universität, und von noch lebenden Bekannten desselben als edler Mensch und Judenfreund hoch- ■ ■ geschätzt. Der Vater Sacher-Masoch’s war bekannt-i. jSäj lieh als Polizeichef .und Gubernialrath in Galizien : während der polnischen Revolutionen im Jahre 1837, 1846/48, ein sehr humaner Staatsmann und wirkte wohlwollend’ nnd hilfreich für < die Sacher^**1 J

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